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Borussia Mönchengladbach
Die Hölle im Paradies

Borussia Mönchengladbach: Die Hölle im Paradies
FOTO: afp
Mönchengladbach. Das Versprechen steht in riesigen Buchstaben Weiß auf Grün an der Stadionwand: "Paradise". Das ist er also, der Ort an dem die Seele des Fußballs wohnen soll, wo sie wie nirgendwo anders spürbar sein soll wegen der unfassbaren Atmosphäre. Von Karsten Kellermann

Der gute Freund aus der Schweiz schwört darauf, er ist Celtic-Fan geworden, eben weil sich der Fußball in der Heimat des Klubs so gut anfühlt, so ursprünglich. Das "You'll never walk alone" an der Anfield Road in Liverpool sei stark, aber nichts gegen das, was hier in diesem Stadion des Celtic FC im Glasgower Stadtteil Parkhead abgeht, sagt er.

Das Stadion als Ereignis. Jeder, der über das Spiel der Borussen hier spricht, spricht über die Atmosphäre. Die schottischen Reporter fragen Borussias Mittelfeldspieler Christoph Kramer sogar, ob er glaubt, sie sei besser als beim WM-Finale im Maracana. Kramer weiß das noch nicht, aber er freut sich darauf, das Paradies in Aktion zu erleben. Sein Auftrag wird es allerdings sein, es zum Schweigen zu bringen. Wenn das möglich ist.

Rod Stewart wird auch da sein, wenn Celtic die Borussen niederkämpfen will, er ist einer der prominenten Fans des Vereins, der von sich sagt, mehr als nur ein Klub zu sein. Das Stadion sei elektrisierend, sagt der Superstar.

Am Abend vor dem Spiel ist es allerdings leise im Paradies. So leise, dass man die Tritte gegen den Ball hören kann beim Abschlusstraining der Borussen auf dem Rasen. Die Tribünen sind leer, nur ein paar Menschen sind da und sehen den Gladbachern zu. 60.000 werden beim Spiel am Mittwoch sein, und das "Paradise" soll dann die Hölle werden für die Gästespieler. Leere Fußballstadien haben etwas Faszinierendes. Sie klingen nicht, doch das Echo der Fangesänge ist trotzdem überall spürbar. Auch hier im Paradies. Der Blick vom "Jock-Stein-Stand", der benannt ist nach dem legendären Trainer der "Celts", der sie 1967 in Lissabon zum Europapokalsieg führte, hinunter. Das Paradies von Glasgow ist vor allem grün: die Wände außen, die Sitze drinnen, natürlich der Rasen. Grün ist die Farbe der Hoffnung. Und die Farbe der Iren. Die irischen Einwanderer haben das Stadion 1892 gebaut, Celtic ist ihr Klub. Darum gibt es auch das "h" in den "Bhoys", wie die Celtic-Spieler genannt werden, als Reminiszenz an die irische Vergangenheit des Klubs.

Es gibt natürlich Videos bei Youtube vom Gesang der Celtic-Fans, die, die sich auch Christoph Kramer angeschaut hat zur Vorbereitung auf das Spiel. Celtic-Park-Stimmung aus der Konserve im leeren Stadion, "The Best of Celtic Fans" aus dem Mobiltelefon: "You'll never walk alone", "Come on you Bhoys in Green and White", "Celtic Symphony", "The Roll of Honor", "Always look on the bright Side of Life", "We love you", "I just can't get enough" , "The Huns have got no Money", "The loansome Boatsman" – das ist der Soundtrack des "Paradise". "Die Celtic-Fans haben immer wieder neue Lieder, es ist großartig", sagt Rod Stewart.

Das  inszenierte Stadionfeeling klingt, als ob das "Paradise" Wort halten kann. Was im leeren Stadion fehlt, ist das Fühlen, das Beben und Vibrieren, das unmittelbare Erleben. Das, was unter die Haut geht. Am Mittwochabend wartet das Original: Ein Champions-League-Spiel im Celtic Park. Die Bhoys gegen Gladbach, 56.000 Celtic-Fans gegen 4000 mitgereiste Borussen-Anhänger. Das wird ein ungleicher Sängerwettstreit, doch die Gäste aus Deutschland freuen sich darauf. Der gute Freund aus der Schweiz ist auch hergekommen, um es wieder zu erleben, das Paradies des Fußballs. Er sagt, der Celtic Park macht süchtig. Mal hören, ob er Recht hat. Die Celtic-Fans haben jedenfalls für den Abend eine "Fright Night", eine Schreckens-Nacht für Borussia angekündigt. Schrecken im Paradies – klingt vielversprechend.

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