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Borussia Mönchengladbach
Die Krankenakte ist schon wieder prall gefüllt

Die Verletzten in der Saison 2017/18
Die Verletzten in der Saison 2017/18 FOTO: imago
Mönchengladbach. Schon 13 Mönchengladbacher Profis haben in der laufenden Saison aus Verletzungsgründen ein Spiel verpasst. Vom Pech verschont bleibt aber kaum ein Bundesligist – ob er international spielt oder nicht. Von Karsten Kellermann und Jannik Sorgatz

Vor einer Woche gegen den VfB Stuttgart war der Gipfel erreicht. Auf neun seiner 27 Profis musste Borussia Mönchengladbachs Trainer Dieter Hecking verzichten, weniger Kopfzerbrechen hätte ihm die Zusammensetzung des 18er-Kaders nicht bereiten können. Doch Lamentieren über Verletzungspech ist seltener geworden in der Bundesliga, weil es a) den Eindruck erweckt, von anderen Problemen abzulenken, und b) kaum eine Mannschaft davon verschont bleibt. Rund 80 Profis fehlen den Vereinen derzeit. Bei Borussia Dortmund sind zum Beispiel Spieler im Wert von geschätzt 80 Millionen Euro im Krankenstand.

"Für mich ist das eine Folge des Fußballs, in dem immer mehr Pressing gespielt wird. Viele Mannschaften, die hinten rausspielen wollen, gibt es nicht mehr", sagt Gladbachs Defensivallrounder Tony Jantschke. Der 27-Jährige spricht aus gelebter Erfahrung, hat er doch besonders kuriose Monate hinter sich: Am 1. April stand er zum letzten Mal in einem Pflichtspiel auf dem Rasen, verpasste dann das komplette Saisonende, trainierte im Urlaub durch, war in der Vorbereitung fit und verletzte sich Anfang August erneut. Erst jetzt ist Jantschke bereit fürs Comeback.

Jantschke ist einer aus der "Generation Relegation", aus jener Zeit also, als Borussia unter Lucien Favre ihren ungeheuren Aufschwung erlebte – fast ohne das Problem, auf wichtige Spieler verzichten zu müssen. "Jahrelang war Borussia Mönchengladbach der Liga-Primus in Sachen Verletzungssorgen", notiert das Portal "fussballverletzungen.com" und stellt dazu eine Grafik: Von 2011/2012 bis 2014/2015 gab es wesentlich weniger Verletzungstage als vorher und nachher – es wurden stets weniger als 800 Ausfalltage gezählt. 2015/2016 stieg die die Zahl auf fast 1600, in der vergangenen Spielzeit waren es knapp 1900. Im Schnitt fehlten damit mehr als sechs Profis pro Spiel. Damit lagen die Gladbacher in der Kranken-Rangliste der Bundesliga auf Rang 15. Bremen und Dortmund folgten, ganz hinten war Eintracht Frankfurt mit fast 2400 Ausfalltagen.

In der Ära Favre spielten die Borussen abwartender, es gab mehr Ruhephasen. Es war die Hochphase des spanischen Tiki-Taka. Jetzt ist das Spiel schneller und fordernder geworden, es gibt mehr Sprints, mehr Zweikämpfe. Das hat Konsequenzen, wie die Diagramme von "fussballverletzungen.com" zeigen. Fast überall sind die roten Säulen, die die Krankentage anzeigen, höher geworden. "Solche Vergleiche machen keinen Sinn. In den ersten anderthalb Jahren hatten wir aber auch keine internationalen Spiele. Und man darf nicht vergessen, dass viele Stammspieler sehr jung waren. Es ist klar, dass du mit 27, 28 verletzungsanfälliger bist als mit 20, 21, weil du noch keine zehn Profijahre auf dem Buckel hast", sagt Jantschke. "Wir hatten die letzten Jahre einfach Pech. Und man sieht ja auch bei Mannschaften, die nicht europäisch spielen, dass es schlecht laufen kann." Tatsächlich sind in der von ihm benannten höheren Altersklasse überproportional viele Spieler verletzt.

Die Gründe für die Blessuren sind vielfältig: Belastung, Spielweise, Trainingssteuerung, Körperstruktur, Lebensweise, Ernährung - und zuweilen Glück und Pech. Prophylaxe ist ein großes Thema bei den Klubs, doch alle Verletzungen zu verhindern zu können, ist illusorisch. Die Vereine haben zwar teils millionenschwere Reha-Zentren angedockt. Das indes kann auch Spielraum nehmen, wenn es um alternative Ansätze geht. Einen Königsweg gibt es nicht.

Bei Bayer Leverkusen sind die Verletztentage unter dem neuen Athletiktrainer Schahriar Bigdeli deutlich zurückgegangen. Der Erfolg stellt sich derzeit zumindest in dieser Hinsicht ein, aktuell fällt nur Tin Jedvaj aus. Die Gladbacher haben in der medizinischen Abteilung ebenfalls etwas verändert. Andreas Schlumberger kam vom FC Bayern München als "Supervisor". Er soll die Abläufe schärfen und die Kommunikationswege optimieren. Das aber braucht Zeit. "Wir versuchen, die Zahl der Verletzten möglichst zu minimieren. Vielleicht ist Andreas Schlumberger nur der Anfang. Es kann unser Vorteil sein, wenn wir in dem Bereich schneller und besser sind. Dazu müssen die Abläufe immer mehr geprüft und verbessert werden", sagt Gladbachs Manager Max Eberl.

Quelle: RP
 
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