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Borussia Mönchengladbach
Die Akte "Borussia-Fans"

Borussia Mönchengladbach: Die Akte "Borussia-Fans"
Vermummte Angreifer trugen Abzeichen von Borussia Mönchengladbach. FOTO: Uwe Miserius
Mönchengladbach. Auch wenn die Täter noch nicht identifiziert sind, die Attacke auf BVB-Fans im Regionalexpress 6 war Montag großes Thema im Verein Borussia Mönchengladbach. Immer wieder sorgen gewaltsame Übergriffe für Aufruhr in der Fanszene. Von Gabi Peters, Karsten Kellermann und Jannik Sorgatz

Daniela Seipelt hat großes Glück gehabt am Samstagabend um kurz vor 22.30 Uhr. Als 40 Vermummte kurz vor Bochum einen Wagen des Regionalexpress 6 stürmten, saß sie mit ihrem Mann am anderen Ende des Zugs. Die Angreifer bedrohten BVB-Fans, verpassten ihnen Faustschläge und entrissen ihnen Fankleidung. "Geistesgegenwärtig habe ich mein schwarz-gelbes Trikot ausgezogen und unter der Jacke versteckt", erzählt Daniela Seipelt. Nach dem Angriff sei es im Zug verstörend ruhig geworden. Beim Ausstieg habe sie gesehen, wie blutige Taschentücher auf dem Boden lagen.

Bislang konnte noch keiner der Täter identifiziert werden. Zeugen berichteten der Bundespolizei, dass einige Angreifer Vereinsabzeichen von Borussia Mönchengladbach trugen. Dass das Fan-Logo nur eine Finte sei und sich hinter den Sturmmasken in Wahrheit Schalke-Anhänger verbargen, mag in der Expertenszene keiner glauben. Da liege die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen "Vergeltungsschlag" nach den Vorfällen in Minden im Mai 2015 handele, schon näher. Neun Borussen-Anhänger waren dort von etwa 100 vermummten BVB-Anhängern attackiert worden.

Die Körperverletzungen und Raubüberfalle im Zug von Dortmund nach Essen waren gestern auch Thema beim Gladbacher Bundesligisten. So lange die Ermittlungen noch laufen, will man sich bei Borussia Mönchengladbach nicht zu den Vorfällen öffentlich äußern. Geschäftsführer Stephan Schippers sagt nur so viel: "Wenn es tatsächlich so gewesen sein sollte, dass es Gladbach-Fans waren, kann ich nur sagen: Das ist feige und dumm und beschämend für unseren Verein. Mit Fußball hat das nichts zu tun, und diese Leute sind es auch nicht wert, dass man sie als Fans von Borussia bezeichnet."

Etwas mehr als 200 gewaltsuchende und gewaltbereite Fans hat Borussia Mönchengladbach aktuell, wie Polizeisprecher Jürgen Lützen gestern sagte. Die Zahlen schwanken, sind aber im Vergleich zum vergangenen Jahr stark gesunken. Auch die Zahl der Ermittlungsverfahren rund um den Fußball ist in Mönchengladbach im vergangenen Jahr um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen, berichtet Oberstaatsanwalt Lothar Gathen. Trotzdem sorgen Übergriffe von Gladbacher Problemfans immer wieder für bundesweite Negativ-Schlagzeilen, die den Ruf der gesamten Mönchengladbacher Fanszene schaden.

Da demonstrieren die Gladbacher Ultras offensiv gegen Kollektivstrafen, Mitglieder der Szene werden aber selbst immer wieder straffällig. Gleich zwei Stimmungsmacher der Nordkurve haben Stadionverbot, weil ihnen Gewalthandlungen vorgeworfen werden. Und es gibt mehr unrühmliche Beispiele.

Im November 2015: Nach dem Bundesligaspiel Hoffenheim gegen Mönchengladbach randalierten "Fans" beider Vereine in Sinsheim. Rund 50 Gladbach-Anhänger sollen Hoffenheimer in eine Fußgängerpassage und ein Schnellrestaurant gedrängt haben. Dabei gingen Inventar und eine Glasscheibe zu Bruch. Die Polizei musste Pfefferspray einsetzen, um die Situation zu klären.

Ebenfalls im November bewarfen Vermummte kurz vor dem Bahnhof Lürrip einen Zug mit Anhängern von Hannover 96 mit Steinen. Die Notbremse wurde gezogen. Hannoveraner Problemfans öffneten gewaltsam die Waggontüren, um den Steinewerfern entgegenzutreten. Es kam zu Krawallen. Im Zug wurden auch Unbeteiligte körperlich bedrängt und zum Teil auch geschlagen und verletzt.

Oktober 2014: Zum "Fremdschämen" fand auch das Fanprojekt das Zünden von Böllern, die Vermummung von einigen Anhängern mit Sturmhauben, das Zerstechen eines Balles sowie die Überfälle auf mehrere Kioske beim und nach dem Europa-League-Spiel in Zürich. Auch die Ultras gaben später zu, dass dieses Verhalten rufschädigend für die Gladbacher Fanszene war.

September 2014: Mehrere Stunden vor dem Kölner Heimspiel gegen Borussia stürmten am Rande des Stadions Hooligans aufeinander los. Beteiligt gewesen sein sollen etwa 80 gewaltbereite Anhänger von Mönchengladbach und 40 bis 50 ebenso brutale Köln-Anhänger. Es wurde geschlagen, getreten und mit Dachlatten aufeinander eingedroschen.

Quelle: RP
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