| 10.15 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Die Zeit für Experimente ist vorbei

Noten: Borussia nach vorne ohne Tempo und Durchschlagskraft
Noten: Borussia nach vorne ohne Tempo und Durchschlagskraft FOTO: Dirk Päffgen
Meinung Rhetorische Frage: Gibt es einen klareren Beweis für die Krise einer Mannschaft, als den, in einem Spiel gegen – bei allem Respekt – den Hamburger SV kämpferisch und spielerisch auf ganzer Linie unterlegen zu sein? Die Antwort kann an dieser Stelle getrost ausbleiben, dafür müssen Verantwortliche und Spieler von Borussia Mönchengladbach umso mehr Antworten auf ihr aktuell so fahriges Wirken finden und liefern. Und das schnell. Von Stefan Klüttermann

Denn der gruselige Auftritt vom Freitagabend macht eines deutlich: Die Zeit für Experimente ist in Gladbach schon nach dem vierten Spieltag vorbei – für die Spieler genauso wie für Trainer Lucien Favre.

Der Schweizer steht weniger aufgrund seiner Erfolge der vergangenen Jahre als viel mehr wegen der nachgewiesenen Fähigkeit, eine Mannschaft "hin zu bekommen" zurecht nicht zur Disposition. Dieses Faktum indes darf nicht ausschließen, dass auch er sich begründeter Kritik stellen muss. Der Kritik, gegen den HSV mit einer defensiv-orientierten und spielerisch-limitierten Doppelsechs aus Havard Nordtveit und Tony Jantschke die völlig falsche Wahl getroffen zu haben. Der Kritik, in der Innenverteidigung, im Zentrum und in der Sturmspitze – also in den drei Positionen, die zusammen die Achse einer Mannschaft bilden können – in vier Ligaspielen mehr experimentiert zu haben, als es Formkrisen oder Verletzungspech nötig gemacht hätten.

Diese Teams starteten mit vier Niederlagen

Favre muss nun analog zum Herbst 2012 schnellstmöglich eine möglichst fixe Formation finden, die wieder Automatismen entwickelt und sich die Basis des Borussen-Spiels zurückholt: eine stabile Defensive. Rotation ist da eher hinderlich und stellt in den aktuellen Englischen Wochen nur ein notwendiges Übel da, um Belastung zu verteilen.

Auch Sportdirektor Max Eberl muss sich kritische Fragen gefallen lassen. Die Frage nach den Neuzugängen zum Beispiel. Denn wenn Lars Stindl tatsächlich nicht zum Sechser taugt, bleiben in Havard Nordtveit nüchtern betrachtet nur die 1b-Variante der vergangenen zwei Jahre oder ein 19-jähriger Mo Dahoud als Partner von Granit Xhaka. Gab der Markt da für einen Champions-League-Teilnehmer wirklich keine Alternative her? Und wenn ein Josip Drmic (noch) nicht als Torjäger funktioniert, bleiben in Stindl, Thorgan Hazard und André Hahn drei umfunktionierte Stürmer und in Branimir Hrgota ein offensichtlich keine Rolle mehr spielender Angreifer als weitere Optionen. Auch das wirkt in der Krise ziemlich dünn.

Und die Spieler? Die stehen zuvorderst in der Pflicht und dürfen sich schon fragen, warum der HSV in der Lage ist, ihnen den Schneid abzukaufen? Wieso aus ihrer Mitte unwidersprochen die Rede davon ist, dass bei jedem fünf bis zehn Prozent zur erfolgreichen Vorsaison fehlen. Natürlich fehlen Borussia derzeit einige verletzte Stammkräfte, aber - mit Verlaub - gegen den HSV stand jetzt auch keine Notelf wie 2010 mit Spielern wie Sebastian Schachten, Jens Wissing oder Bamba Anderson auf dem Feld.

Fotos: Borussias Stranzl muss verletzt vom Platz getragen werden FOTO: imago sportfotodienst

Bleibt also die Frage: Was nährt die Hoffnung auf einen baldigen Umschwung? 1. Favres Fähigkeit als Reperateur einer in Schieflage geratenen Mannschaft. 2. Die Rückkehr von Spielern wie Granit Xhaka, Alvaro Dominguez, Patrick Herrmann und Fabian Johnson, die dem Team wieder mehr Stabilität verleihen werden. 3. Die Ruhe im Verein, die sich Borussia in Situationen wie diesen zuletzt immer bewahrt hat.

Es ist Zeit für bewährte Maßnahmen in Gladbach. Die Zeit für Experimente ist vorbei.

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