| 20.00 Uhr

Unterwegs mit Borussia
Große Hitze, eine Platzwunde und ein 1:0-Sieg dank Wendt

Fotos: Mönchengladbach - Stade Rennes 1:0
Fotos: Mönchengladbach - Stade Rennes 1:0 FOTO: Dirk Päffgen
Rosenheim. Für die Stadionsammler unter den Borussen-Fans war der Samstag ein lohnender Tag. Borussia spielte gegen Stade Rennes, den französischen Erstligisten. Für den zweiten Test während des Trainingslagers am Tegernsee reisten die Borussen von Rottach-Egern ins knapp 60 Kilometer entfernte Rosenheim. Von Karsten Kellermann

Das Treffen mit den Franzosen, im Vorjahr Zwölfter in der heimischen Liga, fand im Jahnstadion statt, in dem sonst der TSV1860 Rosenheim spielt. Ein Kleinod für die Sammler-Statistik war das.

Außerdem brachte der Kurzausflug einen 1:0-Sieg durch ein Tor von Oscar Wendt. Die niederrheinische Reisegruppe war zu Gast in der Arena, in der von 1992 bis 1998 auch Weltmeister Bastian Schweinsteiger aktiv war. Dessen Heimatort Kolbermoor ist nur sieben Kilometer entfernt von Rosenheim. 

Weit über 30 Grad waren es. "Bei der Hitze zu spielen, ist natürlich anstrengend. Aber bei Pflichtspielen kann es gerade zu Beginn der Saison auch sehr heiß werden. Da müssen wir jetzt durch", sagte Julian Korb vor der Partie. Trainer Lucien Favre hatte vorab festgelegt, dieses Mal nicht zur Pause das gesamte Team zu wechseln, sondern das Gros der Kicker durchspielen zu lassen. "Um in den Spielrhythmus zu kommen, ist es wichtig, dass jeder jetzt gegen einen Gegner 90 Minuten auf hohem Niveau spielt", sagte Tony Jantschke.

Für den Verteidiger war der Arbeitstag deutlich kürzer als 90 Minuten. Nach 60 Sekunden rasselte Tony Jantschke beim Kampf um den Ball mit Paul Georges Ntep zusammen. Jantschke blieb liegen und musste mit einen Platzwunde an der Stirn vom Platz. Wieder eine Kopfverletzung bei einem Borussen: Beim Vergleich mit dem deutschen Zweitligisten 1860 München am Mittwoch hatte es Roel Brouwers erwischt, der sich eine Schädelprellung zuzog.

Trainingslager am Tegernsee, Tag 6 FOTO: Dirk Päffgen

Der junge Marvin Schulz rückte nun von der Doppelsechs zurück neben Alvaro Dominguez in die Innenverteidigung. "Marvin hat es sehr gut gemacht", lobte Favre später. Havard Nordtveit kam und bildete nun mit Thorben Marx das Duo vor der Abwehr. Routinier Marx war es dann auch, der die erste große Chance der Gladbacher vorbereitete: Er eroberte im Mittelfeld den Ball, probte sich im schnellen Umschalten, indem er Neuling Thorgan Hazard steil schickte. Hazard bot sich somit die Gelegenheit, sein erstes Tor als Borusse zu erzielen. Die beiden anderen Neuen waren schon zuvor erfolgreich gewesen: André Hahn beim 2:1 in Wiesbaden, Ibrahima Traoré beim 3:2 gegen 1860 München. Hazard indes schob den Ball am Tor vorbei. Gleichwohl tat er, was sein Trainer Lucien Favre gern sieht: Er fand eine Lücke und zugleich die Tiefe – ein guter Ansatz also.

