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Borussia Mönchengladbach
Etwas tun gegen die verpassten Chancen

Einzelkritik: Offensive überzeugt nicht
Einzelkritik: Offensive überzeugt nicht FOTO: dpa, pst nic
Meinung | Mönchengladbach. Es gab schon regelrechte Wunder in Borussias Vereinsgeschichte. Eines in Wolfsburg. Das war 1998, als Gladbach am letzten Spieltag dort 2:0 gewann und damit ausnutzte, dass die Konkurrenz um den Karlsruher SC im Abstiegskampf passende Ergebnisse lieferte. Auch dieses Mal gab es günstige Resultate, als die Borussen in Wolfsburg spielten. Von Karsten Kellermann

Mit einem Sieg hätten sie ihre Ausgangssituation deutlich verbessert. Doch Borussia ließ die Chance ungenutzt. Erneut.

Borussia hat eine wechselhafte, aber insgesamt ordentliche Saison gespielt. In der Liga spielt sie bis zuletzt um Europa, in den Pokalwettbewerben ist sie sehr weit gekommen. Aber als das Mehr drin war, der entscheidende Schritt, reichte es (bis jetzt) nicht. So wird es wohl eine Saison der verpassten Chancen. Das Spiel in Wolfsburg bebildert das: Bevor die "Wölfe" trafen, hätte Gladbach schon entscheidend führen müssen.

Nun ist die Europa-Wahrscheinlichkeit minimal, man kann sagen: ein Wunder muss her. Borussia sollte Darmstadt besiegen, Bremen dürfte beim BVB verlieren, ja. Aber dass Köln gegen die geretteten Mainzer verliert? Puh! Ein Fernduell am letzten Spieltag mit Köln gab es schon, 1978, da ging es um den Titel. Borussia siegte 12:0, doch fehlten drei Tore, weil Köln 5:0 beim FC St. Pauli gewann. Nun ist es vielleicht das "Tor des Jahres" des Kölners Marcel Risse, dass, hypothetisch, den Unterschied macht. Hätte er im Derby im Borussia-Park nicht in letzter Minute quasi von der Domplatte aus in den Gladbacher Winkel geschossen, hätte Köln zwei Punkte weniger (44) und Borussia einen mehr (45) - da bräuchte es kein Wunder für Europa, sondern nur seriöse Arbeit.

Tore, immer die Tore - 43 hat Borussia gemacht, das ist Platz zehn in der Liga, Mittelmaß. Borussia hat keinen Cheftorjäger wie Kölns Modeste oder Wolfsburgs Gomez, die Verantwortung ist auf mehrere Schultern verteilt. Der beste Torschütze ist Lars Stindl mit elf Treffern, es folgen Raffael (6) und Thorgan Hazard (5) - gefolgt vom Verteidiger Jannik Vestergaard (4). Raffael und Hazard haben 15 und zwölf Ligaspiele verpasst, wären sie öfter dabei gewesen, wären ihre Bilanzen wohl besser. So ist die Verletzungsmisere ein Grund für den Tormangel, aber nicht der einzige.

Die zweite Reihe traf zu wenig, um das Fehlen von Raffael und Hazard aufzufangen. André Hahn, Josip Drmic (ebenfalls meist verletzt), Fabian Johnson, Ibo Traoré, Patrick Herrmann und Jonas Hofmann, die alle als Offensivspieler firmieren, kommen zusammen nur auf acht Treffer. Konsequenz: Ein verlässlicher Torschütze muss her, um etwas zu tun gegen die verpassten Chancen: Mister T (T wie Tor).

Stindl, Raffael und Hazard werden weiter Plan A sein. Wenn sie fit sind, haben sie zweistellige Torbilanzen drauf. Vestergaard taugt als "Brechstange", doch das ist nur Plan C. Mister T wäre Plan B: Einer, dessen Heimat der Strafraum ist, der da ist, wenn Bälle in der Box ankommen, und sie dann verwertet, auch mal per Kopf, der aber auch die nicht unwahrscheinliche Joker-Rolle akzeptieren würde. Eine komplexe Job-Ausschreibung und damit eine interessante Such-Aufgabe für Manager Max Eberl und seine Scouts.

Quelle: RP
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