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Borussia Mönchengladbach
Das Umschaltspiel im hohen Norden

Borussia Mönchengladbach: Das Umschaltspiel im DFB-Pokal
Einige dieser Spieler werden im DFB-Pokal auf jeden Fall zum Einsatz kommen. FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. Zwischen den Spielen gegen Bern tritt Borussia Mönchengladbach im Pokal in Drochtersen an. Das Team von André Schubert muss den Spagat schaffen zwischen Champions-League-Hymne und Dorfkulisse. Von Karsten Kellermann

Es gibt Themen, die würde sich Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl gern ersparen. Zum Beispiel die Debatte darüber, was er anstellen wird mit den vielen Millionen Euro, die sein Arbeitgeber mit der Teilnahme an der Champions League verdienen wird.

Zum Beispiel zeitnah den dänischen Verteidiger Andreas Christensen fest verpflichten. Eberl winkt ab. Die Gespräche mit dem FC Chelsea, der den Spieler an den Niederrhein ausgeliehen hat, beginnen offiziell erst nach dem Ende der Wechselperiode. Dass er Christensen haben will, ist bekannt, und es steht sogar zu vermuten, dass die Chancen recht gut stehen. Ebenso gut wie die Chance, in dieser Saison zum zweiten Mal in Folge in der Champions League dabei zu sein. Aber noch ist es eben "Halbzeit" in den Play-offs, wie Eberl zu sagen pflegt, und das 3:1, das die Gladbacher aus Bern mitgebracht haben, ist eine gute Basis, aber keine Garantie. Die ganze Geschichte steht erst am Mittwochabend fest.

Da die Borussen aber lieber von Spiel zu Spiel schauen als in die Ferne, ist das Rückspiel gegen Bern derzeit kein Thema im Borussia-Park. Denn heute ist DFB-Pokal. Da tritt Gladbach bei der SV Drochtersen/Assel an. Die Favoritenfrage stellt sich angesichts der Konstellation nicht: Die Gastgeber sind Regionalligist, Gladbach ein Topteam der Bundesliga. Man darf sagen: Das ist für Gladbach ein echtes Umschaltspiel.

Real Madrid oder SV Drochtersen/Assel

Gerade noch waren die Borussen international unterwegs, das Stade de Suisse, die Heimat der Young Boys Bern, steht dort, wo früher das Wankdorfstadion war, in dem Deutschland 1954 Weltmeister wurde. Mal abgesehen von dieser historischen Randnotiz ging es um die Champions League, in der die Kontrahenten Real Madrid oder FC Barcelona heißen könnten.

Und nun Drochtersen. Oben an der Elbmündung. Das Kehdinger Stadion wurde mit Stahlrohrtribünen auf 7000 Plätze hochgepimpt. Ein Spiel an der Fußball-Basis. Ein Gegner, der in derselben Spielklasse angesiedelt ist wie die U23 der Borussen. Ein Gegner, der mit einer defensiven Fünferkette spielt, die bei Bedarf auch eine Siebenerkette sein kann. "Es wird sehr eng werden", sagt Borussias Trainer André Schubert und meint die Räume auf dem Spielfeld.

Indes: Es dürfte heute weniger eine Sache der Beine als eine des Kopfes sein. Zwar kann jeder Gegner rennen und kämpfen, wie Schubert anmerkt, doch gibt es wohl keine denkbare Disziplin, in der Drochtersen/Assel Borussia ebenbürtig sein könnte. Außer in Sachen Motivation. Für den Gegner ist es wahlweise das Spiel des Jahres oder des Lebens.

Die Borussen haben hingegen gerade das große Erlebnis in Bern gehabt, und, das merkte Präsidiumsmitglied Hans Meyer an, das Umschalten kann unter solchen Umständen schwer fallen. Das Pokalspiel ist eine Pflichterfüllung. Eine, die keinen Spielraum lässt für Entschuldigungen.

Nicht minder konzentriert will Borussia sein

Deswegen wollen Schubert und sein Trainerstab erst gar keine Irritationen aufkommen lassen. "Es gab in der Vergangenheit genügend Beispiele, in denen Erstligisten gegen Regionalligisten ausgeschieden sind. Von daher bereiten wir uns professionell auf das Spiel vor, genauso konzentriert wie ein Bundesliga- oder Champions-League-Spiel", sagt Schubert.

Nur keine Nachlässigkeiten aufkommen lassen und so in der Frühphase der Saison etwas verschenken, die Chance auf tolle Pokalnächte, den Traum vom Finale in Berlin. "Wir werden auf jeden Fall vom Kopf her gut umstellen können", versichert Stürmer André Hahn, der nur 45 Kilometer entfernt von Drochtersen in Otterndorf aufgewachsen ist. Hahn will sich beim "Heimspiel" ganz sicher keine Blöße geben. Und ein Pokal-Aus ist definitiv ein Thema, das Manager Eberl nicht haben will.

Quelle: RP
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