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Borussia Mönchengladbach
Herrmann wie Reus und andere Parallelen

Einzelkritik: Herrmann verdient sich die Bestnote
Einzelkritik: Herrmann verdient sich die Bestnote FOTO: dpa, mjh hak
Mönchengladbach. Nach dem Aus im DFB-Pokal steuern Borussia und Leverkusen auf ein gefühltes Endspiel um Platz drei zu. Bei den Gladbachern erinnert vieles an die Saison 2011/2012, als sie Vierter wurden. Sie wollen dieses Ergebnis nun toppen. Von Karsten Kellermann und Thomas Grulke

Der Traum vom Pokalfinale ist vorbei. Für Borussia und auch für Bayer Leverkusen. Beide scheiterten im Viertelfinale im Elfmeterschießen. Die Gladbacher am Drittligisten Bielefeld, Leverkusen an den Bayern. Doch beide rheinischen Klubs sind dabei, sich zum Ende der Saison doch noch ein Endspiel zu bescheren. Das wäre nicht am 30. Mai in Berlin, wo es dann um die Vergabe des DFB-Pokals geht, sondern drei Wochen früher, am 9. Mai.

Schauplatz dieses gefühlten Finales wird der Borussia-Park sein. Und, so die Konstellation so oder ähnlich bleibt, wie aktuell - Borussia ist Dritter mit 53 Punkten, Bayer Vierter mit 51 Zählern - wird sich an jenem Tag vielleicht vorentscheiden, wer den direkten Einzug in die Champions League bucht. Dass beide den vierten Platz und damit die Play-offs zur Meisterliga nahezu sicher haben, lässt der jeweilige Abstand auf den Fünften Schalke vermuten: Zwölf Punkte sind es bei Borussia, zehn bei Bayer.

Derzeit sind beide im Gleichschritt unterwegs: Gladbach gestaltete die letzten vier Bundesligaspiele siegreich und ist seit dem 0:1 bei Schalke 04 am 6. Februar unbesiegt, Bayer hat sechsmal in Folge gewonnen und zuletzt am 14. Februar (4:5 gegen Wolfsburg) verloren. Beide Rivalen werden von nun an versuchen, sich bis zum Showdown am drittletzten Spieltag keine Blöße zu geben. Borussia ist indes im Vorteil. Sollte sie bis zum Saisonende immer so spielen wie Bayer (vorausgesetzt beide verlieren nicht jedes Spiel), bleibt sie Dritter und würde dann sogar die tolle Saison 2011/2012 übertrumpfen, als sich Gladbach erstmals in der Vereinsgeschichte für die Qualifikationsspiele zum europäischen Oberhaus qualifizierte. Zu der gibt es viele Parallelen - im Großen und Ganzen, aber auch im Detail.

Für ein Detail der besonderen Art sorgte Patrick Herrmann. Denn sein Sololauf am Samstag gegen Dortmund erinnerte arg an den von Marco Reus am 19. November 2011 gegen Werder Bremen. Auch Reus ließ damals die Abwehr des Gegners gesammelt stehen und ließ sich auf dem Weg zum 2:0 nicht aufhalten - nur, dass er selbst vorstreckte. Herrmann legte zum guten Schluss auf Raffael quer. Herrmann indes wandelt derzeit nicht nur wegen dieser Aktion auf Reus' Spuren. Wie der Jetzt-Dortmunder damals ist er Borussias bester Torschütze, wie Reus steht er für ein wesentliches Merkmal des Gladbacher Spiels: Geschwindigkeit. Ein zweites Merkmal ist das hohe spielerische Niveau. Damals bejubelte die Fachwelt "Borussia Barcelona", heute hat der Vergleich kaum weniger Gewicht: Gladbach habe die bessere Borussia als Dortmund, da sind sich die Experten einig. In einem ähneln sich die Gladbach-Teams von 2012 und heute ebenfalls: Sie tun sich schwer gegen Gegner, die vor allem verteidigen und wenig mitspielen. Bei den Bayern, in Hoffenheim und nun gegen den BVB, allesamt Spielpartner im eigentlichen Sinn, lief es wie am Schnürchen, gegen Freiburg und Köln, die beide tief standen und kaum Räume ließen, sowie "auf" Schalke, wo es ebenfalls kein Durchkommen gab, tat sich Gladbach schwer. So war es auch im Reus-Jahr, unter anderem bei den torlosen Treffen mit Freiburg, Berlin und Augsburg im Borussia-Park.

Deswegen könnte es Borussia entgegenkommen, dass es zwar ein schweres Restprogramm ist, aber fast alle Gegner über das spielerische Moment kommen. Dass vier der sechs ausstehenden Klubs in der Vergangenheit durchaus Angstgegner waren - Leverkusen wurde daheim zuletzt 1989 besiegt, in Bremen gab es den letzten Dreier 1987, auch gegen Augsburg und in Berlin tut sich Borussia meist schwer - muss keine Angst machen. Denn Lucien Favre ist ein Trainer, der gern Serien bricht. Er siegte schon zweimal bei den Bayern, nun gab es den ersten Erfolg bei 1899 Hoffenheim.

Dass die Borussen drauf und dran sind, die beste Rückrunde der Ära Favre zu produzieren, kommt hinzu. 26 Punkte haben sie bislang im zweiten Saisonteil eingesammelt, 2011/2012 gab insgesamt 27. So viele sammelte Borussia auch in der aktuellen Hinrunde ein - nun wird sie, die Prognose ist nicht abenteuerlich - mehr holen. Es wäre das erste Mal, seit Favre Trainer ist, dass die Rückrunde ertragreicher ist als die Hinrunde. Wenn dann das Treffen mit Bayer zu einer endspiel-ähnlichen Angelegenheit wird, gilt es jedoch, ein Manko der jüngeren Vergangenheit zu verbessern: Zuletzt gab es lauter Niederlagen, wenn es darum ging, den nächsten großen Schritt zu tun. Vergangene Saison in Wolfsburg, als es am letzten Spieltag um Platz fünf ging. Und nun gegen Sevilla in der Europa League und in Bielefeld im Pokal. Mittelfeldchef Granit Xhaka ist indes guter Dinge, dass es dieses Mal anders laufen wird. "So, wie wir momentan drauf sind, bin ich überzeugt, dass wir bis Saisonende die nötigen Punkte für Platz drei holen werden", sagte er.

Quelle: RP
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