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Schon nach sechs Monaten Borussia
Zakaria hat sich einen Namen gemacht

Das ist Denis Zakaria
Das ist Denis Zakaria FOTO: afp, CS
Mönchengladbach. Denis Zakaria hatte zu Weihnachten eine frohe Botschaft an seine Familie. "Ich werde meiner Mutter sagen, dass sie sich keine Sorgen machen muss um mich. Ich liebe Gladbach, ich fühle mich sehr gut dort", sagte der Schweizer. Von Karsten Kellermann

Er verbringt die Feiertage in Brasilien, zufällig mit ihm im Flieger nach Rio de Janeiro war am Donnerstag Ex-Borusse Igor de Camargo. Zakaria ist im Sommer von den Young Boys Bern gekommen, um die Herausforderung Bundesliga anzunehmen. Und man darf sagen: Er ist angekommen. Besser noch: Er ist voll eingeschlagen. 16 von 17 Liga-Spielen hat Zakaria gemacht, und zwar bis auf eines alle als Startelfteilnehmer. Ein Tor hat er erzielt und zwei vorbereitet. Zeitweise war er der beste Passspieler der deutschen Eliteklasse und absolvierte reichlich Spiele ohne Fehlpass. Am Ende der Hinrunde stehen nur Niklas Süle (FC Bayern) und Ömer Toprak (Borussia Dortmund) vor ihm in der Pass-Disziplin, er hat einen Schnitt von 91 Prozent angekommener Pässe. Taktik-Experte Tobias Escher hat den Borussen in seine "Elf der Hinrunde" aufgenommen, Zakaria hat viele Fans dazugewonnen in nicht einmal sechs Monaten.

Als Zakaria kam, wurde er mit Granit Xhaka verglichen. Doch sind beide sehr unterschiedliche Spieler. Xhaka ist mehr Stratege, Zakaria ist ein Renner mit seinen schier endlos langen Beinen. Er hat aber eines Xhaka voraus: Er hat sofort den Sprung in die Bundesliga geschafft. Xhaka tat sich da schon schwerer, er brauchte fast zwei Jahre, um ein Führungsspieler zu werden. "Zak", wie ihn die Kollegen nennen, ist es schon jetzt: "Er war ja im Mittelfeld gegen Leverkusen neben Mika Cuisance und Reece Oxford der alte Hase", sagte Borussias Kapitän Lars Stindl, der jeweils Nutznießer der beiden Torvorlagen Zakarias war. Mo Dahoud, seinen zu Borussia Dortmund gewechselten Vorgänger, hat Zakaria vergessen gemacht.

Borussias Hinrunden-Zeugnis FOTO: dpa, mb kno

"Beide haben viel Qualität und viel Talent, sie werden mal von Gladbach aus zu einem ganz großen Klub gehen", sagte Zakaria über Cuisance (18) und Oxford (19). Er könnte das auch über sich selbst sagen. Einer wie er, robust, zweikampf- und spielstark, technisch beschlagen, ist ganz sicher einer, der für Klubs in England interessant ist. Möglich, dass schon bald die ersten Gerüchte aufkommen oder gar die ersten Offerten in Gladbach ankommen.

Doppelsechs mit Granit Xhaka?

Im Sommer wird Zakaria vielleicht auf der ganz großen Bühne vorspielen – bei der WM in Russland. Die Schweiz hat sich qualifiziert. In den beiden entscheidenden Play-offs gegen Nordirland war Zakaria jeweils von Beginn an dabei, weil Valon Behrami fehlte. Zakaria spielte stark, möglich, dass seine Zukunft, die eigentlich erst für nach der WM angedacht war, schon begonnen hat. Vielleicht setzt Nati-Trainer Vladimir Petkovic in Russland auf eine Gladbach-geprägte "Xhakaria"-Doppelsechs mit Xhaka, inzwischen beim FC Arsenal in London aktiv, und Zakaria.

Zakaria ist ein geschickter Zweikämpfer, der aber auch zur Sache gehen kann. Das bekam im Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen in letzter Minute Benjamin Henrichs zu spüren, der den Borussia-Park mit einer schweren Fußprellung verließ – Zakaria war herangerauscht und hatte statt des Balles Henrichs getroffen. Auch das ist Zakaria: Er kann kompromisslos sein im Kampf um den Ball. Und auch hitzig.

Herrlich zeigt eine peinliche Schwalbe FOTO: Screenshot Sky

Seine Episode mit Leverkusens Trainer Heiko Herrlich, der sich spektakulär fallen ließ, als Zakaria ihn berührte beim Ballholen, nahm er indes mit einem Lächeln. "Er hat Comedy gemacht", sagte er im Fernseh-Interview. So etwas hatte er jedenfalls bis dahin nicht erlebt. "Das sind die Emotionen, das ist Fußball", sagte er besonnen. Als er Borusse wurde, kündigte Zakaria an: "Ich bin hier, um zu lernen." Er hat schon viel Erfahrung gesammelt in seinem ersten halben Jahr in Deutschland. Und er hat überzeugt. "Aber ich denke, ich kann noch mehr", stellte er klar. Nun, da der DFB-Pokal nicht mehr auf der Agenda ist, würde seine perfekte Saison so aussehen: "Mit Gladbach den Europapokal schaffen und dann zur WM fahren."

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