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Borussia Mönchengladbach
Das verhinderte Traumduo und Herrmanns Prognose

Herrmann verletzt sich am Knöchel
Herrmann verletzt sich am Knöchel FOTO: dpa, rje lof
Mönchengladbach. Seit dem 24. September ist Borussia ohne Tor in der Bundesliga. Zwei Spieler, die Torlosigkeit hauptberuflich verhindern, haben seitdem nicht mehr richtig zusammengespielt. Doch das 0:3 gegen Hertha BSC am Freitag offenbarte noch mehr Baustellen. Von Jannik Sorgatz

Bernd Krauss hält den Negativrekord

Die Frage, wann Borussia zuletzt fünf Ligaspiele in Serie nicht gewonnen hat, ist ohne Tiefenrecherche zu beantworten. Bei der Zahl Fünf setzt sich das Laufband der Erinnerungen sofort in Gang und Bilder der Endphase der Ära Lucien Favre ziehen vorbei. Mit fünf Spielen ohne Tor ist es da etwas schwieriger, wobei es einfach wird, sobald diese eine noch längere Serie bzw. Misere in Gladbachs Bundesligageschichte gefunden ist. 1996/97 blieb Borussia 599 Minuten lang ohne Tor. Unter Trainer Bernd Krauss begann der Negativlauf, erst unter Hannes Bongartz endete er. Und weil die Winterpause damals von Anfang Dezember bis Mitte Februar dauerte, werden zumindest die torlosen 120 Tage noch lange Bestand haben.

Weniger Schüsse, schlechtere Schüsse

Nur drei Teams haben bislang weniger Torschüsse produziert als Borussia mit ihren 98, doch nur der SV Darmstadt und der Hamburger SV klingen momentan auch so, als ginge es ihnen noch schlechter. Das dritte Team ist Hertha BSC, mit 20 Punkten erneut eine große Überraschung. Neben defensiver Stabilität zeichnet die Berliner ihre Effektivität aus. 5,4 Schüsse benötigen sie nur pro Treffer, bei Borussia sind es 9,8. Vergangene Saison, als Gladbach zu den effektivsten Teams der Liga zählte, waren es 6,8. Wenn dann auch noch die Quantität (27 Prozent Torschüsse weniger) und die Genauigkeit (13 Prozent weniger direkt aufs Tor) nachlassen, ist der Weg in die Torkrise zwar noch nicht asphaltiert. Den Rest erledigen dann aber Pech und Unvermögen wie beim 0:0 gegen HSV.

Raffael und Thorgan Hazard sind der Schlüssel

Sechs gemeinsame Minuten haben sie am Ende in Berlin noch bekommen, gegen Bayer Leverkusen hatten sieben gereicht, damit wenigstens einer von beiden an einem Tor beteiligt sein konnte. Thorgan Hazard und Raffael sind Borussias Traumduo in der Offensive, die Zahlen sind umwerfend: In 391 Minuten, die sie in dieser Saison zusammen auf dem Platz standen, haben sie 13 Tore erzielt und fünf vorbereitet. Nur Lars Stindl durfte ansonsten treffen, im besagten Spiel gegen Leverkusen, als Hazard ihm die Vorlage gab. Je zwei Treffer haben sich Raffael und Hazard gegenseitig aufgelegt, gegen den FC Barcelona vermittelte Mo Dahoud erfolgreich zwischen den beiden. Das einzige Problem: Seit Barcelona konnten und durften sie nur sechs Minuten lang gemeinsam ran – am Freitag in Berlin.

Yann Sommer ist momentan kein Rückhalt

Die Flanke aus dem Halbfeld kommt, Salomon Kalou drückt sich ab, um in Richtung Ball zu fliegen, wie ein Jugendlicher vom Beckenrand im Freibad – aber dann ist Yann Sommer da und kratzt den Ball noch von der Linie. Was ein Quatsch! Hat er doch gar nicht! Hat er wohl, aber nicht am vergangenen Freitag, sondern vor einem Jahr bei Borussias 4:1-Erfolg. Da blieb Sommer zum achten Mal in Serie aus dem Spiel unbezwungen. Nur Alexander Baumjohann traf vom Elfmeterpunkt, was in dieser Phase ein Running Gag war, über den lachend der Kopf geschüttelt werden konnte, weil die Elfmeter an sich nur selten Folgen hatten und Sommers chronische Hilflosigkeit in diesen Situationen zu vernachlässigen war. In der Jetztzeit jedoch lässt der Schweizer nicht nur Elfmeter passieren, er ist auch sonst selten der Retter in der Not (anders als bei der EM, wo er keine Elfmeter entschärfte, aber ansonsten die Gegner verzweifeln ließ). Dass Borussia keinen Torwart hat, der Spiele gewinnt oder zumindest verhindert, dass Fehler seiner Vorderleute eiskalt bestraft werden, kommt momentan noch "on top".

Patrick Herrmann kann erst 2017 wieder spielen

In die Kategorie "Auch das noch" gehört zweifellos Patrick Herrmanns schwere Verletzung. "Riss der Außenbänder, des vorderen Innenbands und des Syndesmosebandes", teilte Borussia am Samstag mit, nachdem Vedad Ibisevic von hinten so unglücklich auf Herrmanns rechtes Bein gefallen war, dass sogar noch Schlimmeres ins Kalkül gezogen werden musste. Das lädierte Syndesmoseband – seit Michael Ballack 2010 und Marco Reus 2014 die WM-Verhinderungs-Verletzung der deutschen Fußballprominenz – benötigt am längsten, bis es wieder heil ist. Das Fachportal fussballverletzungen.com zählte von 2009 bis 2015 insgesamt 17 Syndesmoseband-Risse in der Bundesliga. Weniger als 50 Tage Pause hat keiner der Betroffenen benötigt, die Hälfte sogar mehr als 100 Tage. In Anbetracht der Tatsache, was sonst noch kaputt ist, wäre es für Herrmann eine gute Nachricht, wenn er am 21. Januar 2017 in Darmstadt schon wieder spielen könnte. Für den 25-Jährige ist es einfach nur tragisch nach dem Kreuzbandriss im vergangenen Jahr und vielen Wehwehchen, die ihn seitdem immer wieder zurückgeworfen haben.

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