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Protest der Ultras gegen Leipzig
"Stimmungs-Boykott ist natürlich nicht so gut für uns"

Borussia-Fans protestieren gegen RB Leipzig
Borussia-Fans protestieren gegen RB Leipzig FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Die Ultras der Gladbacher haben einen Stimmungs-Boykott angekündigt, um gegen RB Leipzig zu protestieren. Viele Borussia-Anhänger sind nicht einverstanden mit den geplanten 19 Minuten Schweigen. Von Jannik Sorgatz und Karsten Kellermann

Am 1. August 1900 wurde Borussia Mönchengladbach offiziell gegründet. 109 Jahre vergingen, bis RB Leipzig das Startrecht des weitgehend unbekannten SSV Markranstädt in der Oberliga übernahm. "RB" steht offiziell für "Rasenballsport", doch die große Mehrheit der Fußballfans bringt die beiden Buchstaben mit dem Konzern in Verbindung, dessen Logo die Brust der Leipziger Trikots ziert: Getränkehersteller Red Bull.

Die Kritiker des Vereins bezeichnen ihn deshalb niemals als solchen, sondern sprechen vom "Projekt RB". Heute sind die Leipziger zum zweiten Mal im Borussia-Park zu Gast, und wie schon im Vorjahr haben die Gladbacher Ultras zum 19-minütigen Stimmungsboykott aufgerufen, der FPMG Supporters Club unterstützt die Maßnahme - die Dauer des Schweigens ist angelehnt ans Gründungsjahr 1900. "Das vierte Spiel unserer Borussia gegen das Kommerzprodukt aus Leipzig steht an", heißt es in der Mitteilung der Ultragruppierung Sottocultura. "Unabhängig von der sportlichen Etablierung Red Bulls in der Bundesliga, die mit viel Geld erkauft und entgegen Grundsätzen wie der 50+1-Regelung erreicht worden ist, dürfen Spiele gegen dieses Produkt niemals zur Normalität werden."

Der Aufruf stößt jedoch nicht überall auf Begeisterung. In einer Umfrage auf RP Online äußern 66 Prozent der Teilnehmer Unverständnis, dass die eigene Mannschaft im Borussia-Park nicht von Beginn an unterstützt werden soll. Auch die Borussen würden sich eher eine vielkehlige Unterstützung als das sportpolitischen Schweigen wünschen. "Es ist eben so. Aber im Endeffekt ist es natürlich nicht so gut für uns, weil wir ein Heimspiel haben und den Vorteil 20 Minuten nicht nutzen können. Wir werden das Beste daraus machen, aber wir brauchen die Unterstützung der Fans, gerade gegen Gegner, die mit uns auf Augenhöhe sind", sagte Verteidiger Matthias Ginter. "Ich habe Verständnis. Aber es ist für uns nicht so hilfreich, wenn wir 19 Minuten lang keine Stimmung haben", sagt auch Trainer Dieter Hecking.

Protest-Choreo der Borussia-Fans in Leipzig FOTO: Dirk Päffgen

Für die protestierenden Fans ist es eine Grundsatzentscheidung. "Wir haben uns vor zwei Jahren darauf verständigt, gegen Leipzig zu protestieren. Das setzen wir jetzt fort", sagt Dirk Kramer, Sprecher des FPMG. Der Schweige-Ansatz widerspricht indes dem von den Fans vor dieser Saison neu formulierten Kodex. "Du bist hier, um Borussia zu unterstützen. Zeige deine Leidenschaft für unseren Verein und für den Fußball, den wir kennen und lieben! Aber mach' das ohne Ausgrenzung, Gewalt und Diskriminierung in jeglicher Form!", heißt es da. Aber auch: "Wir haben unsere eigene Meinung! Diese vertreten wir mit Überzeugung." Dazu Kramer: "Natürlich ist es eine Gewissensfrage. Aber es geht hier nicht um ein Spiel, sondern um ein Zeichen für die Zukunft des deutschen Fußballs."

Quelle: RP
 
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