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Borussia Mönchengladbach
Gladbach bietet wieder Spaßfußball

Borussia Mönchengladbach: Scorerliste der Saison 2015/16
Borussia Mönchengladbach: Scorerliste der Saison 2015/16 FOTO: ap
Mönchengladbach. Spiele von Borussia Mönchengladbach sind in diesen Tagen oft ein Spektakel. Das Team von Trainer André Schubert greift gnadenlos an: den Ball, den Gegner und dessen Tor.  Von Karsten Kellermann

Es ist nahezu die ganz alte Gladbacher Schule der Marke Hennes Weisweiler, die da zelebriert wird: ein 4:3 ist besser als ein 1:0, sagte der frühere Meistertrainer. Beim 4:2 gegen den FC Sevilla in der Champions League gab es 28:20 Torschüsse aus Sicht der Gladbacher, und gefühlt gab es mehr Knalleffekte als in einem Actionfilm aus Hollywood. Schuberts Vorgänger Lucien Favre pflegte das schöne, aber geordnete Spiel. Schubert hat Favres Ansatz angereichert um eine gute Prise Risiko und Wildheit - das ist Spaßfußball pur.

Auch die TSG 1899 Hoffenheim, bei der die Borussen heute antreten, stand früher für Spaßfußball. Mit viel Offensivwucht waren die Kraichgauer meist unterwegs, nur, dass es zu oft statt eines 4:3 ein 4:6 gab. Deswegen stagnierte Hoffenheim, deswegen wurde in der vergangenen Saison knapp der mögliche Einzug in die Europa League verpasst.

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Wie die Gladbacher, die nach einer furiosen Spielzeit Dritter wurden, setzte Hoffenheim offiziell einen einstelligen Tabellenplatz als Ziel in dieser Saison an, eigentlich jedoch sollte es um Europa gehen. Wie in Gladbach. Doch die Trainer, die in den Jahren zuvor Relegationsretter und Aufbauhelfer (Favre sicherlich in einer anderen Dimension als Markus Gisdol) waren, kamen ins Schlingern und sind Vergangenheit. Favre verabschiedete sich nach fünf Niederlagen selbst, Gisdol musste fünf Wochen später gehen.

Zur Krisenbewältigung wählten beide Klubs unterschiedliche Wege. Gladbach entschied sich gegen die in solchen Situationen üblichen Verdächtigen. Sportdirektor Max Eberl installierte Schubert, der bis dahin U23-Trainer war. Er sollte Favres Arbeit fortsetzen und um eigene Ansätze erweitern. Schubert tat das furios. Inzwischen ist er Cheftrainer. Hoffenheim wählte den Klassiker: Huub Stevens ist einer aus der Kategorie Feuerwehrmann. Sein Auftrag ist allein die Rettung vor dem Abstieg. "Der Klassenerhalt wäre wie eine Meisterschaft für uns. Dafür bin ich in Hoffenheim angestellt worden", sagte der Niederländer nun.

Neben dem Fehlstart und dem Trainerwechsel gibt es in dieser Saison eine dritte Parallele zwischen Gladbach und Hoffenheim: Beide schafften gegen den FC Augsburg den ersten Saisonsieg. Während Borussias 4:2 am fünften Spieltag alle Blockaden löste, war das 3:1 der Hoffenheimer am Spieltag darauf kein nachhaltiger Weckruf. Es ist der bislang einzige Saisonsieg. Mit acht Punkten (zwei holte Stevens mit zwei torlosen Spielen) ist die Mannschaft Letzter. Spektakel bietet Hoffenheim nicht mehr, das wäre auch ungewöhnlich für Stevens, der eher nicht für die früheren Ideale des Hoffenheimer Projekts steht. Beim 0:1 in Berlin gab es zwar den ersten Treffer unter seiner Führung, doch der war ein Eigentor des Ex-Gladbachers Eugen Polanski.

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Borussia ist beim Vergleich beider Fehlstarter, die sich so unterschiedlich entwickelt haben, Favorit. Doch Lars Stindl warnt. "Hoffenheim hat einen qualitativ guten Kader. Es wird eine schwere Nuss", vermutet er. Das klingt eher nach harter Arbeit als nach fröhlichem Spektakel.

Quelle: RP
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