| 12.40 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Zu wenig

Borussia Mönchengladbach: Das ist zu wenig in der Offensive
Dieter Hecking wechselte mit Raúl Bobadilla (Nummer 26) und Julio Villalba (halb verdeckt) zwei Stürmer ein, am Ende ging sogar Torwart Yann Sommer mit nach vorne. Aber selbst das verhalf Lars Stindl und seinen Kollegen nicht zu einem Erfolgserlebnis gegen Eintracht Frankfurt. FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. Beim 0:1 gegen Eintracht Frankfurt gibt es in der Offensive eine lange Mängelliste. Die hoch gelobten Angreifer der Gladbacher sind nicht kreativ genug, sie kommen zu selten vor das Tor. Wenn das gelingt, sind sie nicht präzise genug. Von Karsten Kellermann

Thorgan Hazard hätte das Elend in Grenzen halten können. Die Gelegenheit war günstig nach seinem Solo von links in den Strafraum, doch der Ball sauste in jener 79. Minute weit über das Ziel hinaus. Dahin war die letzte Hoffnung, doch noch das 0:1 gegen Eintracht Frankfurt abzuwenden. "Ich habe wohl zu fest geschossen und dabei die Richtung verloren", gestand Hazard später. Weswegen die Bilanz des Tages, die Kevin-Prince Boateng lieferte, die passende war. "Wir haben ein Tor mehr geschossen", sagte der Produzent des Frankfurter Siegtreffers. Boateng schoss das erste Tor seines Teams in dieser Saison. Drei haben die Gladbacher bereits erzielt - doch der hoch gelobte Angriff ist nach dreimal 90 Bundesligaminuten noch ohne Treffer. Die Tore erzielten die Verteidiger Nico Elvedi und Oscar Wendt sowie der defensive Mittelfeldspieler Denis Zakaria.

Lars Stindls Debüt-Treffer verhinderte Lukas Hradecky mit einer tollen Parade. Der 25-Meter-Schuss des Borussen wäre im Netz gelandet, wenn Frankfurts Torhüter nicht lehrbuchmäßig übergegriffen hätte im Flug und so den Ball zur Ecke gelenkt hätte. Ein Assist steht für Borussias Nationalspieler in der Liga bislang zu Buche, so weit haben es seine Kollegen Raffael (immerhin ein Pokal-Tor) und Hazard (im Pokal eine Torvorlage) noch nicht gebracht. Hazard war gegen die Frankfurter bemüht, seine Liga-Statistik zu verbessern. Er hatte die zweit- und drittbeste Chance nach Stindl. Zum einen den Versuch in der Schlussphase, zum anderen kam er vor der Pause nach einer Hereingabe von Patrick Herrmann aus recht spitzem Winkel zum Schuss, beförderte den Ball aber ans Außennetz.

Jenseits der drei guten Gelegenheiten gab es jedoch ein Problem: "Wir haben uns schwer getan, gute Chancen zu kreieren", gab Hazard zu. Die 64 Prozent Ballbesitz hatten keinen Effekt, weil das Angriffsspiel im Gros zu verschwurbelt war. Hin und her wurde gespielt statt steil, die Eins-gegen-Eins-Situationen, die Trainer Dieter Hecking in der Woche hatte üben lassen, um die kompakten Frankfurter zu zerfleddern, konnten die Borussen zu selten für sich entscheiden, über die Flügel kam zu wenig Input, vor allem von rechts über Patrick Herrmann, und auch die neue Stärke bei Standards kam nicht zum Tragen.

"Wir waren nicht zielstrebig genug, für den Aufwand, den wir betrieben haben, war es zu wenig Ertrag. Wir sind zu wenig hinter die Ketten gekommen, zu wenig in den 16er rein, hatten zu wenig gefährliche Aktionen. Und das Quäntchen Glück, dass mal einer reinfällt hatten wir auch nicht", fasste Kapitän Stindl die Mängel in der Offensive zusammen. Er selbst war in der vergangenen Saison der Cheftorjäger der Borussen, an ihm hängt viel im Offensivspiel. Gegen Frankfurt ging ihm nicht nur die Effektivität vor dem Tor ab, auch seine schneidenden Pässe in die Zonen, in denen der Gegner anfällig ist, blieben aus. Raffael war aktiv, doch ein Geniestreich seinerseits blieb auch aus.

Gegen Frankfurt plagte die Borussen also ein Kreativitätsproblem. Das änderte sich auch nicht wesentlich, als Trainer Dieter Hecking nach der Pause das System auf 3-5-2 änderte, um mehr Überzahlsituationen zu schaffen. Zu kompliziert spielte Borussia weiterhin. Auch als Hecking mit Raúl Bobadilla und Julio Villalba quasi einen doppelten Mittelstürmer installierte, hatte das keinen entscheidenden Effekt. Bobadilla gab noch einen Torschuss ab, doch der war arg ungefährlich. Einmal wollte er einen Elfmeter haben, doch der Pfiff blieb aus.

Fehlende Kreativität - das ist ein seltenes Manko der Borussen. "Wir haben bisher in allen Spielen viele Chancen kreiert", sagte Stindl. Da war es dann eher die Effektivität, die nicht stimmte. Nun gegen Frankfurt fehlte beides. Denn es gab eben die zwei, drei guten Gelegenheiten, die unschöne Geschichte wenigstens mit einem Punkt zu beenden. "Wir hatten ein paar Chancen, aber es fehlte vor dem Tor die letzte Präzision. Das müssen wir ändern. Es wird kommen, da bin ich mir sicher, wir müssen die Ruhe bewahren", sagte Hazard.

Quelle: RP
 
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