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Borussia Mönchengladbach
Gladbach fehlt es an Substanz

Borussia Mönchengladbach fehlt es an Substanz
Max Eberl weiß, dass Borussia Mönchengladbach alle drei Tage eine Leistung wie in Glasgow braucht. FOTO: dpa, mb nic
München. Borussia Mönchengladbach musste beim FC Bayern erfahren, dass Celtic Glasgow in der Bundesliga wohl nicht viel mehr als ein FC Augsburg wäre. Es bedarf daher fast jeder Woche einer Leistung wie in der Champions League.  Von Jannik Sorgatz

Borussia Mönchengladbach und der FC Bayern standen nach dem vergangenen Champions-League-Spieltag vor einem Rätsel. In Gladbach lautete die Frage, wie das Niveau des schottischen Meisters im Vergleich zum deutschen Meister einzuordnen ist. In München wollten sie herausfinden, wie sich der Meister der niederländischen Eredivisie zum Vorjahresvierten der Bundesliga verhält. Beide Klubs haben am Samstagabend in der Allianz-Arena eine doch sehr klare Antwort gefunden. Allerdings fiel sie für die Bayern weitaus erfreulicher aus. Denn Borussia musste bei der hochverdienten 0:2-Niederlage einsehen, dass Celtic Glasgow in der Bundesliga wohl nur ein FC Augsburg mit einem legendären Stadion und einer ruhmreichen Vergangenheit wäre (was den 2:0-Erfolg in Glasgow allerdings nicht abwerten soll).

Sportdirektor Max Eberl betonte, wie dankbar er sei, dass sein Verein Spiele wie dieses am Mittwoch bestreiten dürfe. In der jüngeren Mönchengladbacher Fußball-Geschichte sind sie eben noch nicht normal, sondern eher monumental. "Aber wir sind noch nicht in der Lage, dieses Niveau drei Tage nach dem Sieg gegen Celtic wieder zu bringen", sagte Eberl. "Da ist Bayern deutlich erfahrener. Wir sind dabei, es zu lernen."

Einen kleinen, spielinternen Lerneffekt hatte er bereits in München gesehen. Nach einer durch und durch misslungenen ersten Hälfte rappelte Borussia sich auf, stand hinten dank einer Umstellung auf eine Fünferkette gegen freilich auch manchmal nur noch verwaltende Bayern stabiler und nahm nachweislich am Spiel teil. Zuvor hatte sie einen einzigen Angriff gefahren, der typische Eigenschaften mitbrachte: drei gelungene Pässe, Raumgewinn und sogar einen Torschuss durch Fabian Johnson.

"In der zweiten Halbzeit haben wir uns gewehrt. Andere Mannschaften sind hier schon abgeschlachtet worden", sagte Eberl und verriet damit gleichzeitig, wie unterlegen Gladbach den Bayern lange Zeit gewesen war. "Alle elf haben es nur mit 90 und nicht mit 100 Prozent gemacht. So hast du gegen den FC Bayern keine Chance", meinte Mittelfeldmann Christoph Kramer. Nach der Pause war vor allem Debakel-Verhinderung angesagt. André Hahn traf mit einem Volleyschuss den Pfosten und hätte es in der Schlussphase beinahe unverhofft spannend gemacht - so ähnlich, wie das Eindhoven in der Champions League durch den Anschlusstreffer gelungen war. In dieser Begegnung brauchten die Münchner ein wenig Glück, ehe sie in die Spur zurückfanden. Gegen Mönchengladbach gerieten sie nicht in Gefahr.

Politiker, Konzernchefs und Trainer müssen sich in der Regel nach 100 Tagen einer ersten Bewertung ihrer Schaffenszeit stellen. Bei Fußballspielzeiten haben sich zehn Spieltage einer Saison als Richtwert etabliert. Noch fehlen zwar zwei, aber mit elf Punkten aus acht Spielen ist Borussia ganz sicher auf einem verbesserungswürdigen Kurs. Dagegen sagt der Tabellenplatz momentan noch ein wenig mehr über die Konkurrenz im Kampf um einen Platz im internationalen Geschäft aus. In Hertha BSC, RB Leipzig, dem 1. FC Köln, der TSG Hoffenheim, Eintracht Frankfurt und dem SC Freiburg liegen gleich sechs Mannschaften vor Gladbach, die eines verbindet: Sie spielen nicht international. "Sie kommen aus der Underdog-Rolle und bereiten sich von Wochenende zu Wochenende auf die Spiele vor", sagte Eberl.

Borussia hatte nach Glasgow und vor München nur eine vernünftige Trainingseinheit. "Die Qualität in der Bundesliga ist unglaublich hoch. Auf das Niveau von Celtic treffen wir fast jedes Wochenende." Trotzdem müsse sich erst herausstellen, wer wie lange da oben bleiben könne.

Quelle: RP
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