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Borussia Mönchengladbach
Lienen trifft im Pokal auf die alte Liebe

Das ist Ewald Lienen
Das ist Ewald Lienen FOTO: dpa
Hamburg. Bei Borussia Mönchengladbach hat Ewald Lienen seine beste Zeit als Fußballprofi erlebt. Als Trainer des Zweitligisten FC St. Pauli strebt er nun eine sportliche Überraschung an, die gerade im DFB-Pokal immer drin ist.

Wenn Ewald Lienen an die goldenen Zeiten bei seiner Borussia aus Mönchengladbach denkt, dann schnalzt er noch heute mit der Zunge. "Als ich von einem kleinen Verein wie Arminia Bielefeld aus der 2. Liga in die große Fußballwelt kam, war das für mich ein Kulturschock", erinnert sich der heute 61-Jährige. "Ich habe die Bundesliga kennengelernt, in den großen Stadien gespielt. Spiele im Europapokal gegen Real Madrid oder FC Liverpool waren herausragende Erlebnisse", berichtet der Coach des FC St. Pauli über seine tolle Zeit am Bökelberg, die 1979 mit dem Uefa-Cup-Triumph gekrönt wurde.

36 Jahre später treten am Montag (20.30 Uhr/Live-Ticker) die Erben des "Fohlen"-Starensembles zum Top-Spiel der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde beim Zweitligisten an. "Natürlich ist es im Pokal immer das Ziel, eine Runde weiterzukommen", stellt Lienen vor dem Aufeinandertreffen mit der alten Liebe allgemein klar. Doch rasch kehrt er zurück in den Erinnerungsmodus. Denn am Niederrhein hat er als Profi in den 1970er und 80er Jahren seine beste Zeit erlebt. 2003 war er für eine Saison als Trainer in Mönchengladbach tätig, dort hat er noch immer seinen Wohnsitz. Kontakt hält er unter anderem zum aktuellen Vorstand, zu Coach Lucien Favre und Sportchef Max Eberl, deren Arbeit er schätzt.

Und er spielt auch noch für die Hennes-Weisweiler-Elf mit einstigen Mitspielern, zu denen viele Freundschaften bestehen. Etwa zu den Ex-Nationalspielern Rainer Bonhof oder auch zu Jupp Heynckes, mit dem er von 1995 bis 1997 bei CD Teneriffa ein Trainergespann bildete.

Jetzt aber ist Lienen verantwortlich für die sportlichen Belange des FC St. Pauli. Und da war es in erster Linie dem Trainer-Routinier zu verdanken, dass der Kiez-Club in der vergangenen Spielzeit überhaupt die Zweitklassigkeit erhalten konnte. Als dritter Coach der Saison übernahm er den damaligen Tabellenletzten am 16. Dezember 2014 und führte ihn mit stoischer Ruhe noch auf den rettenden 15. Platz.

Allen Unkenrufen seiner Kritiker zum Trotz hielt er an vermeintlich antiquierten Methoden fest. Wie immer machte sich "Zettel-Ewald" am Spielfeldrand seine Notizen. Viel wichtiger aber: Er stabilisierte die anfällige Defensive. Folge: Als sechstbestes Rückrunden-Team sprang der FC auf Rang 15. "Kompliment, was Ewald bei St. Pauli bewirkt hat. Ich freue mich für ihn, eine solche Rettung ist immer gut für den gesamten Verein", lobte Gladbachs Erfolgscoach Favre.
"Die Mannschaft ist sehr stabil, das ist auch sein Verdienst."

St. Pauli und "EL" – das scheint zu passen für den Linksaußen, der er nicht nur auf dem Fußballfeld war. Lienen war schon immer politisch und sozial engagiert, kandidierte 1985 auf der Friedensliste für den NRW-Landtag, kümmerte sich um geistig behinderte Kinder und gründete 1987 die Spielergewerkschaft VdV mit. In Hamburg gibt er sich bisher freundlich, tritt aber wie schon immer für seine Überzeugungen ein.

Als er kürzlich nach dem Saisonziel befragt wurde, belehrte er einen jungen Reporter. "Sie waren wohl lange nicht hier?" Erklärte ihm dann aber doch geduldig seine schon oft geäußerte Meinung. "Abenteuerlich" sei es, einen Tabellenplatz als Ziel auszugeben. "Wenn man etwas erreichen will, dann nicht, indem man drüber spricht, sondern nur auf dem Platz." Im DFB-Pokal ist das Ziel klarer: Da will man eine Runde weiterkommen - selbst wenn es gegen die alte Liebe geht.

(dpa)
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