| 07.22 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Fabian Johnson taugt zum Vorbild

Das ist Fabian Johnson
Das ist Fabian Johnson FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Fabian Johnson ist ein zuverlässiger Strukturspieler. Nun macht er auch noch Tore. Er kriegt die Balance zwischen Offensive und Defensive hin. Von Karsten Kellermann

Fabian Johnson nahm es wie immer gelassen. Natürlich schrie er auf dem Augsburger Rasen seine Freude hinaus, später jedoch, als er in der Mixedzone über seinen sechsten Saisontreffer, der Borussia ein 2:2 einbrachte, parlierte, war sie wieder entschwunden, die große Emotion. Johnson schaltet in solchen Situationen stets in den "Wir-Modus". Er selbst ist dann nie der Hauptdarsteller, sondern immer das Team. Wenn er sich über Tore freut, dann, weil er damit der Mannschaft helfen kann. Und das ist auch der hauptsächliche Anlass für ihn, Fußball zu spielen: der Mannschaft zu helfen.

Nun, man darf sagen, dass Johnson seinem eigenen Anspruch gerecht wird. Und man darf feststellen, dass Lucien Favre recht behalten hat. Denn der Ex-Trainer hatte Johnson immer nur vorn links einsortiert und nicht hinten rechts, auf der Position also, auf der Johnson eine so tolle WM für das US-Team spielte. Johnson ist sehr, sehr flexibel, er kann alles auf beiden Außenbahnen spielen, aber auch im Zentrum vorn wie hinten: Mittelstürmer oder Sechser, beides war er schon bei Favre-Nachfolger André Schubert. "Ich kann eigentlich alles spielen, außer Torwart", sagte er mal. Das tat er tatsächlich noch nie, und war noch kein Innenverteidiger. Sonst spielte Johnson überall.

Doch der Job auf links, den er nun regelmäßig in Gladbach macht, ist der 28-Jährige (wenn er nicht, wie in Hamburg kurzfristig hinten rechts aushelfen muss), besonders gut. Er sei aktuell in seiner besten Verfassung gab Johnson jüngst bekannt. Der Grund dafür, dass er, der so extrem Flexible, nun wohl angekommen ist: "Es ist eben leichter, wenn man eine feste Position hat wie ich jetzt im linken Mittelfeld."

Dort hat er seinen Torinstinkt entdeckt. Sechs Treffer in der Bundesliga plus zwei in der Champions League - so gut hat Johnson zuvor nie getroffen. Vor allem kann er die eher wichtigen Tore: Vor allem das 1:0 im Hinspiel gegen Augsburg löste all das aus, was folgte: der Aufschwung vom 18. Platz zurück in die Europa-Ränge. Gegen Juventus Turin, in Hamburg und in Hoffenheim schoss er ebenfalls die ersten Tore. Im Spiel bei seinem Ex-Klub 1899 (3:3) erzielte er zudem, wie jetzt in Augsburg, den wichtigen Ausgleichstreffer. Das war sein erster Doppelpack. Und schließlich machte er mit dem Tor zum 3:0 für die endgültige Vorentscheidung beim 3:1 gegen die Bayern.

Nicht nur wegen seiner Tore, vielleicht aber auch gerade wegen seiner Tore ist Johnson derzeit ein Spieler, der für alle Borussen zum Vorbild taugt. Ein "Strukturspieler" war Johnson schon lange, darauf hatte Sportdirektor Max Eberl immer wieder verwiesen. Johnson ist einer aus der Kategorie unspektakulär - aber spektakulär unspektakulär. Er macht seine Arbeit meist sehr seriös, ist ein guter Zweikämpfer (51 Prozent im Saisonschnitt), ein guter Läufer (11,6 Kilometer) und einer, der den Ball an den Mann bringt (77,7 Prozent Passquote).

Dass er nun auch noch verlässlich trifft (zusammen mit Lars Stindl ist Johnson der zweitbeste Torschütze des Teams), ist der nächste Schritt. Viele Chancen braucht er dazu nicht. In Hamburg hatte er einen Torschuss, den nutzte er. In Augsburg brauchte er zwei Versuche. Das findet Beachtung. "Schöner Abschluss", twitterte US-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann, der nicht immer von Johnsons Einstellung überzeugt war in jüngster Vergangenheit, am Sonntag aus dem fernen Kalifornien und hängte dem Tweet das passende Tor-Video an. Zuletzt wählte man Johnson in den USA zum zweibeliebtesten Fußballer.

Dass sein Tor den Mönchengladbachern "nur" einen Punkt einbrachte, lag an der Instabilität der Borussen in der Defensive. Denn zwei Auswärtstreffer sind eine gute Quote (die aber schon in Hamburg nicht reichte). Zu arglos wurde verteidigt: 24 Torschüsse durfte Augsburg abgeben. Dass nur zwei den Weg ins Ziel fanden, war auch Glückssache, denn zweimal klatschte der Ball an den Pfosten. Vorn gut, hinten nicht - das gab es schon zu oft in der laufenden Spielzeit. Johnson indes verkörpert das, was sein Trainer André Schubert eigentlich anstrebt, aber bislang noch nicht hinbekommen hat: "Ausgewogenheit" zwischen Defensive und Offensive. Johnson kriegt diese Balance für seine Position hin ohne große Action, aber auf hohem fußballerischem Niveau. Er ist stabil vorwärts wie rückwärts. Darum taugt er derzeit zum Vorbild für alle Borussen.

Quelle: RP
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