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Borussia Mönchengladbach
Das vergiftete Lob der Konkurrenz

Borussia Mönchengladbach: Das vergiftete Lob der Konkurrenz
Frankfurts Trainer Niko Kovac am Samstag im Borussia-Park. FOTO: dpa, pg HPÜL
Mönchengladbach. Die Gegner in der Liga schätzen die Borussen höher ein als sie sich selbst. Das sorgt für besondere Konzentration und Motivation wie gegen ein Spitzenteam – doch davon ist Gladbach momentan weit entfernt. Von Jannik Sorgatz

Niko Kovac hatte es nur gut gemeint. Das Lob sollte neben seiner eigenen Mannschaft, Eintracht Frankfurt, auch an Borussia Mönchengladbach gehen. "Hier zu gewinnen, ist nicht einfach, weil das richtig, richtig gute Jungs auf der anderen Seite sind", sagte er nach dem 1:0-Erfolg seiner Mannschaft in Gladbach. "Ich glaube nicht, dass hier viele gewinnen werden." Kovac hatte einfach keine Lust verspürt, die gute Leistung seiner Mannschaft in irgendeiner Weise zu relativieren. Doch das Lob kam ungewollt vergiftet an. Denn sein Gegenüber Dieter Hecking könnte sich gefühlt haben wie bei "Samstäglich grüßt das Murmeltier".

Schon vor zwei Wochen nach dem 2:2 beim FC Augsburg hatte dessen Trainer Manuel Baum "die sensationelle Qualität von Gladbach" gelobt. "Ein Unentschieden gegen eine Top-Sechs-Mannschaft sollte man nicht bedauern", sagte Augsburgs Marcel Heller, obwohl ein 4:2 mehr dem Chancenplus seiner Mannschaft entsprochen hätte. Aber dieses Schema kennen sie bei Borussia, und es scheint verstärkt wieder aufzutauchen, seitdem die Sommerpause die Enttäuschungen der Vorsaison auf Null gesetzt hat. Nach Erfolgen gegen nominell schwächere Gegner heißt es: "Gegen Gladbach kann man mal verlier'n." Oder aber es kommt ein "Hier muss man erstmal etwas holen" à la Kovac.

"Besser als letzte Saison", lautet das offizielle Saisonziel, das Sportdirektor Max Eberl ausgerufen hat, mindestens Platz acht also. Spieler wie Oscar Wendt waren verbal etwas offensiver und sich mit dem Rest der Liga einig, was den Top-Sechs-Anspruch angeht. Mit vier Punkten nach drei Spieltagen ist Borussia exakt auf dem Kurs der Vorsaison, als es am Ende 45 waren – so wenige wie seit sechs Jahren nicht.

Köln, Augsburg und Frankfurt hießen die Gegner bislang. 60, 45 und maximal 15 gute Minuten gab es zu beobachten. Auch die Resultate (1:0, 2:2, 0:1) untermauern einen kurzfristigen Abwärtstrend. Noch hadern die Borussen aber nicht mit dem großen Ganzen, sondern denken auch in der Fehleranalyse von Spiel zu Spiel. "Wir haben es oftmals zu kompliziert versucht", sagte Hecking. Über eine mangelnde Chancenverwertung wie im Derby gegen den FC mussten sie sich gar nicht erst ärgern, weil es kaum Chancen gegeben hatte. "Wir haben die Lücke nicht gefunden, die uns die Eintracht nicht gegeben hat", sagte Hecking mit einem Hauch von Poesie.

Mehr Effizienz fordert er von seiner "spielerisch veranlagten Mannschaft", die "zu verschnörkelt und nicht zielgerichtet genug" gewesen sei. Sie würden in Gladbach gerne mit Spitzenteam-Fußball erfolgreich sein, ohne ihn so nennen: die große individuelle Qualität mit Disziplin paaren, vorne die Chancen nutzen, hinten wenig zulassen. Noch klappt davon zu wenig über zu kurze Zeiträume. Gegen Frankfurt ließ sich Borussia zu Beginn körperlich den Schneid abkaufen, geriet nach 13 Minuten durch Kevin-Prince Boateng in Rückstand und lief dem bis zum Ende der achtminütigen Nachspielzeit hinterher.

Das nächste Gastspiel bei RB Leipzig könnte Gladbach einerseits Sorgen bereiten, weil der Vizemeister langsam wieder Fahrt aufnimmt. Andererseits könnte es reizvoll sein, dem mitunter wilden Stil des Gegners mal ähnlich physisch zu begegnen wie Frankfurt den Borussen. Auswärts spielt Heckings Team ohnehin erfolgreicher. In elf Spielen gab es zwei Niederlagen, in zehn Heimspielen schon vier. Während im Frühjahr die Atmosphäre im Borussia-Park nicht förderlich war, hatten zumindest die Fans sich gegen Frankfurt nichts vorzuwerfen.

Heckings Worten dürften sie zustimmen. "Trotz aller Kreativität geht es darum, dass der Ball auch mal im Tor landet", sagte der 52-Jährige. Gladbach hat über Jahre das Image gepflegt, den Fußball als Ballsportart und nicht als Bodybuilding zu begreifen. "Würde man vor dem Anpfiff heimlich die Trikots austauschen, man würde nicht erkennen, wer wer ist", schrieb "Zeit Online" nach der vergangenen Saison über das Gros der Bundesliga. Aussagen wie die von Kovac zeigen, dass die Gegner mit einer positiveren Erwartungshaltung gegen Borussia antreten. Der wiederum wird das mitunter zum Verhängnis.

 

 
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