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Borussia Mönchengladbach
Franzosen mit wenig Fortune bei Borussia

Borussia Mönchengladbach: Franzosen mit wenig Fortune
Timothée "Kolo" Kolodziejczak (links) ist noch nicht richtig bei Borussia angekommen, FOTO: Dirk Päffgen, Dieter Wiechmann (Archiv)
Mönchengladbach. Von Fournier über Jaures und Doucouré bis "Kolo" – die französische Geschichte ist noch keine erfolgreiche. Von Karsten Kellermann

Dass es mit Borussia und den Dänen gut passt, ist sogar bis zu Hollywoodstar Viggo Mortensen vorgedrungen. Weswegen der Schauspieler mit dänischen Wurzeln Gladbach als seinen Lieblingsklub in der Bundesliga definiert. "Ich mag Borussia, weil Ende der 70er zwei Spieler aus Dänemark, die ich sehr gerne mag, dort gespielt haben. Allan Simonsen war Europas Fußballer des Jahres, und Borussia hatte ein sehr gutes Team, hat einige Meisterschaften gewonnen", sagte Mortensen Ende Februar am Rande der Oscar-Verleihung in Los Angeles.

Nach dem Abgang von Andreas Christensen ist aktuell nur noch ein Däne da: Jannik Vestergaard, Gladbachs 17. dänischer "Gastarbeiter". Die meisten Auslands-Borussen kommen derzeit aus der Schweiz. Fünf sind es nach dem Einkauf von Denis Zakaria, wobei Djibril Sow noch verliehen werden könnte an die Young Boys Bern. Insgesamt ist Zakaria der achte Eidgenosse, dazu kommt Ex-Trainer Lucien Favre.

Zakaria ist Genfer, also aus der französischen Schweiz. Sprachlich bestätigt er damit einen neuen Trend in Gladbach: Borussia wird zunehmend frankophil. Drei Franzosen gibt es derzeit im Kader. Mamadou Doucouré kam 2016 von Paris Saint Germain. Im Januar wurde Timothée Kolodziejczak dem FC Sevilla abgekauft, er ist wie Doucouré ein Abwehrmann. Mickaël Cuisance, der 17-Jährige, der nun von der AS Nancy geholt wurde, ist ein Mittelfeldspieler.

Borussia bestätigt damit die allgemeine Tendenz. Französische Spieler sind begehrt. Die Bayern haben 41,5 Millionen Euro für Corentin Tolisso (22) gezahlt, der Shootingstar der vergangenen Saison beim BVB war Ousmane Dembelé, der nun im Fokus des FC Barcelona ist. Kylian Mbappé aus Monaco ist allseits gefragt. "Die neue Generation ist fantastisch", sagt Frankreichs Nummer eins, Hugo Lloris. "Aber wir müssen ihnen Zeit geben, zu reifen."

Sätze, die auch auf Borussias französische Delegation zutreffen. Doucouré wird nachgesagt, ein großartiger Defensivspieler zu sein, "Kolo" wurde von Manager Max Eberl als ein Mann mit Führungsspieler-Potenzial angekündigt. Aber Geduld ist gefragt. Doucouré hat noch nicht gespielt, er war durchweg verletzt. Und "Kolo" ist noch nicht angekommen. Nur wenige Minuten machte er in der Liga mit, zudem 90 Minuten im Europa-League-Spiel auf Schalke - mit mehr Tiefen als Höhen.

Cuisance war bisher nur zum Leistungstest in Gladbach. Immerhin gibt es Videos bei Instagram, die ihn bei einer Fotosession im Gladbach-Trikot zeigen. Ballfertig ist der Teenager, das ist da zu sehen. Cuisance wird in der kommenden Saison jedoch eher ein Lehrling sein. Von "Kolo" erwarten die Borussen, dass er sich akklimatisiert hat und nun angreift. Doucouré fühlt sich bereit für den Neustart: "Ich werde beim Trainingsauftakt dabei sein. Meine Muskeln sind voll belastbar, ich habe endlich kein Problem mehr." Doucouré und "Kolo" wollen zeigen, dass auch Gladbach und Franzosen zusammenpassen.

Denn bisher war das nicht so. Vor Doucouré und "Kolo" versuchten sich Hubert Fournier (1996 bis 12/1997) und Jean-Sébastien Jaures (2008 bis 2011) mehr oder weniger erfolglos als Borussen. Innenverteidiger Fournier kam mit recht großen Erwartungen an den Niederrhein und spielte auch 42-mal für Gladbach, doch so wirklich zufriedenstellend war die Verbindung nicht. Linksverteidiger Jaures war ein Pechvogel: Nur 20 Spiele machte er in drei Jahren, ansonsten hatte er Knieprobleme. Am Ende musste er deswegen sogar seine Karriere beenden.

Einer, der zeigt, dass Frankreich und Gladbach eine Chance haben, ist indes Ibrahima Traoré. Er ist Guineer, hat jedoch auch einen französischen Pass, ist aufgewachsen in Paris und liebt französischen Rap und Literatur aus Frankreich. Auch Traoré hat zwar etwas gebraucht um anzukommen als er aus Stuttgart kam, und die vergangene Saison war nicht die seine wegen langer Verletzungspausen. Doch "er hat sich zu einer Persönlichkeit entwickelt, die uns gut tut, und mit seiner Schnelligkeit und seiner Stärke im Dribbling bringt er Qualitäten mit, die den Unterschied machen können", sagte Eberl bei der Vertragsverlängerung. Es ist das erste Mal, dass Traoré seinen Kontrakt bei einem Klub ausgeweitet hat. Er fühlt sich wohl in Gladbach. Und er kümmert sich um die Franzosen im Team als "Integrationsbeauftragter", so hat es Eberl genannt. Wenn diese künftig zumindest ein bisschen dänisch sind im Gladbacher Sinn, könnte die Borussia-und-die-Franzosen-Geschichte eine neue Richtung bekommen.

Quelle: RP
 
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