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Borussia Mönchengladbach
Dortmunder Verhältnisse – auch ohne Elfmeter

Herrmann wird gegen Florenz Elfmeter verweigert
Herrmann wird gegen Florenz Elfmeter verweigert FOTO: ap, AF
Mönchengladbach. Gladbach war gegen den AC Florenz ähnlich überlegen wie Dortmund in der Champions League gegen Benfica Lissabon. Beiden Borussias stand eine schlechte Chancenverwertung im Weg. Während der BVB am Dienstag einen Elfmeter bekommen hatte, wurde Gladbach ein eindeutiger verwehrt. Von Jannik Sorgatz
  • Die Fünf-Prozent-Niederlage

Am späten Dienstagabend hätte es wohl kaum jemand für möglich gehalten, dass Borussia Dortmund noch ernsthafte Konkurrenz bekommt in der Kategorie "Unverdienteste Niederlage der Woche". Aber die Borussia aus Mönchengladbach hat sich beim 0:1 gegen den AC Florenz ernsthafte Mühe gegeben – was beim Stichwort "unverdiente Niederlage" immer eine schiefe Beschreibung ist. Alle Dortmunder Schussversuche hätten aufaddiert im Schnitt für 2,66 Tore gereicht, den verschossenen Elfmeter eingeschlossen. Benfica Lissabon kam dagegen nur auf 0,79. Zwischen Gladbach und Florenz stand es in der Theorie am Ende 1,97 zu 0,4, was von der einzig und allein relevanten Realität weit entfernt war. Doch Dieter Hecking und seine Spieler konnten ihr Selbstbewusstsein nach dem Spiel unverhohlen nach außen tragen: Bei solch einem Verhältnis geht die unterlegene Mannschaft gerade einmal in fünf Prozent aller Fälle als Sieger vom Platz.

  • Weiße Weste aus dem Spiel heraus

Nach 370 Minuten wurde Yann Sommer also wieder bezwungen. Federico Bernardeschi schoss an seinem 24. Geburtstag aus 26 Metern ein Traumtor. Zuvor hatte Sommer unter Trainer Hecking nur zwei Eckballgegentore in Leverkusen hinnehmen müssen, nun fiel das Gegentor erneut nicht aus dem laufenden Spiel heraus, nämlich per Freistoß. Auch die Weiße Weste in der zweiten Halbzeit hat nach sechs Pflichtspielen im neuen Jahr Bestand. Entsprechend sah Hecking keinen Anlass, den Lauf der vergangenen Spiele als beendet anzusehen. "Ich glaube nicht, dass man sich fragen muss, ob dieses Spiel die Mannschaft zurückwirft", sagte der 52-Jährige.

  • Historie als schlechtes Omen

Der Erfahrungsschatz ist nicht groß, von den Spielern, die gegen Florenz auf dem Platz standen, können nur Oscar Wendt, Tony Jantschke und Patrick Herrmann darauf zurückgreifen. Aber Fakt ist: Borussia hat zum fünften Mal ein Europapokal-Hinspiel zu Hause verloren und ist danach bislang immer ausgeschieden. Zum letzten Mal war dies 2012 in den Play-offs zur Champions League der Fall – 1:3 im Borussia-Park gegen Dynamo Kiew, dann 2:1 in der Ukraine gewonnen. Kurioserweise schied Gladbach auch 1996 nach einer Heimniederlage und einem Auswärtssieg aus. Im Uefa-Cup gab es ein 2:4 und ein 1:0 gegen den AS Monaco. Das dritte Beispiel – 0:1 und 1:4 gegen Espanyol Barcelona – liegt schon fast 30 Jahre zurück, das vierte Beispiel noch viel weiter. Beim Europapokal-Debüt 1960 verlor Borussia zu Hause 0:3 gegen die Glasgow Rangers und ging in Schottland mit 0:8 unter.

  • Bern und Celtic als Vorbild

In einer Hinsicht ist sich Gladbach am Donnerstagabend untreu geworden. Im 18. Europapokal-Heimspiel der Neuzeit – die 2012 gegen Kiew begann – schoss erst zum zweiten Mal der Gegner das erste Tor. Vor zwei Jahren war dies dem FC Sevilla genau wie Florenz im Sechzehntelfinale gelungen. Ansonsten gab es 16 Führungen, von den Borussia lediglich sieben ins Ziel brachte. In Bern und Glasgow hat sie diese Saison schon zweimal gezeigt, wie es auswärts gehen kann.

  • Dieter Hecking stellt Torrichter infrage

Patrick Herrmann klatschte und sang mit, weil die Nordkurve nach dem Spiel die "Elf vom Niederrhein" angestimmt hatte. Die Zeilen "Und geht das Spiel auch mal verlor'n, dann macht uns das gar nicht aus; denn dann fahren wir zum Auswärtsspiel und machen einen drauf" sind im Hinblick auf die Reise nach Florenz kommende Woche programmatisch. Zweimal hatte Herrmann die Chance, am Wahrheitsgehalt der Zeilen etwas zu ändern, einmal wurde er in den Augen fast aller Beobachter illegal daran gehindert. Maximiliano Olivera kam viel zu spät nach Oscar Wendts scharfer Hereingabe. "Einen klareren Elfmeter kann man fast nicht pfeifen", sagte Hecking und stellte wie so viele vor ihm den Zweck der Torrichter infrage. "Es ist schon ärgerlich, wenn da fünf Leute herumstehen und keiner will etwas gesehen haben."

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