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Borussia Mönchengladbach
Im Süden was Neues und ein Frontzeck-Spezial

Ingolstadt - Gladbach
Ingolstadt - Gladbach FOTO: dpa, awe nic
Ingolstadt/Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach gewinnt auswärts weiter kein Spiel, treibt die Evolution der Misere aber voran. In einer Hinsicht geriet der Auftritt beim FC Ingolstadt sogar so schwach wie seit fünf Jahren nicht. Von Jannik Sorgatz

1. Zuletzt 2010 Es ist in den vergangenen Jahren selten vorgekommen, dass die Borussia unter Lucien Favre in so schlimme Negativstrudel geriet, dass Vergleiche aus der Prä-Favre-Ära herangezogen werden mussten. Und auch unter André Schubert geht seit September so wenig schief, dass man bei der Beantwortung der Frage "Wann gab's das denn zuletzt?" oft auf Namen wie Michael Frontzeck, Hannes Bongartz oder Gerd vom Bruch treffen würde. Jetzt kreuzt er doch noch den Weg des Frontzeck: Acht Auswärtsspiele in Folge ohne Sieg – mehr waren es zuletzt in der Saison 2009/10 unter eben jenem Favre-Vorgänger Frontzeck, der Gladbach damals halbwegs sicher rettete, trotz Platz 18 in der Auswärtstabelle. 

2. Einfach nur harmlos Immerhin hat Gladbach in Ingolstadt ein Problem der vergangenen Wochen abgestellt: das Vergeigen etlicher Torchancen in Auswärtsspielen. Stattdessen lag der Fokus auf dem Vergeigen weniger Torchancen. Wobei eine durchschnittliche Quote immer noch für ein Tor gereicht hätte. Das Torschussverhältnis von 7:15 aus Sicht der Borussia verdeutlicht indes, dass von Hülle und Fülle keine Rede sein konnte. Nur beim 0:5 in Leverkusen (6:14) und beim 0:4 in Dortmund (5:18) schoss Gladbach seltener. Immerhin ging Harmlosigkeit diesmal nicht einher mit brutaler Effizienz des Gegners, was das 0:1 vom Samstag natürlich nicht wirklich aufwertet.

3. Wie bei Frontzecks Abschied Bis in die oben zitierte Saison 2009/10 reicht das öffentlich einsehbare Statistik-Archiv der DFL zurück. Das macht 233 Bundesligaspiele, für die Gladbachs Passquote ausgewiesen wird. In Ingolstadt lag der Wert bei 61,1 Prozent, nur ein niedrigerer Wert ist in der Datenbank zu finden – es war Frontzecks Abschiedsspiel beim FC St. Pauli (60,3 Prozent). Zum 20. Mal lag die Passquote unter 70 Prozent, davon elfmal in anderthalb Jahren unter Frontzeck und nur viermal seit Februar 2013. In jenem Zeitraum kam es ähnlich oft vor, dass die Passgenauigkeit bei mehr als 90 Prozent lag und damit in Barcelona-Bayern-Sphären. Gegen die meisten Pressingmaschine erwies sich die Borussia als erstaunlich resistent.

4. Symptomatisches Zusammenspiel Allerdings wäre es gar nicht nötig, jemanden in den Statistikkeller einzusperren, um das Grauen zu belegen. Gegebenenfalls erweist sich die Information, welche Passkombination am Samstag die häufigste bei der Borussia gewesen ist, als ausreichend glaubwürdig: Yann Sommer auf André Hahn, 14-mal in 90 Minuten. Zur Einordnung: Gegen Hertha BSC spielte Andreas Christensen den Ball 17-mal zu Havard Nordtveit und 16-mal zu Granit Xhaka, der ihn 15-mal zurückspielte. Da hatte Gladbach permanent die Kontrolle, die in Ingolstadt bestenfalls minutenweise zu sehen war. Das lag nicht nur am pressenden Gegner, sondern auch am einfach schlechten Passspiel des VfL.

5. Auswärts-Evolution geht weiter Zuerst war es die Rückwärtsbewegung, dann kamen die Doppelschläge nach Führungen, dann die mangelhafte Chancenverwertung, dann der Slapstick. Der nächste Schritt der Gladbacher Auswärts-Evolution sah diesmal geradezu banale Gründe vor: schlecht gespielt, kurz vor Schluss schlecht verteidigt, verloren. Die Berg- und Talfahrt in Borussias Ergebnisliste, das Ausbleiben zweier Siege in Folge lässt sich auch dadurch erklären, dass das Abstellen der einen Fehlerquelle stets eine neue ans Tageslicht bringt. Man darf gespannt sein, was diese fatale Art der Kreativität am Freitag bei Hannover 96 bringt.

