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Borussia Mönchengladbach
Eine Lektion für Dardai und die Hertha

5:0 gegen Hertha BSC: Pressestimmen: "Hahahe putzt Hahohe"
5:0 gegen Hertha BSC: Pressestimmen: "Hahahe putzt Hahohe" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach hat Demut in den vergangenen Jahren zum Teil der Vereinsphilosophie gemacht. Das Understatement kann manchmal belächelt werden. Das 5:0 gegen Hertha BSC zeigt allerdings, wie es als Selbstschutz funktioniert. Von Karsten Kellermann

Pal Dardai hat sich geärgert. Über das 0:5 seiner Hertha im Borussia-Park sowieso. Aber auch über sich selbst. Denn er war vor dem Spiel mit großen Worten unterwegs gewesen. Borussia habe neuralgische Punkte, und seine Hertha werde die ausnutzen, sagte der Ungar, der sonst gar nicht für große Worte bekannt ist.

Nun war es aber genau andersherum: Borussia lief die Berliner weit vorn an, und Offensivpressing mögen die Berliner überhaupt nicht. Vor allem können sie nicht damit umgehen. Das belegen die Spiele gegen Gladbach: 1:4 und 0:5, die Niederlagen sind schon derbe ausgefallen. Und angesichts der großen Worte, die vor dem 0:5 aus Berlin kamen, mag der Sieg den Gladbachern noch süßer schmecken als so schon. Herthas Mütchen wurde jedenfalls ordentlich gekühlt.

Dardai hätte es zwar wissen können, denn nicht umsonst ist der Trainer, von dem er nach eigenen Angaben am meisten mitgenommen hat, Lucien Favre, einer der Sorte, die den Gegner fast schon bis zur Demut stark reden, mindestens diesen aber niemals mit großen Worten provozieren würden.

Nun sind psychologische Aspekte im Fußball natürlich kaum zu berechnen. Letztlich gibt immer nur das Ergebnis Auskunft darüber, ob sie gewirkt haben. In diesem Fall, so lesen wir aus dem 5:0, haben Dardais Worte das Team eher gehemmt als angespornt und wenn sie ein Ansporn waren, dann wohl nur für die Gladbacher.

Das 5:0 gegen Hertha im Notencheck FOTO: Dieter Wiechmann

Deren Trainer André Schubert gehört zu denen, die rhetorisch sehr wirksam unterwegs sind – und ganz sicher hat er die Seinen sicher darauf hingewiesen, was Hertha angekündigt hat. Mehr musste er vielleicht gar nicht sagen. Die Wirkung kommt in solchen Fällen von selbst.

Hertha ist Neuankömmling im Reigen der Großen da oben, und von daher sind derartige Fehler durchaus verzeihbar. Mit großen Worten darf nur hausieren gehen, wer große Taten folgen lässt, und wer k(l)eine Taten folgen lässt, dem fliegen die großen Worte hernach ins Gesicht wie eine Ohrfeige.

Die Borussen sind da schon weiter. Sie würden sich nie zu weit aus dem Fenster lehnen, im Gegenteil, Sportdirektor Max Eberl weiß, dass Kritiker ihm vorwerfen, zuweilen zu defensiv zu sein. Doch er bleibt sich treu, das zeige sich auch vor dem Spiel gegen Berlin, als Pal Dardai verbal in die Offensive ging: Eberl verwies im Interview mit unserer Redaktion nochmal darauf, dass er stets darauf achten werde, dass keine Luftschlösser gebaut werden, ganz egal wie rosig die Gegenwart ausschaut.

Tony Jantschke hat es verinnerlicht

Natürlich ist Zurückhaltung immer auch eine Art Selbstschutz. Denn wer zu viel verspricht, setzt sich unter Druck, es halten zu müssen. Ziele setzen, die vergleichsweise leicht erreichbar sind, sie erreichen und dann weiterschauen, von Spiel zu Spiel schauen, wie es Tony Jantschke, der Rückkehrer, noch mal betonte: 90 Minuten sind besser zu überschauen und zu kontrollieren als 3060, eine ganze Saison also.

Jantschke gehört zur Gladbacher Generation Favre, er hat das verinnerlicht. Zu große Erwartungen können zu großen Enttäuschungen führen. Und so lange die Angst vor der eigenen Courage nicht zur Manie wird, passt das. Understatement hat noch keinem geschadet, so lange man nicht damit kokettiert.

Natürlich nimmt den Borussen keiner ab, dass sie mit Platz acht wirklich glücklich wären. Doch haben sie mit dem Saisonziel "Einstelligkeit" eine Art Sicherheitsnetz eingebaut. Es kann passieren, und wenn es passiert, ist es kein Untergang. Doch in der Politik der kleinen Schritte gab es nun das nächste Vorwärtskommen: Gehen wir davon aus, dass der Pokalsieger einer aus dem Reigen der Europapokal-Teilnehmer sein wird (Bayern, Dortmund, Hertha? Sorry, Werder!), womit Platz sieben europäisch wäre. Den hat Borussia nahezu sicher, da Wolfsburg sieben Punkte plus einige Tore aufholen müsste.

Somit ist ab sofort "Sieben plus" das Ziel. "Wir wollen das Beste daraus machen", sagte Eberl vor dem Hertha-Spiel. Das Bestmögliche ist Platz drei. Den hat noch Hertha inne. Deren Trainer Pal Dardai hat nun aber einen Vorteil: Er weiß, dass große Worte nicht helfen. Nur Taten. Borussia war so frei, ihm diese Lektion zu erteilen. Auch in eigener Sache.  

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