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Borussia Mönchengladbach
Aus dem Hintergrund schoss Raffael ...

Borussia feiert mit den Fans in Bern
Borussia feiert mit den Fans in Bern FOTO: dpa, ps sam
Bern. Borussias Offensive war beim 3:1 in Bern effektiv. Alle vier, die vorn spielten, waren an den Gladbacher Toren beteiligt. Dass es im legendären Stadtteil kleinere Parallelen zu einem großen deutschen Fußballwunder gab, kam hinzu. Von Karsten Kellermann

Diesen Punkt konnte die vergleichende Fußballwissenschaft nicht abhaken: Denn der Regen kam zu spät. Erst am Morgen nach dem Spiel prasselte er unaufhörlich nieder über Bern. Dabei hätte es so schön gepasst am Abend zuvor, als Borussia im Stade de Suisse, das früher das Wankdorfstadion war, 3:1 bei den Young Boys Bern siegte. Der niederprasselnde Regen hätte die kleinen Parallelen zu jenem großen, regennassen Spiel im Juli 1954, das für manchen Historiker die Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland war, das 3:2 des deutschen Teams im WM-Finale gegen die als unbesiegbar geltenden Ungarn, auf Vornehmste vervollständigt. Zumal die Partie just an dem Tag stattfand, an dem der deutsche Held und Siegtorschütze von damals, Helmut Rahn, seinen 87. Geburtstag gefeiert hätte.

André Hahn, nur 60 Sekunden nach seiner Einwechslung Torschütze zum wichtigen 2:1, war ehrlich. "Als ich das Tor gemacht habe, habe ich nicht an 1954 gedacht", sagte er. "Aber wenn man im Nachhinein drüber nachdenkt, ist es schon richtig cool, hier getroffen zu haben", sagte Hahn. "Aus Rahn wird Hahn", fügte er grinsend hinzu. Ein Wortspiel, das für Schlagzeilen taugt. Hahn jedoch schoss nicht aus dem Hintergrund, wie seinerzeit Rahn, sondern, wie es ein Reporter nannte, "aus dem Vordergrund". Dass er nach Lars Stindls perfektem Zuspiel wohl im Abseits stand, wurde nicht geahndet und interessierte Hahn auch wenig.

Für ihn war sein Blitztor eine kleine Genugtuung, musste er doch zunächst seine Energie zügeln und auf der Bank Platz nehmen. "Wenn ich reinkomme, gebe ich alles", sagte er. Mit dem Tor habe er seine Antwort gegeben, sagte Hahn, bestimmt, aber nicht patzig oder fordernd. Er weiß, dass die Konkurrenz groß ist. Die Statistik des Spiels in Bern belegt das. Vier Stürmer setzte Trainer André Schubert ein, alle vier waren aktiv am Sieg beteiligt: Raffael und Hahn trafen, Lars Stindl und Thorgan Hazard waren mit Assists an Toren beteiligt.

"Wir haben vier, fünf Stürmer, die auf Augenhöhe sind. Der Trainer wird immer wieder wechseln, jeder wird auf seine Spiele kommen", sagte Hahn. "Maestro" Raffael, der mithin das erste Pflichtspieltor der Saison erzielte, ist mit Kapitän Stindl vielleicht ein bisschen mehr gesetzt als die anderen, doch in Hahn, Hazard und auch Patrick Herrmann sind da drei, die mit ihren unterschiedlichen Qualitäten ganz unterschiedliche Akzente setzen können.

In Bern begann Hazard, vielleicht auch, weil er mit seiner Technik besser zum schnellen Kunstrasen passte. "Ich mag es, schnell zu spielen, darum fühle ich mich auf solchen Plätzen wohl. Als ich jung war, habe ich oft auf Kunstrasen gespielt", sagte Hazard. Er war in Spiellaune in Halbzeit eins, mit Ibo Traoré legte er die eine oder andere flotte Kombination auf das künstliche Geläuf. Indes: Es fehlte die Effektivität zuweilen. Anders Hahn: Er kam, um das kämpferische Element in der Schlussphase zu stärken, und traf. "Ich habe sehr viel Selbstvertrauen", erklärte Hahn ganz sachlich.

Raffael schoss eigentlich zwei Tore, der Treffer zum 3:1 wurde allerdings, weil recht deutlich und wohl entscheidend abgefälscht, als Eigentor von Alain Rochat gewertet. Doch gerade der erste Treffer des Brasilianers passt, um den Vergleich zu 1954 noch einmal anzustrengen. Nach Thorgan Hazards schöner Vorarbeit schoss er aus ähnlicher Distanz wie einst Helmut Rahn aus dem Hintergrund, wie vor 62 Jahren sauste der Ball unten links ins Tor. Hätte es da noch in Strömen geregnet ...

Schon zu seiner Zeit in Zürich hatte "Raffa" gut gegen Bern getroffen, fünf Tore hatte er schon vor dem Play-off gegen YB fabriziert. "Wenn man jemanden hat, der gleich aus der ersten Chance das 1:0 macht, ist das eine Qualität. Außerdem behält er immer die Ruhe, auch wenn es hektisch wird", sagte Sportdirektor Max Eberl über Raffael. Der Matchwinner hatte zuvor klar gestellt, er wolle unbedingt in die Champions League. Mit seinen Offensiv-Kollegen hat er im legendären Berner Stadtteil Wankdorf, wo 1954 ein deutsches Fußballwunder passierte, die Tür weit aufgestoßen für Borussia.

Quelle: RP
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