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Borussia Mönchengladbach
Perspektive gesucht

Das ist Jonas Hofmann
Das ist Jonas Hofmann FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Auch im vielleicht besten Borussia-Kader aller Zeiten gibt es Profis, die von verlässlicher Einsatzzeit ein Stück weit entfernt sind. Von Stefan Klüttermann

Im Borussen-Land herrscht dieser Tage weitgehende Einigkeit darüber, dass der aktuelle Kader von der qualitativen Breite her der beste sein dürfte, den der Verein jemals unter Vertrag hatte. Jede Position ist im Prinzip vierfach besetzt, viele Profis können mehrere Positionen ausfüllen, und Trainer André Schubert hat auch schon Bereitschaft und Überzeugung nachgewiesen, sein Personal rotieren zu lassen. Und trotzdem gibt es Profis, denen bei genauerem Hinsehen derzeit eine wirkliche Perspektive in Gladbach fehlt. Jedenfalls die Perspektive, zu wissen, wann und wo sie zu Spielpraxis kommen sollen.

Da wäre zum Beispiel Julian Korb. Der 24-Jährige, der im ersten Herbst unter Schubert einer der Senkrechtstarter war, ist das klarste Opfer der Umstellung von der Vierer- auf die Dreierkette. Denn in dieser Dreierkette finden sich bevorzugt körperlich robustere Kollegen wieder (Andreas Christensen, Jannik Vestergaard, Nico Elvedi, Tobias Strobl, Tony Jantschke) wieder. Korb war mit seinen Anlagen prädestiniert für die Rolle des Rechtsverteidigers in der Viererkette, aber diese Position gibt es so nicht mehr. Und die Zeiten, in denen er im neuen System als offensiver Flügel wirbeln und in Manchester sogar ein Champions-League-Tor erzielen durfte, liegen Monate zurück. Auf den Flügeln herrscht auch ohne ihn schon ein immenser Konkurrenzdruck, Korb ist hier realistisch die Option Nummer fünf oder sechs. Sein Siegtor im Pokal in Drochtersen taugte auch nicht wirklich zum nachhaltigen Hoffnungsschimmer.

Jonas Hofmann ist auch so ein Fall. Geholt im Winter für acht Millionen Euro, als Flügelflitzer, der auch zentral offensiv spielen kann, tut sich für ihn aktuell keine wirkliche Perspektive auf. Für die laufintensive und mit viel Defensivarbeit verbundene Außenposition in Schuberts System kommt der 24-Jährige nicht infrage, im offensiven Zentrum stehen bei all seiner Qualität Raffael, Lars Stindl, Thorgan Hazard und André Hahn vor ihm, und weiter hinten im Zentrum, wo Schubert ihn in der Vorbereitung getestet hatte, ist er offensichtlich nur die Nummer vier hinter Christoph Kramer, Mo Dahoud und Strobl. Keine guten Aussichten also für Hofmann, für den es in dieser Saison "meinetwegen so richtig losgehen kann", wie nach dem Saisonfinale 15/16 in Darmstadt gesagt hatte.

Spielpraxis in der U23 gesammelt, ein Tor im Test am Freitag gegen Hannover, dazu seit Wochen schmerzfrei zurück im Mannschaftstraining - die Bilanz von Nico Schulz seit seinem überwundenen Kreuzbandriss liest sich gar nicht so schlecht, aber auch der 23-jährige Linksfuß weiß, dass es schwer sein wird, auf Einsatzminuten zu kommen. "Der Trainer hat mir gesagt, er könne mir in den ersten Wochen keine Einsätze garantieren", sagte Schulz am Wochenende. Einsätze auf der linken Außenbahn bekommen eben vor allem Oscar Wendt und Fabian Johnson, und eine andere Position für Schulz gibt es - analog zu Korbs Dilemma - im neuen System nicht wirklich.

Marvin Schulz befindet sich gerade im Aufbautraining. Doch ein Aufbautraining hin zu realistischen Einsatzchancen kann es kaum sein. Denn für das Eigengewächs ist es in dieser Saison noch einmal schwerer geworden, überhaupt einen Platz im 18er-Kader zu ergattern. Egal, ob in der Dreierkette oder im Zentrum davor, die Stammplätze sind durch viele Teamkollegen verbaut. Dass der 21-Jährige bis Ende August nicht verliehen worden war, um woanders Spielpraxis zu sammeln, verwunderte viele. Aber Borussias Verantwortliche wollten Schulz partout nicht ziehen lassen.

Korb, Hofmann, Schulz und Schulz - für diese vier stirbt die Hoffnung dieser Tage zuletzt, doch in Bälde mal Einsatzzeit zu bekommen und in die Rotation zu gelangen. Vielleicht im Pokal gegen Stuttgart oder mal in der Liga nach einem Champions-League-Spiel. Mehr als Hoffnung ist im Moment aber für die vier wohl auch kaum drin. Dafür ist Borussias Kader in der Breite inzwischen eben zu gut.

Quelle: RP
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