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Borussia Mönchengladbach
Das Schubert-Jahr in acht Facetten

Das ist André Schubert
Das ist André Schubert FOTO: dpa, fg fdt
Mönchengladbach. Seit einem Jahr ist André Schubert nun Trainer in Gladbach. Mit ihm steht Borussia glänzend da, zum Sympathieträger der Massen taugt er vom Naturell her aber nicht. Von Stefan Klüttermann

Am 21. September 2015 ging es für Borussia Mönchengladbach vor allem darum, die große Verzweiflung abzuwenden. Trainer Lucien Favre war nach einem Bundesligastart mit fünf Niederlagen in Folge gegen den Willen des Vereins zurückgetreten, Borussia war Letzter und präsentierte U 23-Trainer André Schubert als Interimslösung. Genau zwölf Monate später ist Schubert immer noch da, spielt mit Borussia attraktiven und erfolgreichen Fußball, erneut in der Champions League und heute um 20 Uhr bei RB Leipzig. Er ist unumstritten, aber nicht uneingeschränkt beliebt. Das Schubert-Jahr in acht Facetten.

Spielweise
Borussias Spielidee ist unter Schubert deutlich offensiver ausgerichtet als noch unter Vorgänger Lucien Favre. Gladbach schießt viele Tore, ist in fast allen Partien die tonangebende Mannschaft, und vor allem die Heimspiele sind ein Spektakel - die letzten zehn wurden allesamt gewonnen.

Chance
Es klang demütig, als Schubert bei seinem Amtsantritt sagte: "Ich bin nicht zur Borussia gekommen, um auf irgendwas zu spekulieren, ich sehe das nicht als Chance, ich sehe es als große Herausforderung." Aber natürlich wusste jeder, dass es für den 45-Jährigen die ganz große Chance seiner Trainerlaufbahn war. Er, der Wochen zuvor für den Job bei Borussias U23 in der vierten Liga zugesagt und in Paderborn und St. Pauli nur Zweitligisten trainiert hatte, war nun aus heiterem Himmel Erstliga- und Champions-League-Trainer. Es war eine wahrlich unverhoffte Chance, und diese Chance, die er nie als solche gesehen hatte, nutzte er.

Hoodie
Irgendwann Ende 2015 war er ausverkauft in Borussias Fanshop, der giftgrüne Kapuzenpulli ("Hoodie"), den Schubert zu Bundesligaspielen anzuziehen pflegte. Über sein Oberteil also, und weniger über sich als Person, war Schubert auf dem Weg zum Kultstatus. Inzwischen hat sich der Mode-Hype gelegt. In der Königsklasse trägt er ja auch seit Beginn zuverlässig Sakko.

Umgang
Die interne und externe Kommunikation riefen zu Beginn die größten Zweifel an Schuberts Fähigkeiten hervor. Auch heute noch ist er im Umgang zuweilen eckig oder schnippisch. Aber in immer mehr Situationen scheint inzwischen auch die Erkenntnis durch, dass es ihm als erstem Öffentlichkeitsarbeiter des Vereins wie auch als Manager eines Zirkels von Spielern, Co-Trainern und Funktionsteam gut zu Gesicht steht, dem jeweiligen Gegenüber nicht als Oberlehrer zu begegnen und zur Not auch mal Kreide zu fressen.

Beliebtheit
Schubert ist vom Typ her nicht der massentaugliche Entertainer, der gewinnende Smalltalker. Es sind der Erfolg und die ansehnliche Spielweise seines Teams, die positiv auf ihn zurückfallen. In Verein und Umfeld wird er dann auch eher ob seiner Arbeit als wegen seiner Art respektiert.

Erbe
Als es im Winter 2015/2016 für Schuberts Borussia Gegentore und Niederlagen hagelte, machte die Kritik die Runde, er verspiele das über viereinhalb Jahre aufgebaute Lucien-Favre-Erbe defensiver Stabilität. Die Defensive ist auch aktuell mal wieder ein Kritikpunkt, ähnlich der chronischen Auswärtsschwäche, aber mit seinem mutigen Vorwärtsfußball hat sich Schubert in den Augen vieler positiv von Favre emanzipiert. Genau deswegen ist er seit November auch schon kein Interimstrainer mehr.

Rotation
In verschiedenen Phasen seiner Amtszeit war mancher Spieler bei Schubert gesetzt, dann wieder hinten dran. Doch dass er einen seiner Akteure derart verprellte, dass der zum Stinkstiefel mutierte, kam nicht vor. Schubert rotiert immer wieder und auch durchaus mal entgegen der Erwartung. Das nimmt alle im Kader mit und hält die Laune auf breiter Front oben.

Team
Manchmal dürfte sich Schubert bestimmt kneifen, dass er tatsächlich einen Kader mit einer derartigen Qualität in der Breite zur Verfügung hat. Es ist wohl der beste Kader, den Borussia je hatte, und Schubert hat das Glück, zu dieser Zeit am richtigen Ort zu sein. Doch der Kader weckt eben auch Erwartungen, und die verlangen aller Gladbacher Tiefstapelei zum Trotz eben inzwischen regelmäßig eine Teilnahme am Europapokal.

Quelle: RP
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