6. Nicht auf einer Linie Bei der Bewertung des Ingolstadt-Spiels durch André Schubert und Max Eberl herrschte kaum Einigkeit, nur wenig Recht, dafür aber viel Freiheit. 

  • Schubert über die Art des Spiels: "Wir wussten, was uns erwartet, und haben uns auch drauf eingestellt. Aber nur selten haben wir das so umsetzen können, wie wir uns das vorgestellt haben."
  • Eberl zum selben Thema: "Wir wussten, was heute kommt, und wir wussten, dass wenig Fußball angesagt sein würde. Die Mannschaft hat Moral gezeigt, es ist nur schade, dass du nicht mal belohnt wirst für deine Leistungen auswärts."
  • Schubert zu den Gründen für die Niederlage: "Wir haben den Spielaufbau zu kompliziert gestaltet, zu viel kurz und quer gespielt. Auch in den Zweikämpfen haben wir nicht so dagegenhalten können, wie wir uns das vorgegestellt haben."
  • Eberl wirft dem Team dagegen nichts vor: "Wir haben kein brillantes Spiel gemacht, aber alles in die Waagschale geworfen, was heute gefragt war. Es nervt, dass wir mit leeren Händen nach Hause gehen."

7. Zu selten nicht verloren Wieder reichte es also nicht einmal für einen Punkt, bei lediglich drei Unentschieden steht die Borussia und nun schon bei zwölf Niederlagen. Mehr waren es zuletzt 2010/11, damals 18 mit viel Frontzeck- und nicht ganz so viel Favre-Beteiligung. Diese Saison hat Schubert lange den schweren Rucksack seines Vorgängers mit der einen Schultern tragen müssen, mittlerweile stabilisieren allein sechs Rückrundenpleiten aber die Wirbelsäule. Das mit dem "nicht einmal ein Punkt" war schon so oft Thema in den vergangenen Wochen, dass beim Verpassen der Champions League wohl niemand konstatieren müsste, die Borussia habe zu selten gewonnen. Vielleicht hat sie dann auch einfach zu selten nicht verloren.

8. Vorbild für den FCI Der FC Ingolstadt feierte am Samstag den gefühlten Klassenerhalt, was ihnen zum einen die Borussia von heute und zum anderen die aus der Saison 2010/2011 ermöglichte. Damals musste Gladbach mit 36 Punkten in die Relegation, mit mehr als 36 musste seit der Wiedereinführung dieses letzten Strohhalmes niemand in die Relegation. Ingolstadt hat die Hürde übersprungen und steht bei komfortablen 39 Zählern, übrigens nur sechs hinter der Borussia.

9. Die erlösende Fünfte Ob Granit Xhaka bald noch einmal auf den FC Ingolstadt trifft, hängt also weniger von Ingolstadt als von Xhaka ab. Immerin sagte Eberl auf einer Fanklub-Veranstaltung am Sonntag, dass die Champions-League-Qualifikation einen Verbleib erleichtern würde, es ansonsten aber eine exorbitant hohe Ablöse gäbe. Nach Gelb-Rot im Hinspiel genügte diesmal eine Gelbe Karte, um für das nächste Kapitel der speziellen Beziehung zwischen Xhaka und den "Schanzern" zu sorgen. Lässt man zweierlei Maß, Ingolstädter Forderungen, zweifelhafte Tweets, vorzeitige Auswechslungen und Gerede über Ruhe außen vor, bleibt unterm Strich, dass Xhaka nach Hannover wieder dabei ist. Es gibt schlechtere Umstände, als eine Sperre beim Tabellenletzten abzusitzen, der zu Hause seit 530 Minuten kein Tor geschossen hat.

Dieser Tweet des FCI polarisierte am Samstag:

10. Wort mit S An diese Stelle gehört eine Einlassung zur aktuellen Entwicklung eines Rennens, dessen Name am Freitag zwar auf den Index gesetzt wurde. Aber es kann immer passieren sein, dass man sich der Fähnchen-im-Windhaftigkeit der Borussia anpassen und die Entscheidung noch einmal überdenken muss. Bayer Leverkusen und Schalke 04 spielten erst am Sonntag. Bis dahin sah es so aus, als dürfte sich Hertha BSC nach einem 2:2 gegen Schlusslicht Hannover unter Umständen "Gewinner des Spieltags" nennen. Schalke verpasste die Auszeichnung durch ein 2:2 im Revierderby gegen Borussia Dortmund. Auf den letzten Drücker des Spieltags kürte sich Leverkusen zum Gewinner – Sieg gegen den 1. FC Köln, Sprung auf Platz vier. Übrigens ging der 29. Spieltag mit nur einem Heimsieg zu Ende. Nur der FC Ingolstadt durfte zu Hause so richtig jubeln.

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