| 12.18 Uhr

Borussias Kramer über sein Traumtor
"Den Schuss habe ich eigentlich nicht im Repertoire"

Borussia in Hannover: Einzelkritik
Borussia in Hannover: Einzelkritik FOTO: dpa, jst fpt
Borussia nannte ihn bei Twitter einen "Teufelskerl" und seinen Treffer zum 1:0-Sieg in Hannover einen "Schuss ins Glück". Die Fans wählten ihn zum "Spieler des Spiels". Und Christoph Kramer selbst musste viel erklären nach seinem siegbringenden Linksschuss von der Strafraumgrenze. Von Karsten Kellermann, Hannover

Mit zerzausten Haaren und einem breiten Grinsen stand er vor den Mikrofonen und Fernsehkameras und erzählte, wie es kommen konnte, dass er, ausgerechnet er, mit einem Fernschuss, seinem ersten ins gegnerische Tor in einem Bundesligaspiel, nach 431 Minuten die skurrile Torflaute der Mönchengladbacher Borussen beendete.

Im Training habe der Kollege nie so einen Treffer fabriziert, genau genommen könne Kramer gar nicht richtig schießen, gab Torhüter Yann Sommer grinsend bekannt, und auch die anderen Kollegen foppten den Helden von Hannover ob seiner außergewöhnlichen Tat.

Dass er zuvor ein verblüffendes Solo auf den Rasen gebracht hatte, ein Tänzchen nahezu im Strafraum des Gegners, danach aber an Torhüter Philipp Tschauner gescheitert war, belegte, dass Kramer sich viel vorgenommen hatte an diesem Tag. 12,18 Kilometer war er unterwegs, nur zwei Spieler hatten eine höhere Laufleistung. Und sein zweites Saisontor – das erste hatte er gegen Schalke erzielt – war sein zweiter Schussversuch an diesem Tag.

Herr Kramer, erklären Sie mal Ihren Treffer.

Kramer Es gibt nichts zu erklären. Es musste wohl ein Glücksschuss wie dieser her, um nach so langer Zeit den Knoten zu lösen.

Es war ein Tor, das einen wichtigen Sieg gebracht hat.

Kramer Stimmt. Gerade in solchen Phasen ist es wichtig, dass man sich mal für ein gutes Spiel mit einem Ergebnis belohnt. Dann geht man wieder ganz anders zum Training, es fällt alles wieder leichter. Wenn es nicht läuft, stellt man alles in Frage, das bleibt auch bei jedem Einzelnen nicht aus. Darum tut so ein Erfolg sehr gut.

Sie hatten vorher schon die Chance nach Ihrem Tänzchen im Strafraum …

Kramer Wir hatten vorher einige Möglichkeiten, um zu treffen. Ich hatte dann das nötige Glück im Fuß. Das Dribbling war aber kein Glück, das habe ich drauf. Wirklich, das meine ich ernst. Den Schuss habe ich aber eigentlich nicht im Repertoire. Von daher würde ich sagen, dass es ein hart erarbeiteter Glücksschuss war. Aber klar, ich wollte den Ball aufs Tor bringen, es war auch in dem Moment keiner da, der besser positioniert war, ich habe den Ball gut angenommen und dann hat es gepasst.

Hannover - Borussia: Bilder des Spiels FOTO: dpa, jst

Man kann sagen: Das Tor haben sie sich verdient mit dem Einsatz der letzten beiden Spiele, auch gegen Dortmund merkte man Ihnen an, dass Sie etwas bewegen wollten.

Kramer Mich hat es geärgert, wie wir als Team, aber auch ich persönlich, in Stuttgart aufgetreten sind. Alle anderen Spiele, finde ich, waren abgesehen von den Ergebnissen ganz gut. Aber in Stuttgart war es einfach Mist. Und ich lasse mir nicht gern vorwerfen, dass die Körperspannung fehlt, dass man nicht alles gegeben hat. Deswegen haben wir uns als Team zusammengesetzt, haben das nochmal thematisiert nach dem Stuttgart-Spiel. Beim 0:1 gegen Dortmund ist es uns gut gelungen, wir haben sogar besser gespielt als in Hannover. Aber in Hannover haben wir von der Einstellung her wirklich ein hervorragendes Spiel gemacht. Ich bin kein Fan von kratzen, beißen, schreien, aber so kann man sich in solchen Phasen das Glück wieder erarbeiten. Das haben wir getan.

In der Hinrunde gab es nach dem Hannover-Spiel eine Serie mit 16 Punkten aus sieben Spielen. Kann dieser 1:0-Sieg Auftakt einer neuen Serie sein?

Kramer So weit möchte ich nicht gehen. Aber es ist einfach wichtig, dass man mal wieder mit so einem Ergebnis nach Hause fährt. Da ist die Stimmung wieder eine ganz andere, das spürt man in der Kabine, im ganzen Umfeld. Es ist alles angenehmer, der Glaube, der Mut und das Selbstvertrauen kommen zurück – na ja, und im Sport ist es eben auch angesagt, ab und zu mal ein Ergebnis einzufahren.

War es Ihr schönstes Tor – ins gegnerische Netz, schließlich haben Sie in Dortmund mal aus großer Distanz ins eigene Tor getroffen.

Kramer Ich habe beim VfL Bochum auch schon mal das Tor des Monats erzielt (Anm. der Red.: 2013 umkurvte er im Spiel gegen den MSV Duisburg fünf Gegenspieler und traf zum zwischenzeitlichen 2:1, Endstand 2:2; 55 Prozent der Stimmen bei der internen Fan-Wahl zum Tor des Monats bekam er dafür). Aber es ist auf jeden Fall mein schönstes Tor mit links, das kann ich sagen.

Was sagen die Kollegen? Werden Sie nach so einem Tor mehr gefoppt oder gefeiert?

Kramer Mehr gefoppt. Es ist ja auch klar: Wenn man mich im Training manchmal schießen sieht, ist es schon etwas unglaublich, dass ich so ein Tor mache. (grinst) Allerdings hätte ich mit ein bisschen Glück in Hannover auch einen Hattrick erzielen können. Aber ich will nicht sagen, dass mir das Glück fehlte. Ich hätte auch nach dem Solo gern getroffen, aber es sollte, wie gesagt, wohl so ein Tor sein.

 
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