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Borussia Mönchengladbach
Gladbach braucht noch Zeit und hat sie sogar

Bilder: Klatsche in Bochum: Dämpfer für Gladbach
Bilder: Klatsche in Bochum: Dämpfer für Gladbach FOTO: Päffgen
Mönchengladbach. Das 2:5 gegen den VfL Bochum ist kein Weltuntergang für die Borussia, aber ein heftiger Rückschlag in der Vorbereitung auf die Rückrunde. André Schuberts Trumpf vor dem Dortmund-Spiel: Für seine Verhältnisse bleibt ihm noch ganz schön viel Zeit. Von Jannik Sorgatz

Es ist nicht leicht, die Attribute eines kompletten, überaus bewegten Fußballmonats noch einmal in 90 Minuten zu packen, das muss man der Borussia nach dem 2:5 in Bochum lassen. Das Testspiel glich einer kompakten Neuaufführung des Dezembers mit all seinen Offensivspektakeln und defensiven Offenbarungseiden. Da war Manchester drin, Leverkusen, Bremen, Darmstadt und in den guten Momenten selbst ein bisschen Bayern. Unterm Strich aber mehr Kollaps als Spektakel.

Schubert unkte nach dem Spiel, dass Borussia Dortmund, der erste Rückrundengegner am kommenden Samstag (18.30 Uhr/Live-Ticker), mit dieser Gladbacher Leistung sicherlich nicht viel anfangen könne. Stimmt, die Frage muss aber auch lauten: Was können Schubert und seine Spieler mit ihr anfangen?

Nach dem 2:2 gegen Hertha BSC in Belek schienen Andreas Christensen und Martin Hinteregger die Nase vorn zu haben im Kampf um die beiden Plätze in der Innenverteidigung. Sie hatten als Duo keinen Treffer zugelassen, die Gegentore fielen nach der Umstellung auf eine Dreierkette mit Havard Nordtveit. Doch bei Prognosen ist weiterhin Zurückhaltung angesagt.

Das ist Christofer Heimeroth FOTO: Dirk Päffgen

Gegen Bochum mischte Oscar Wendts Ausfall die Karten neu, weil Hinteregger seinen Platz hinten links einnahm und Martin Stranzl sich im letzten Härtetest 90 Minuten lang beweisen durfte. Das klappte eine Halbzeit lang so gut, dass ein Einsatz gegen den BVB nicht utopisch wirkte. Stattdessen leitete Christensen den einzigen Treffer der Bochumer vor der Pause mit einem Pass in die Füße des Gegners ein, mehrmals musste Stranzl zudem Stellungsfehler des jungen Dänen ausbügeln. Plötzlich schien Christensens Dortmund-Wildcard zu bröckeln.

Allerdings sind Borussias Schwächen genauso schwer zu durchschauen wie ihre Stärken. Jeder strahlt vorne Gefahr aus, jeder kann es hinten gefährlich werden lassen. Verblüffen und Versagen im Kollektiv. Vor Bochums zweitem Tor spielte Mahmoud Dahoud einen Steilpass nach hinten, den Simon Terodde aufnahm, unter gütiger Mithilfe Yann Sommers trudelte der Ball über die Linie. Beim dritten Tor spielte Stranzl einen verheerenden Ball auf den jungen Nils Rütten, der andersherum vielleicht zu erwarten und zu verzeihen gewesen wäre. 

Die Winter-Einkäufe seit 2001/2002 FOTO: Dieter Wiechmann

Später verloren Stranzl und Nordtveit als weiteres Innenverteidiger-Duo völlig den Faden. Vor ihnen spielte in der letzten halben Stunde allerdings eine Doppelsechs um Rütten und Marvin Schulz. System hatte bei der Borussia in dieser Phase nur noch wenig, weshalb zumindest fraglich ist, welche Rückschlüsse die Höhe der Niederlage erlaubt. Fest steht nur, dass auch das veränderte Personal in der Abwehr den Gegner zu sehr gewähren lässt und Gefahr zu selten im Keim erstickt. 

Am besten klappte das in der ersten Halbzeit, wenn die Borussia selbst so viel Druck machte, dass Bochum Ball und Gegner hinterherlief. Daraus die Devise abzuleiten, dass Angriff die beste Verteidigung sei, würde sich jedoch spätestens gegen Dortmund als Trugschluss erweisen. Nach wie vor ist Schuberts Team auf der Suche nach der richtigen Mischung und offenbar weit davon entfernt, sie zu finden. 

Immerhin haben die positiven Faktoren weiterhin Bestand: Raffael präsentierte sich auch gegen Bochum in blendender Form, Ibrahima Traoré lieferte einige Argument für einen Startelf-Einsatz gegen den BVB und Dahoud ist eine offensive Bereicherung, wenn Nordtveit ihm den Rücken freihält. Jonas Hofmann zeigte erneut gute Ansätze, man könnte aber auch feststellen: Er kam nicht über die Ansätze hinaus. Noch fehlt ihm die Bindung. 

Sollte sich Schubert auf den Flügeln für Traoré und Fabian Johnson entscheiden, der am Samstag zunächst auf der Bank saß, wäre Hofmann immerhin eine gute Option von der Bank gegen seinen Ex-Verein.

Noch bleibt der Borussia eine komplette Trainingswoche bis zum Start der Rückrunde. Was das für ein Luxus ist, wird häufig vergessen. Bislang konnte Schubert seine Mannschaft erst einmal derart ausgiebig auf einen Gegner vorbereiten. Am Ende jener Woche gab es ein 3:1 gegen den FC Bayern.

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