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Borussia Mönchengladbach
Dänischer Musterschüler

Bilder: Das ist Andreas Christensen
Bilder: Das ist Andreas Christensen FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. Andreas Christensen hat gegen Darmstadt die 20 vollgemacht. Zum 20. Mal in Folge gehörte der Däne zu Borussias Startaufgebot. Der vom FC Chelsea ausgeliehene Abwehrspieler ist zur Konstante in der Innenverteidigung geworden. Von Karsten Kellermann

Gegen die "Lilien" schloss sich nebenbei ein Kreis: Wie zu Beginn der Saison setzte Gladbach auch im letzten Pflichtspiel der Halbserie auf eine "Bubi-Abwehr": Damals war es Marvin Schulz, der neben Christensen Dienst tat, nun der Schweizer Nico Elvedi, wie Christensen 19 Jahre jung. In der Summe war das Borussen-Duo für die innere Sicherheit sogar ein Jahr jünger als einst im August, denn Schulz war schon 20. "Das ist mir gar nicht aufgefallen", gestand Trainer André Schubert. "Wir stellen ja nicht nach Alter auf, sondern nach Leistung und den Anforderungen des Spiels", sagte er. Weil bei Mo Dahoud der Akku leer ist, schob Schubert Havard Nordtveit ins defensive Mittelfeld vor, Elvedi ersetze den Norweger in der Abwehr. "Nico hat es in den Spielen gegen die Bayern und ManCity gut gemacht, da war die Entscheidung schnell gefallen."

Gerade Christensens Geschichte personifiziert indes Borussias Hinrunde. Im ersten Spiel, dem im Pokal beim FC St. Pauli, war sein Startelf-Debüt eine Überraschung und ordentlich, nach dem 0:4 in Dortmund war er erstmal raus aus dem Team, beim 0:1 in Köln kehrte er zurück und spielte gut, verlor aber das entscheidende Kopfball-Duell. Danach jedoch wurde er von Spiel zu Spiel besser. Die Leihgabe vom FC Chelsea reifte zum Abwehrchef heran, wenigstens zur großen Konstante in der Defensive - aufstellungstechnisch und leistungsmäßig.

Auf Christensen ist Verlass. Dass es in den letzten Spielen eine Gegentor-Flut (15 in vier Spielen) gab, war weniger das Problem Einzelner, sondern des gesamten Teams: Alle waren nach den englischen Wochen müde, und jeder weniger gelaufene Meter eröffnet dem Gegner entscheidende Räume. Wie gegen Darmstadt: Vor dem 0:1 kam Sandro Wagner vor Elvedi an den Ball und verlängerte ihn zum Torschützen, später hatte Wagner alle Freiheiten bei seinem Treffer zum 2:2. "Aufgrund der vielen Verletzten ist uns irgendwann die geistige und körperliche Frische abhandengekommen", sagte Schubert.

Xhaka tritt nach und sieht die Rote Karte FOTO: Screenshot Sky

Während man Elvedi noch die Unerfahrenheit anmerkt, wirkt Christensen total cool. Nicht "Danish Dynamite" wie 1992 bei der Europameisterschaft, sondern ein dänischer Eisblock ist er. Zuweilen möchte man ihn fragen, ob das Geburtsjahr 1996, das in seinem Pass steht, stimmt, oder ob da nicht sechs, sieben Jahre unterschlagen werden. Christensen gehört zu den großen Entdeckungen der Hinrunde. "Andreas spielt mit einer Coolness, die beeindruckend ist. Er hat ein starkes Stellungsspiel und trifft oft die richtigen Entscheidungen - auch wenn es zwei, drei riskante Aktionen gegen Darmstadt gab. Aber insgesamt hat er eine sehr, sehr starke Hinrunde gespielt", lobt Schubert den Musterschüler.

Christensen komplettiert damit das Duo der Nordländer, die Borussias Aufschwung ab Spiel sechs der Hinrunde geprägt haben. Oscar Wendt, der am Sonntag gegen Darmstadt ebenso spielerisch wie kämpferisch das 3:2-Siegtor besorgte, verpasste keine Minute der ersten 26 Pflichtspiele dieser Saison.

Granit Xhakas Platzverweise FOTO: afp, agz

Und dann sind da noch Havard Nordtveit und sein edler Freistoßtreffer zum 2:1, der für den sonst eher Brachialen fast untypisch kunstvoll war. Nordtveit ist sozusagen der Comebacker der Hinrunde. Bei Lucien Favre spielte er kaum, bei Schubert war er als flexibler Defensivmann wichtig - meist als Nebenmann von Christensen in der Innenverteidigung.

Das norwegisch-dänische Gespann kann auch das Leitmodell für die Zukunft sein. Allerdings ist denkbar, dass Borussia auch in der Defensive noch nachjustieren wird. Zudem soll auch Routinier Martin Stranzl möglichst bald wieder dabei sein. Dann könnten die Karten neu verteilt werden. Christensen hat aber gezeigt, dass er ein Ass sein kann. Sonst hätte er nicht 20 Spiele am Stück gemacht.

Quelle: RP
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