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Borussia Mönchengladbach
Hecking muss sich selbst überbieten

Die Hecking-Tabelle
Die Hecking-Tabelle FOTO: dpa, awe hak
Mönchengladbach. Mit seinem Ex-Klub Wolfsburg holte der Trainer 1,75 Punkte im Schnitt. Für Europa benötigt Borussia 1,80 - und Hilfe. Von Karsten Kellermann

Als Dieter Hecking als Borussen-Trainer zurückkehrte nach Mönchengladbach, machte er auch einen kleinen Abstecher dorthin, wo früher der Bökelberg stand. 1983 war er Profi geworden bei Borussia, und das legendäre Stadion war seine Arbeitsstätte. In Wolfsburg wird es keine sentimentale Sightseeing-Tour geben, wenn Hecking Samstag mit Gladbach zurückkehrt zu dem Klub, der zu Saisonbeginn noch sein Arbeitgeber war. Doch die Erinnerungen an eine erfolgreiche Zeit, die sind gleichwohl da.

Hecking ist mit Wolfsburg DFB-Pokalsieger und Vizemeister geworden, er wurde dort 2015 zum Trainer des Jahres gekürt. "Ich hatte in Wolfsburg eine tolle und erfolgreiche Zeit", sagt Hecking. "Besondere Dinge" habe er erlebt in der Autostadt. Allerdings auch seine erste Entlassung als Cheftrainer, im Oktober 2016 nach einem Fehlstart. Noch immer ist Wolfsburg arg in der Problemzone, könnte bei einer Niederlage am Samstag sogar abrutschen auf den Relegationsplatz.

Es ist eine brisante Konstellation, weswegen sich Hecking ein Schweigegelübde auferlegt hat. "Ich hoffe auf Verständnis, dass ich mich vor unserem Spiel in Wolfsburg nicht zum Gegner äußern möchte. Ich tue das aus Respekt einem tollen Verein gegenüber und auch der Mannschaft, die mal mein Team war", sagte er. Hecking weiß, wie schnell seine Worte bleischweres Gewicht bekommen können. Klar ist aber auch: "Mein Verein ist jetzt Borussia, und mit der möchte ich drei Punkte in Wolfsburg holen."

Und was Borussias letzte Ambitionen angeht in dieser wirren Saison, hat Hecking darauf hingewiesen, dass er das Thema Europa nicht abgehakt hat. "Es ist noch möglich, den Sprung auf einen dieser Plätze zu schaffen", sagte er. Als Sportdirektor Max Eberl ihn holte, sagte er, Hecking sei von seiner Vita her der richtige für den Job in Gladbach. Auch Wolfsburg war unten drin, als Hecking kam, er rettete den VfL, führte ihn dann nach Europa und zum Pokal-Triumph. Dieser ist nach der bitteren Heimniederlage gegen Frankfurt im Halbfinale mit Borussia in dieser Saison nicht mehr möglich. Aber Europa. Dazu jedoch müsste Hecking seine starke Wolfsburg-Bilanz überbieten.

1,75 Punkte holte er dort im Schnitt - nach 23 Pflichtspielen als Borussen-Trainer liegt er bei 1,70, in der Liga hat er in 16 Spielen im Schnitt 1,69 Zähler ergattert. Rechnet man das auf eine ganze Saison um, ist das ein gehobener Europa-Kurs (57,4 Punkte). Doch in der realen Hinrunde gab es eben nur 17 (16 ohne Hecking), in der Rückrunde kamen 26 hinzu. "Wir sind die sechstbeste Mannschaft der Rückrunde, angesichts der vielen Probleme, die wir hatten, ist das nicht schlecht", sagt Hecking. 43 Punkte sind es in Summe, 49 sind möglich, wenn es ab jetzt optimal läuft in Wolfsburg und gegen Darmstadt.

Kommen tatsächlich sechs Punkte dazu, hätte Borussia in Heckings Amtszeit 33 Punkte eingesammelt. 1,83 Liga-Punkte wären das im Schnitt - das ist der reale Europa-Faktor für die Borussen. Es ist aber ein Faktor ohne Garantie. Denn das Motto "Sechs für 49 und Europa" ist eine Lotterie. "Es bringt nichts, hochzurechnen. Aus eigener Kraft können wir es nämlich nicht mehr schaffen, auch nicht mit zwei Siegen", weiß Hecking. Doch will Borussia nicht an sich selbst scheitern, weil sie die Hausaufgaben nicht gemacht hat. Sie will die Chance, die andere vielleicht bieten, nutzen. Wolfsburg wird daher der Scheideweg sein, was Europa angeht. Verliert Borussia, ist das Thema durch. Ein Punkt wäre wohl auch zu wenig. Also muss Heckings Team dem "Ex" des Trainers weh tun und den Dreier machen. Für Sentimentalität ist da kein Platz. Hecking will das tun, was er im Wolfsburger Stadion oft getan hat: jubeln.

Quelle: RP
 
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