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Borussia Mönchengladbach
Kramer ist der Ordnungshüter

Borussia Mönchengladbach: Christoph Kramer ist der Ordnungshüter
Christoph Kramer stellt sich Jamie Vardy in den Weg. FOTO: rtr, mb
Mönchengladbach. Die Borussen ärgerten sich über den Kontrollverlust in der zweiten Hälfte gegen Leicester City. "Wir waren eigentlich die bessere Mannschaft", sagte Christoph Kramer. Dass sich Tobias Strobl schwer verletzte, war nicht der einzige Grund, warum Gladbach noch 1:2 verlor. Von Jannik Sorgatz

Jannik Vestergaard beherrscht den bösen Blick auf beeindruckende Weise, doch der am Freitagabend war sicherlich einer der bösesten, die er in seiner Zeit bei Borussia jemandem zugeworfen hat. Sein Opfer, Leicester Citys Stürmer Jamie Vardy, zählt – zu seinem eigenen Glück – zu den furchtloseren Typen im Fußball. Somit war es ein Duell von "Game of Thrones"-Format, mit dem Unterschied, dass Vestergaard und Vardy sich nicht in King's Landing, sondern im King Power Stadium trafen (wo der "König", Leicesters Besitzer, nach dem Spiel in den Helikopter im Mittelkreis steigt).

Es lief die 53. Minute, als Vestergaard von Vardy mit beiden Beinen an der Seitenlinie umgegrätscht wurde. Das Foul war so eines, nach dem sich die Trainer in Testspielen gerne anschauen und der des Opfers mit "Was soll das?"-Blick die Arme ausbreitet. Vestergaard wälzte sich ein paar Sekunden, sprang dann aber unvermittelt auf, um Vardy den erwähnten bösen Blick zuzuwerfen. Das Publikum, das gerade noch applaudiert hatte, als Tobias Strobl (Riss des vorderen Kreuzbandes und des Außenmeniskus) vom Platz getragen wurde, johlte. Das hatte dann wirklich etwas von einem Schwertkampf in der Arena bei "Game of Thrones". Es war die Szene, von der Christoph Kramer nachher sagte: "Dadurch ist etwas Unruhe reingekommen."

Borussia verliert die Kontrolle

Gepaart mit dem Schock durch die Strobl-Verletzung verlor Borussia in der Folge die Contenance. "Wir hatten das Ding eigentlich unter Kontrolle und waren die bessere Mannschaft", sagte Kramer. "Da sind wir nicht aus dem Freundschaftsspiel-Modus rausgekommen, was die Zweikämpfe angeht", monierte Trainer Dieter Hecking.

Fortan konnte nur Torwart Yann Sommer glänzen. Laszlo Bénes bescherte dem Schweizer mit einem haarsträubenden Fehlpass die Gelegenheit zur Glanzparade gegen Shinji Okazaki. Machtlos war dann aber auch Sommer, als Vardy nach einem langen Ball aus Leicesters eigener Hälfte alleine vor ihm auftauchte. Während am Samstag beim Supercup in Deutschland über fehlende kalibrierte Abseitslinien diskutiert wurde, bot die Regie in Leicester nicht einmal eine brauchbare Zeitlupe an.

Doch die relevante Erkenntnis der zweiten Halbzeit war, wie sehr Borussia auf der Doppelsechs der Ordnungshüter Kramer und Denis Zakaria mit seiner körperlichen Präsenz fehlten. Bénes fand ohne einen der beiden an seiner Seite nicht die Balance zwischen Offensive und Defensive. Immerhin sprintete er entschlossen hinterher, nachdem Thorgan Hazard sich vor dem 1:2 einen Allerwelts-Ballverlust geleistet hatte. Aushilfs-Sechser Jonas Hofmann dagegen trabte zurück und Rechtsverteidiger Nico Elvedi war gerade – ohne echte Absicherung – bis an den gegnerischen Strafraum aufgerückt.

Immerhin lieferte die halbe Stunde zwischen Strobls Verletzung und der 80. Minute genügend Stoff für die Nachbereitung. Und vielleicht machen die Videoanalysten aus Vestergaards bösem Blick ein Gif, um die Stimmung aufzulockern.

 
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