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Borussia Mönchengladbach
2:0! Neuer patzt, Raffael düpiert die Bayern

Fotos: Borussia feiert Sieg mit Fans in München
Fotos: Borussia feiert Sieg mit Fans in München FOTO: dpa, geb hak
München. Borussia Mönchengladbach ist dem Traum von der Champions-League-Teilnahme einen weiteren Schritt nähergekommen – punktemäßig wie mental. Denn die Borussen gewannen beim designierten Meister FC Bayern 2:0 und gehen somit nicht nur mit acht Zählern Vorsprung auf Rang fünf in die Länderspielpause, sondern eben auch mit dem Brust verbreiternden Bewusstsein des erst dritten Auswärtssieges in München in der Vereinshistorie. Zuvor hatten die Bayern in zwölf Heimspielen erst einen einzigen Punkt abgegeben. Von Stefan Klüttermann

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hatten diesen 26. Spieltag zum "Integrations-Spieltag" erhoben, also zum Motto-Tag gegen Ausgrenzung und Diskriminierung im Sport. Dass sich die Bayern vom Rest der Liga nun irgendwie diskriminiert fühlen, würden sie in München wohl mit einem herzhaften Lachen verneinen, aber in gewisser Art ausgegrenzt vom Rest der Konkurrenz – nach oben hin, versteht sich –, dieser These wird niemand der souveräne Tabellenführer nicht widersprechen.

Dafür liefert der Rekordmeister halt Woche für Woche Nachweise seiner spielerischen Überlegenheit. So auch gegen die vor diesem Spieltag immerhin drittplatzierten Borussen. Es gab jedoch einen Unterschied zu sonstigen Bayern-Auftritten: Die Dominanz währte nur kurz und sie mündete diesmal nicht in klaren Torchancen, geschweige denn in Treffern.

Einzelkritik: Note 1 für Raffael FOTO: afp, bb

Denn die Hausherren degradierten die Borussen zwar eine halbe Stunde lang in den Status des viel beschriebenen Kaninchens vor der Schlange und drängten zaghafte und irgendwie nervöse Gladbacher fast ausschließlich in deren Hälfte, aber diese überstanden den Druck eben, ohne Rückstand zu geraten, weil sie clever und konsequent verteidigten.

Danach änderten zwei Faktoren die Partie in eine völlig neue Richtung: Zum einen musste in Arjen Robben der beste Torjäger der Liga Mitte der ersten Halbzeit nach einem Foul von Tony Jantschke verletzt vom Platz, was dem Bayern-Spiel einen spürbaren Bruch bescherte.

Zum anderen machte Nationaltorhüter Manuel Neuer fünf Minuten später etwas völlig Ungewöhnliches: Er verschuldete ein Gegentor. Wie aus dem Nichts war Patrick Herrmann auf der rechten Seite auf und davon, passte in die Mitte, wo Raffael den Ball direkt nahm und ihn mittig flach direkt auf Neuer schoss. Doch der Welttorhüter ließ diesen haltbaren Versuch am Körper vorbei über die Linie rutschen. Borussia führte plötzlich – und wusste selbst nicht richtig, warum. Egal war es ihnen gleichwohl, und die 8000 mitgreisten Fans unter den 75 000 Zuschauern waren aus dem Häuschen.

 

Indes: So selten Neuer auch patzen mag, so oft patzt er kurioserweise gegen Mönchengladbach. Im August 2011 siegte Lucien Favres Team zum erst zweiten Mal in Borussias Historie bei den Bayern, weil Neuer beim 1:0-Siegtor vom Belgier Igor de Camargo zu spät aus seinem Tor kam. Im Januar 2012 klärte Neuer einen Ball direkt in die Füße von Marco Reus, und der jetzige Dortmunder schob aus der Distanz ins verwaiste Bayern-Tor zur Führung ein. Endstand damals: 3:1.

Nach Neuers Aussetzer war es mit der Münchner Dominanz in jedem Fall vorbei, stattdessen entdeckten die Gäste – mit André Hahn statt Max Kruse im Sturmzentrum – zunehmend Mut und Räume, um selbst aktiver am Spiel teilzunehmen. Hahn hatte gar das 2:0 auf dem Fuß, scheiterte aber an Neuer und am Pfosten. Und die Bayern? Die verlegten sich zunehmend ideenlos auf hohe Bälle, die vor allem bei Gladbachs Abwehrchef Martin Stranzl und Nebenmann Alvaro Dominguez einen dankbaren Abnehmer fanden.

Wie man sich zu einem Treffer kombiniert, zeigten dann die immer stärker werdenden Borussen: Eine Viertelstunde vor dem Ende wanderte der Ball über Herrmann und Christoph Kramer erneut sehenswert zu Raffael, und der schob überlegt zum 2:0 ein. Neuer war diesmal schuld-, weil machtlos. Machtlos waren am Ende alle Bayern. Und auch ausgegrenzt – von Zählbarem auf jeden Fall.

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