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Borussia Mönchengladbach
Der graue Oktober in der Bundesliga

Einzelkritik: Gladbachs Offensive zu unpräzise und kraftlos
Einzelkritik: Gladbachs Offensive zu unpräzise und kraftlos FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach ist einen Monat ohne Tor in der Liga. Gleichzeitig steht die Mannschaft hinten sicher wie lange nicht. Momentan gibt es viele Wahrheiten bei Borussia.

Oscar Wendt und dann nichts mehr

Bis zur vergangenen Länderspielpause hatte Borussia unter André Schubert genau ein Heimspiel torlos beendet, beim 0:0 gegen den FC Ingolstadt im November 2015. Ein paar Wochen später fragte er als frischgebackener Cheftrainer, wann das eigentlich aufhöre mit den ganzen Premieren. "Es kommt mir vor wie am ersten Schultag", sagte Schubert, "das erste Mal im grünen Pullover, das erste Mal im Anzug, das erste Mal in der Champions League, ich weiß nicht, wie oft das erste Mal." Seine Kleidung steht inzwischen nicht mehr im Fokus, aber auch beim 0:0 gegen Frankfurt am Freitag sammelte Schubert noch ein weiteres erstes Mal: zum ersten Mal seit Anfang 2014 blieb Gladbach in zwei Ligaheimspielen in Folge ohne Tor. Insgesamt sind es – zu Hause und auswärts – nun 374 Minuten seit Oscar Wendts Treffer gegen Ingolstadt. Diese Art von erstem Mal musste zuletzt Jos Luhukay im Jahr 2007 beklagen.

Vier Mannschaften, drei Torschüsse

Aber das ist natürlich nicht alles bei der Es-gibt-so-viele-Wahrheiten-Borussia. Gleichzeitig hat eine defensive Stabilität Einzug gehalten, die es so unter Schubert ebenfalls zum ersten Mal gibt. In den vergangenen fünf Pflichtspielen stand hinten viermal die Null, nur der FC Bayern traf zweimal. In München ging es vor einer Woche drunter und drüber, aber in den anderen Partien hat Gladbach bemerkenswert wenig zugelassen. Frankfurt, Stuttgart und Celtic gaben je genau einen Schuss aufs Tor ab, Hamburg sogar keinen. Deshalb gilt momentan eben auch die Wahrheit, dass Borussia zumindest keine Spiele verliert, solange sie so verteidigt.

Quartett mit Qualität

Am Freitag fehlten:

  • Raffael, dessen Spitzname "Maestro" in den vergangenen Wochen gelernt, für sich alleine zu sprechen
  • Thorgan Hazard, der in dieser Saison bislang weniger als 100 Minuten für ein Tor benötigt hat und gerade dabei war, den Namen Hazard zweimal groß zu etablieren im europäischen Fußball
  • Andreas Christensen, einer der begehrtesten U21-Abwehrspieler der Welt, mit der besten Passquote der Bundesliga
  • Ibrahima Traoré, dessen Dribblingwerte nur von Douglas Costa, Ousmane Dembélé und Emre Mor bislang übertroffen werden und der pro Spiel die zweitmeisten Key Passes (Torschussvorlagen) der Liga produziert

Zudem saß Tobias Strobl nur deshalb auf der Bank, weil er dort, sagte Schubert, besser sehen könne als auf der Tribüne. Patrick Herrmann war nach einem Jahr ohne Fußball am Stück nicht in der Lage, zu beginnen. Vielleicht sind die aktuellen Resultate und die Spielweise unter diesen Umständen wirklich das Maximum. Oder anders ausgedrückt: Schlimmer wird's vermutlich nicht bzw. sollte es nicht werden.

Wiedersehen mit Freunden

Josip Drmic und Marvin Schulz herzten den Mann in dem gelben Leibchen mit der Bierwerbung. Thorgan Hazard kam dazu, zeigte auf sein Knie, machte ein paar Bewegungen vor, die wohl signalisieren wollte, wo es noch zwickt. Eintracht Frankfurt Athletiktrainer Klaus Luisser hatte vergangene Saison ähnlich viel zu tun wie seine Nachfolger bei Borussia, da sind offenbar enge Bindungen entstanden. Der Österreicher wechselte im Sommer vom Niederrhein nach Hessen. Wenig später gesellte sich noch Branimir Hrgota zu dem Pulk im Spielertunnel. Der Schwede hatte in der ersten Halbzeit die beste Torchance der Eintracht gehabt.

Alle Wege führen zum Dutzend

Auch vergangene Saison spielte Borussia am neunten Spieltag gegen Frankfurt, auswärts gab es ein 5:1, womit die Mannschaft von Damals-noch-Interimstrainer Schubert bei zwölf Punkten stand. So viele sind es jetzt auch, Gladbach 15/16 und Gladbach 16/17 sind gleichauf. Es gilt das neuen Sprichwort: Alle Wege führen zum Dutzend. Vor einem Jahr folgten vier Siege auf fünf Niederlagen, jetzt hat der Saisonstart die arithmetische Erkenntnis gebracht, dass drei Siege, drei Unentschieden und drei Niederlagen ebenfalls zwölf Zähler bringen. Damals standen Wolfsburg, Köln, Ingolstadt und Darmstadt noch vor Borussia. Die ist jetzt Elfter und wird in den kommenden drei Wochen zumindest nicht weiter abrutschen, weil Schalke vier Punkte zurückliegt. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es im Oktober oft noch so aussieht, als könne mehr als die Hälfte der Liga um Europa mitspielen, bevor im Frühjahr dann die Hälfte gegen den Abstieg spielt. Bis zur Winterpause wird sich noch einiges ordnen.

(Jannik Sorgatz)
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