| 10.19 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Der Ursprung der Stabilität

Leipzig - Gladbach: Einzelkritik
Leipzig - Gladbach: Einzelkritik FOTO: dpa, woi jai
Mönchengladbach. Bei Leipzigs Tor zum zwischenzeitlichen 2:1 standen Christoph Kramer und Denis Zakaria nicht nah genug beisammen. Danach personifizierten die beiden Sechser aber Borussias Stehauf-Mentalität, die bei RB noch ein 2:2 einbrachte. Von Karsten Kellermann

Christoph Kramer winkte ab. Er wollte nicht ausgewechselt werden. Er wollte bis zum Ende dabei sein in dem Fight von Leipzig. 2:2 stand es, nachdem die Borussen zweimal eine Führung des Gegners ausgeglichen hatten, und dann traf Naby Keita Kramer mit den Stollen im Gesicht. Die Fernsehbilder dazu waren martialisch: Kramers verzerrtes Gesicht, sein Aufschrei, das Blut, das ihm über das Gesicht lief, als er am Boden lag. "Es war aber nicht so schlimm, wie es aussah", sagte Kramer später. Mit zwei Stichen wurde am Spielfeldrand die Wunde an der Oberlippe genäht, dann rannte Kramer, verziert mit einem blauen Pflaster, wieder auf das Spielfeld und kämpfte weiter.

Das machte Eindruck. Die Fans kürten Kramer zum "Spieler des Spiels". Das hatte er sich mit einer engagierten Leistung verdient. Dass auch sein Nebenmann vor der Abwehr, Denis Zakaria, zu den besten an diesem Tag gehörte, war ein entscheidender Faktor in diesem Spiel, aus dem die Borussen mehr mitnehmen als nur den einen Punkt. Die Gewissheit nämlich, sich erfolgreich gewehrt zu haben.

"Chris und Denis haben sehr gut gespielt", lobte Sportdirektor Max Eberl. Dass es so kommen würde, war nach der Anfangsphase des Spiels nicht abzusehen. Denn neben den Problemen, die Nico Elvedi auf der rechten Abwehrseite in seinem 50. Bundesligaspiel hatte (die auch zum 0:1 durch Timo Werner führten), gab es im Zentrum Lücken. Eine nutzte Keita aus, als er einen genialen Pass spielte auf Jean-Kevin Augustin, zwischen Kramer und Zakaria hindurch, die in der Szene nicht eng genug beisammen waren. Augustin wartete in der Schnittstelle der Innenverteidiger Matthias Ginter und Jannik Vestergaard, der zudem zur falschen Zeit einen Schritt nach vorn machte, und war dann auf und davon.

Doch Kramer und Zakaria personifizierten danach die Stehauf-Mentalität der Borussen. Sie sorgten für die Szenen, die im Rückblick die Geschichte des Spiels trefflich zusammenfassen. Kramers Comeback nach dem Tritt Keitas war die eine, Zakarias Einsatz vor dem 2:2 die zweite. Der junge Schweizer war schon am Boden, doch er rappelte sich wieder auf, holte sich den Ball, als die Leipziger Keita und Diego Demme zu unentschlossen waren, sprintete nach vorn, stupste das Spielgerät hinüber zu Lars Stindl, der ihn dann mit seiner feinen Innenseite ins Tor zauberte.

Zakaria "bedankte" sich nebenbei mit seinem ersten Bundesliga-Assist bei Stindl für dessen Torvorlage in Augsburg. Der Schweizer hatte zudem wieder eine herausragende Passquote von 94 Prozent und lief 11,67 Kilometer. Kramer war mit 12,16 Kilometern die Nummer zwei hinter Stindl und vor Thorgan Hazard. Das große Engagement der Offensiven (auch Raffael lief mehr als elf Kilometer) unterstützte die Arbeit von Kramer und Zakaria, weil so die erste Wucht der Leipziger gebremst wurde. "Man hat Kerle gesehen, an solchen Spielen wachsen die jungen Spieler", sagte Eberl und meinte insbesondere Kramer und Zakaria. Sie hatten angesichts der Rückstände eine große Aufgabe. "Gegen Leipzig muss man aufpassen, weil sie sehr schnell und gefährlich im Umschaltspiel sind. Deswegen konnten wir nicht ins letzte Risiko gehen", sagte Kramer.

Borussias Sechser fanden aber die richtige Balance. Sie gewannen die wichtigen Zweikämpfe, das war der Schüssel. Eberl definierte die Arbeit der Doppelsechs als den Ursprung jener Stabilität, die die Basis war für die starke Leistung vor allem in der zweiten Halbzeit. "Wenn wir uns wehren und dann der Fußball dazu kommt, ist es top. Das geht natürlich oft von Chris und Denis aus. Und wenn du das Gefühl hast, dass du im Zentrum Zweikämpfe gewinnst, dann hast du als Mannschaft auch eine Stabilität", sagte der Manager.

Quelle: RP
 
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