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Borussia Mönchengladbach
Darum bleibt hier zur EM 2024 das Licht aus

Borussia Mönchengladbach: Darum bleibt hier zur EM 2024 das Licht aus
Im europäischen Spitzenfußball hat sich der Borussia-Park einen Namen gemacht, und auch Mönchengladbach muss sich mit 260.000 Einwohnern nicht unnötig klein machen. Doch gegen die starke Konkurrenz im Fußball-Land Deutschland hatte die Bewerbung am Ende kaum eine Chance. FOTO: Andreas Krebs
Mönchengladbach. Mönchengladbach ist im Ranking des DFB nur auf dem 13. Platz gelandet. Viel mehr war auch nicht drin. Von Jannik Sorgatz

Am 24. Oktober messen sich Mönchengladbach und Düsseldorf auf dem Rasen in der Esprit-Arena. Doch am 15. September hatte es den Anschein, als würde das erste Derby in Frankfurt am Main über die Bühne gehen. Dort gab der Deutsche Fußball-Bund bekannt, mit welchen Stadien er gegen die Türkei, den letzten Konkurrenten, ins Rennen um die Europameisterschaft 2024, gehen will. Vorher war verkündet worden, dass es vier regionale Zonen im Norden, Osten, Süden und Westen gibt - mit mindestens einer und maximal vier Bewerberstädten. Das klang nach einem Niederrhein-Duell zwischen Mönchengladbach und Düsseldorf, einem Duell der Verschmähten, als die WM 2006 in Deutschland stattfand.

Allerdings entschied Düsseldorf das EM-2024-Derby als Dritter des Rankings so deutlich für sich, dass die These nicht mehr haltbar war. Mönchengladbach landete auf dem 13. Platz und musste mehr auf einen anderen Gegner aus Nordrhein-Westfalen schauen. Gelsenkirchen erhielt als Neunter gerade noch den Zuschlag. So stimmte die Liste der Auserwählten bis auf eine Ausnahme mit der Liste der zehn größten deutschen Städte überein - mit Gelsenkirchen anstelle von Essen.

Hatte Mönchengladbach mit seinen 260.000 Einwohnern überhaupt eine Chance? Gelsenkirchen ist mit ein paar Hundert Einwohnern mehr der Grund, die Frage zu bejahen, und war den Gladbacher Offiziellen auch der größte Dorn im Auge. "Man wundert sich", sagte Sportdezernent Gert Fischer. "Bei einer Mitbewerberstadt wird die Verknüpfung bei der ICE-Anbindung so beschrieben, dass die Stadt ,mit Nachteilen zu kämpfen' habe, bei uns heißt es, das seien ,erhebliche Mängel." Diese Formulierungen standen im Evaluierungsbericht des DFB, und als die 65 Seiten kurz vor der Entscheidung in Mönchengladbach ankamen, da ahnten sie bereits, dass die Sektkorken nicht knallen würden. In zehn Sektoren vergab der DFB Punkte. Im Detail hat er seine Bewertung nicht preisgegeben, an der Stelle endete das neue Transparenzgebot des Verbandes. Dadurch wurden letztlich nur die Rankings in den einzelnen Sektoren bekannt. Insgesamt 50 Prozent entfielen auf "Stadien", "Mobilität" und "Unterbringung/Trainingseinrichtungen". Die Platzierungen 11, 14 und 11 haben Mönchengladbach wohl zurückgeworfen.

Wer wollte, bekam die Probleme am vergangenen Samstag beim Bundesligaspiel zwischen Borussia und Hannover 96 komprimiert vorgeführt: Da steckte der gegnerische Mannschaftsbus auf der A 52 so lange im Stau, dass der Anpfiff verschoben werden musste. Genächtigt hatten die 96er im Hyatt Regency, einem Fünf-Sterne-Hotel in Düsseldorf. Gleichzeitig waren die Zug-reisenden unter den Hannover-Fans am Düsseldorfer Hauptbahnhof angekommen, teilweise mit ICE oder IC. Sie mussten nun noch die etwa halbstündige Fahrt nach Gladbach bzw. Rheydt hinter sich bringen, um von dort rund 20 Minuten mit dem Shuttlebus zum Stadion zu fahren.

Als der EM-Traum geplatzt war, bemängelte Hans-Wilhelm Reiners die "technokratische Entscheidung". "Wir haben ganz bewusst das Thema Emotion und Fußballtradition der Stadt gespielt. Das hat offenbar gar keine Rolle gespielt", sagte der Oberbürgermeister. Mit der Einschätzung lag er richtig, doch genau dieses Prozedere hatte der DFB, rund um die WM 2006 von Skandalen erschüttert, angekündigt. Deshalb war kein Platz für freundliche Gesten. Damals hatte Kaiserslautern noch den Zuschlag bekommen, um der Legende Fritz Walter eine Freude zu machen, Hannover wurde als Stadt des Bundeskanzlers Gerhard Schröder ausgewählt. Der Trost mag schwach sein, aber Mönchengladbach ist die richtige Stadt am falschen Ort, wenn es um große Fußballturniere geht. In so gut wie jedem anderen Land wäre es dabei gewesen. Doch Deutschland ist mit seinen Stadien und allein 14 Städten mit mehr 500.000 Einwohnern in dieser Hinsicht einfach Weltklasse.

Quelle: RP
 
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