| 22.00 Uhr

Borussia Mönchengladbach
"Ein Hexenkessel wird das Stadion wohl kaum werden"

Eindrücke aus dem Stade de Suisse in Bern
Eindrücke aus dem Stade de Suisse in Bern FOTO: Karsten Kellermann
Bern. Sportlich haftet den Young Boys Bern in der Schweiz ein ähnlicher Ruf an wie Bayer Leverkusen in Deutschland. Borussias Fans könnten vor dem Spiel noch schwimmen gehen. Und ein Hexenkessel ist das Stade de Suisse in der Regel nicht.

All das hat uns Reto Fehr, Journalist bei watson.ch, über Gladbachs Play-off-Gegner verraten.

  • Welches Standing haben die Young Boys in der Schweiz?

"YB und Erfolge, das ist eine lange Leidensgeschichte. Seit 1987 wartet der Hauptstadt-Klub auf einen Titel – obwohl die Rahmenbedingungen eigentlich perfekt wären. In der Schweiz gibt es seit einigen Jahren daher den Ausdruck "veryoungboysen". Er wird gebraucht, wenn eine Mannschaft einen sicher geglaubten Sieg oder Erfolg auf fast unmögliche Art und Weise noch im letzten Moment verpasst. Das Paradebeispiel dazu war in der Saison 2009/10, als YB zwischenzeitlich 13 Punkte Vorsprung auf Basel auswies, aber am allerletzten Spieltag doch noch vom Spitzenplatz verdrängt wurde." 

  • Wie verlief die jüngste Entwicklung der Mannschaft?

"YB hängt das Verlierer-Image an. Adi Hütter ist nicht der erste, der dies zu ändern versucht. Vielleicht gelingt es ihm. In der Rückrunde der vergangenen Saison waren die Berner das beste Team der Liga und holten mehr Punkte als das überragende Basel. Doch in der neuen Saison weisen die Gelb-Schwarzen schon wieder sechs Punkte Rückstand auf den Ligakrösus aus. Nach vier Partien.

Der Österreicher lässt attraktiven Fußball spielen, das Team wurde vor dieser Saison weiter verstärkt. Trotzdem vertraut Hütter mehrheitlich auf Personal, das schon in der vergangenen Saison in Bern war. Die Automatismen funktionieren also. Im Erfolgsfall ist die Euphorie schnell groß, aber ein Hexenkessel wird das Stade de Suisse auch gegen Gladbach kaum werden." 

  • Auf welche Spieler gilt es zu achten für die Borussia?

"Neben Routinier Steve von Bergen über Knipser Guillaume Hoarau waren beim Coup gegen Schachtar zwei Spiele für das Erreichen der Playoffs verantwortlich: Torhüter Ivon Mvogo, der YB immer wieder Punkte rettet und vor zwei Jahren die Berner Goalie-Legende Marco Wölfli auf die Bank verdrängte. Überragend war im Rückspiel gegen Donezk Sekou Sanogo. Der Mittelfeldspieler zog die Fäden und grätschte die Ukrainer furchtlos ab. Sein verletzungsbedingter Ausfall wiegt schwer. Gleiches gilt für Alexander Gerndt und Denis Zakaria, den Aufsteiger der vergangenen Saison, welcher für die Schweiz zur EM fuhr (kein Einsatz).

Weiter zu beachten sind Miralem Sulejmani, der einst bei Ajax zu den kommenden Stars zählte, aber zu unkonstant spielt. Auf dem Flügel sorgt Yoric Ravet für sehr viel Tempo, er kann jede Abwehr vor Probleme stellen. Auf dem aufsteigenden Ast ist Eigengewächs Leonardo Bertone. Rückkehrer Michael Frey sucht seine Form noch. In Bern ist man sich bewusst, dass ein Erfolg gegen Gladbach eine Sensation wäre. Aber nur schon die EL-Qualifikation darf als Erfolg gewertet werden."

  • Bis zu 8000 Borussia-Fans werden in der Stadt erwartet. Was dürfen wiederum die Fans erwarten?

"Bern bietet den Fans viel. Die Altstadt ist großartig und mit den vielen Lauben einzigartig. Wer früh genug kommt, kann auch noch in der Aare ein Bad nehmen und sich etwas Flussabwärts treiben lassen. Für das Bier vor der Partie bieten sich diverse Restaurants in der Altstadt an. Beliebt ist auch der Bärengraben (der heute zwar kein Graben mehr ist) und fast auf dem Weg zum Stadion liegt."

(jaso)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Borussia Mönchengladbach: Ein Experte stellt die Young Boys Bern vor


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.