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Borussia Mönchengladbach
Xhakas Wohltat nach der Tätlichkeit

Xhaka tritt nach und sieht die Rote Karte
Xhaka tritt nach und sieht die Rote Karte FOTO: Screenshot Sky
Mönchengladbach. Granit Xhaka wird bis in den Februar hinein aufgrund seiner Rotsperre nichts Gutes für die Borussia auf dem Rasen tun können, also hat er sich wenigstens daneben für eine feine Geste entschieden. Doch das 3:2 gegen Darmstadt hat noch mehr Geschichten geschrieben.  Von Jannik Sorgatz

1. Aus der Tiefe der Tabelle
Wahrscheinlich wird bis zum Saisonende der Impuls nicht nachlassen, einen Blick auf die Schubert-Tabelle zu werfen, weil es einfach eine in der Bundesliga-Geschichte einzigartige Leistung ist, sich nach fünf Niederlagen zum Start so nach vorne zu arbeiten. Von den sieben Teams in der Historie, die zuvor derart schlecht in die Saison kamen, schnitt am Ende keines besser ab als Platz elf. Die achte Mannschaft im Bunde, der VfB Stuttgart, überwintert auf Platz 15. Und was macht die Borussia? Verbringt Weihnachten nach der viertbesten Hinrunde seit 1987 auf dem vierten Rang.

2. Gedreht mit zehn
Ohne Novum scheint es dabei nicht mehr zu gehen. Nachdem die Borussia gegen Manchester, Leverkusen und Bremen erstmals seit dem Aufstieg 1965 in drei Spielen hintereinander mindestens vier Tore kassierte, gewann sie nun erstmals nach Rückstand in Unterzahl ein Spiel. "Im Prinzip hat er alles richtig gemacht", kommentierte Havard Nordtveit den Platzverweis Granit Xhakas scherzhaft, wofür das Endergebnis natürlich der einzige haltbare Anlass war.

3. Wette gewonnen
Peter Niemeyer schien selbst verdutzt darüber, wie effektiv seine Provokation ihre Wirkung entfaltet hatte. Der Darmstädter rollte nach Xhakas Tritt nicht minutenlang über den Rasen, sondern fiel so hin, wie es sich nur schwer verhindern ließ. Niemeyers Unsportlichkeit zuvor kann allerdings höchstens als Auslöser betrachtet werden und keinesfalls als Ausrede für Xhaka. Etwas absurd ist es, dass der auf diese Weise seine Wette gewann, vor Weihnachten keine Gelbe Karte mehr sehen zu wollen. Wenn der Schweizer irgendwann im Februar zurückkehrt von seiner Sperre, winkt bald schon die nächste.

Granit Xhakas Platzverweise FOTO: afp, agz

4. Spende an Borussia-Stiftung
Am Montag stand etwas Publicity auf dem Plan, um die Wogen zu glätten. Der Verein gab bekannt, dass Xhaka sich zu einer Spende im fünfstelligen Bereich an die Borussia-Stiftung entschlossen hat, die 2010 anlässlich des 110-jährigen Vereinsjubiläums gegründet wurde. Seitdem habe die Stiftung "etwa 470.000 Euro an fast 120 soziale Einrichtungen, Vereine oder Projekte gespendet", war vergangene Woche auf der Homepage des VfL zu lesen.

Granit Xhaka hat sich nach seiner Roten Karte im gestrigen Spiel gegen den SV Darmstadt 1898 e.V. freiwillig zu einer fünfstelligen Spende an die Borussia-Stiftung entschlossen.

Posted by Borussia Mönchengladbach on  Montag, 21. Dezember 2015

5. Dritte Kraft
Der gregorianische Kalender ist im Fußball nebensächlich, der Borussia beschert er aber einen hübschen Beweis dafür, sich im Kreis der Spitzenteams etabliert zu haben. In der Jahrestabelle 2015 steht die Mannschaft mit 68 Punkten auf dem dritten Platz, klar vor dem VfL Wolfsburg und knapp hinter Borussia Dortmund. 21 Siege stehen acht Niederlagen gegenüber.

6. Weiter im Eishockey-Schnitt
Das Hinrunden-Torverhältnis von 34:30 weckt Erinnerungen an die torreichen 80er-Jahre in der Bundesliga und steht völlig im Konstrast zur Rückrunde der vergangenen Saison, als Yann Sommer nur zehnmal hinter sich greifen musste. Der Eishockey-Schnitt hat auch nach dem Darmstadt-Spiel Bestand, sollte aber zumindest auf der rechten Seite des Doppelpunkts kein Zukunftsmodell sein. Wieder fielen zwei Tore nach Standards, das 0:1 nach einem Einwurf, vor dem 2:2 ließ Thorgan Hazard den Darmstädter Marcel Heller unbedrängt flanken, Sandro Wagner nickte noch unbedrängter ein.

7. Alle treffen
Welche Antworten die Borussia jeweils parat hatte, war bemerkenswert. Erneut war das Kollektiv der Schlüssel zum Erfolg. Mindestens drei verschiedene Torschützen gab es bereits zum dritten Mal in dieser Bundesliga-Saison. Gladbach ist kaum auszurechnen, so beenden sechs Spieler die Hinrunde mit drei und mehr Toren, darunter tummeln sich in Havard Nordtveit, Oscar Wendt und Granit Xhaka drei defensive Akteure. Diese Abteilung hat jetzt schon häufiger getroffen als in der gesamten Saison 2014/15. 

8. Stindls Alleinstellungsmerkmal
Mit einem Tor und einem Assist hat sich Lars Stindl in der teaminternen Scorerliste noch an Raffael vorbeigeschoben. Thomas Müller (21) und Marco Reus (13) sind die einzigen deutschen Fußballer, die mehr Pflichtspieltore erzielt haben als Stindl (12). Mindestens drei Treffer in drei Wettbewerben macht dem 27-Jährigen sogar keiner nach.

9. Anpeitscher Raffael
Raffael blieb am Sonntag zwar ohne direkte Torbeteiligung, war aber dennoch der Dreh- und Angelpunkt des Gladbacher Offensivspiels. Immerhin den Freistoß, den Nordtveit zum 2:1 ins Tor setzte, holte der Brasilianer heraus. Bemerkenswert war eine Szene ohne Ball in der 53. Minute: Raffael peitschte in der Ecke Nord-Ost des Borussia-Parks gestenreich die Fans an, kurz darauf erhob sich das gesamte Stadion von den Plätzen und vor der Winterpause herrschte noch einmal Champions-League-Stimmung.

10. Skandinavier im Gleichschritt
Oscar Wendt zählte im Jahr 2015 zweifellos zu den prägenden Figuren. Nur 96 Minuten verpasste der Schwede, dabei gelangen ihm vier Treffer: einer gegen Dortmund im April, einer gegen Berlin im Oktober sowie je einer gegen die Bayern und einer gegen Darmstadt im Dezember. Dreimal sorgte Havard Nordtveit für skandinavische Verhältnisse, weil er sich auch in die Torschützenliste eintrug. "Ich weiß allerdings nicht, warum er mich nicht einfach mal ein Tor mehr machen lässt – nett ist das nicht, oder?", sagte Nordtveit nach dem Spiel über seinen schwedischen Kollegen. Nur die Vertragsverlängerung über 2016 hinaus hat Wendt ihm noch voraus.

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