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Borussia Mönchengladbach
Ein kleiner Schritt entscheidet das Derby

Borussia Mönchengladbach: Ein kleiner Schritt entscheidet das Derby
34 Meter Torentfernung, Kölns Marcel Risse schießt, Yann Sommer hüpft ein bisschen nach rechts, dann springt er ab, greift über, ist mit den Fingerspitzen am Ball, kann ihn aber nicht mehr über die Latte lenken. Sein Gegenüber Thomas Kessler pflichtet ihm bei, wie tückisch Risses Schüsse sein können. FOTO: imago
Mönchengladbach. Auch Torwart Yann Sommer wird derzeit nicht Borussias Ansprüchen gerecht. So erklärt er das 1:2 gegen Köln. Von Karsten Kellermann

Yann Sommer und Uwe Kamps haben gestern gemeinsam Video geschaut. Zentraler Gegenstand der Betrachtung war das Siegtor des 1. FC Köln am Samstag im Derby in letzter Minute. Marcel Risses Schuss aus 34 Metern, der sich über Sommer hinweg in den Torwinkel senkte. Nach mehrfacher Ansicht der Szene waren sich der Torwart und der Torwarttrainer einig: "Der Ball war gut geschossen." Und "es sieht, wenn man es anschaut, unglücklich aus", gestand Sommer, was ihn selbst betraf. Und doch war es ein Schuss, den Sommer nicht zwangsläufig hätte halten können: "Manchmal ist es ein kleiner Schritt, der entscheidend sein kann."

Der Schritt nach rechts, den er machte, als Risses Ball das erste Teilstück seiner Flugbahn zurückgelegt hatte, entschied quasi das Derby. Denn dieser Schritt nach rechts fehlte auf der anderen Seite, als der flatterhafte Ball seine Flugbahn noch veränderte. Thomas Kessler, Sommers Kölner Kollege, nahm den Gladbacher in Schutz. "Ich kenne die Schüsse aus dem Training. Die sind absolut unhaltbar", sagte Kessler. Dass Risse derartig begabt in Sachen Flatterschuss ist, wusste Sommer dank des Videostudiums vor dem Spiel. Schließlich hatte Risse schon gegen 1899 Hoffenheim einen ähnlichen Treffer fabriziert, wenn auch von der anderen Seite. Doch Wissen schützt vor Gegentoren nicht.

Auch der erste Kölner Treffer war einer aus dem Kuriositätenkabinett. "Ich entscheide mich nach der Flanke, zu Modeste zu gehen, und gewinne unglücklicherweise das Kopfballduell - der Ball trifft ihn und geht dann ins Tor", erinnerte sich Jannik Vestergaard an die Szene. "Ich habe das Duell gewonnen, aber aus irgendeinem Grund haben wir im Moment Pech - doch es gehört zum Fußball dazu, dass so etwas passiert", sagte er. Sein Torwart konnte nicht verhindern, dass Modeste anschließend seinen "Brillen-Jubel" aufführen durfte. "Das war schon sehr unglücklich", fasste Sommer zusammen.

Wie alle Borussen hat auch die Nummer eins der Schweiz schon andere Zeiten erlebt in Gladbach. Jene nämlich, in denen es wie von selbst lief und alles gelang. In diesen Tagen hätte Sommer vermutlich mit beide Bälle irgendwie abgewehrt und so dafür gesorgt, dass die Gladbacher Derbysieger gewesen wären und nicht die Kölner. "Es passt vielleicht ein bisschen zu unserer Situation", sagte Sommer. Es läuft einfach nicht optimal. Oder besser: Es läuft suboptimal. Ganz Gladbach - inklusive des Torhüters - hat andere Ansprüche als das, was derzeit der Status quo ist. "Deswegen malen wir aber jetzt nicht die Wände schwarz an", warnte Sommer, nun in Hoffnungslosigkeit zu verfallen.

Die Niederlage im Derby sei ärgerlich, doch rät Sommer dazu, nicht nur die triste Oberfläche der Geschichte zu betrachten. "Wir haben ein gutes Spiel gemacht, das muss ich mal sagen. Wir hatten viele gute Szene und Chancen, am Ende wissen die Kölner gar nicht, wie sie das Derby gewonnen haben", sagte Sommer. Das Problem ist nur: Sie haben es gewonnen. "Wir müssen das jetzt so schnell wie möglich abhaken und am Mittwoch gegen Manchester City in der Champions League alles dafür tun, wieder in die Erfolgsspur zu kommen und in den entscheidenden Situationen als Mannschaft wieder erfolgreich zu sein", sagte Sommer.

Quelle: RP
 
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