Vor diese Aktion in der 53. Minute gab es kaum Szenen vor beiden Toren. Die Borussen standen hinten sicher und ließen kaum etwas zu, nach vorn jedoch fehlten die zündenden Ideen. "Halbzeit in Rosenheim. Wenig Höhepunkte bislang, folgerichtig noch torlos zwischen Borussia und Stade Rennes", ließ Borussia nach den ersten 45 Minuten via Facebook wissen. Die gut 700 Fans im Stadion dürften das als perfekte Zusammenfassung definieren. In der 60. Minute gab es dann Applaus. Tony Jantschke kehrte zurück – mit einem grellweißen Pflaster über der rechten Augenbraue, die Platzwunde war mit sechs Stichen genäht worden.

Fotos: Borussen gewinnen Testspiel gegen 1860 München 3:2 FOTO: Dieter Wiechmann

"Wir sind beide zum Kopfball gegangen, ich war eher am Ball, dann hat er den Arm ausgefahren, das ist eine Unart, die ja auch im WM-Finale zu beobachten war. Das ärgert mich. Vielleicht  muss ich das künftig auch machen", sagte Jantschke. Er wird erst mal mit dem Training aussetzen, auch, um sein Knie zu schonen. Da ist eine Sehne gereizt. "Die Pause wird mir gut tun", sagte Jantschke. Als er wieder zum Platz kam, brandeten "Tony Jantschke"-Rufe auf, der Verteidiger lächelte und winkte hinüber zur Tribüne, die vor allem Schwarz-Weiß-Grün war.

Auch Rennes hatte Fans mitgebracht: Sechs an der Zahl. Die jedoch hatten Spaß und waren sehr aktiv, zudem hatten sie drei Zaunfahnen aufgehängt. Doch auch was das anging, waren die Gladbacher klar vorn.Acht solcher Fahnen waren zu sehen. Ein Hauch von Nordkurve war das – und den Torjubel dazu gab es in der 67. Minute. Raffael bediente Oscar Wendt und der Schwede schoss den Ball ins Tor. "Es ist immer schön, ein Tor zu machen. Es war ein guter Konter, ich habe die Chance gesehen und musste sie nutzen, auch wenn solche Läufe bei so einer Hitze schwer fallen. Es war ein guter Pass von Raffa, als ich geschossen hatte, wusste ich, dass der Ball reingeht, auch wenn der Torwart noch dran war", sagte Wendt. Möglich, dass Wendt mit seinem Treffer eine Wette gewonnen hat. Denn sein schwedischer Kumpel Ola Toivonen stürmte für den Gegner.

Fotos: Trainingslager am Tegernsee, Tag 5 FOTO: Dirk Päffgen

"In der ersten Halbzeit war es schwierig. Wir haben es in der zweiten Halbzeit besser gemacht, aber wir müssen noch mehr die Tiefe finden", fasste Lucien Favre zusammen. Mo Dahoud, der junge Sechser, brachte nach seiner Einwechslung ein paar Glanzstücke auf den Platz. Zunächst setzte er Raffael mit einem geschickten Pass in Szene, doch er wurde abgeblockt. Dann legte Dahoud den Ball für André Hahn auf, dessen Schuss über das Tor flog. Danach versuchte es Dahoud selbst, doch auch er zielte zu hoch. So blieb es beim 1:0 für die Borussen – der dritte Sieg im vierten Testspiel. Das fünfte folgt schon am Sonntag. Es ist ein "Heimspiel", denn Stoke City kommt nach Rottach-Egern, Anstoß ist um 16 Uhr.

Die Borussen hoffen, dass es dann weniger warm ist als es am Samstag war. "Es war kein Wetter, um Fußball zu spielen. Ich kenne solche Temperaturen aus Schweden nur aus der Sauna. Aber wir haben gewonnen, das ist wichtig. Es war ein guter Test für uns", fasste Torschütze Oscar Wendt den Nachmittag zusammen. Dann hupte der Mannschaftsbus: Abfahrt. Wendt verabschiedete sich und die Borussen entschwanden aus Rosenheim.

(rpo)
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