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Krise bei Borussia
Großreinemachen in der Wohlfühloase

Borussia Mönchengladbach: Großreinemachen in der Wohlfühloase
Borussia-Spieler nach dem Spiel in Stuttgart. FOTO: Dirk Päffgen
Meinung | Mönchengladbach. Das 0:1 in Stuttgart war der Negativ-Höhepunkt in einer bedenklichen Entwicklung für Borussia Mönchengladbach. In der Krise müssen sich nun alle hinterfragen - und sich vor allem eingestehen, dass es eine Krise gibt. Von Karsten Kellermann

Eine Krise ist laut Duden eine "schwierige Situation, eine Zeit, die den Höhe- und Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung darstellt". Nach dieser Definition ist Borussia in der Krise. Denn das, was beim 0:1 in Stuttgart passierte, war der bisherige Negativ-Höhepunkt einer bedenklichen Entwicklung in den vergangenen neun Spielen: Es gab kein externes Ungemach (Schiedsrichterentscheidungen etc.) und kein Pech oder fehlendes Glück - es war eine Niederlage als Folge eines schlechten Spiels. Tony Jantschke sprach das dann auch unumwunden aus.

Jeder muss sich hinterfragen

Was Jantschke tat, sollten sich alle Borussen zum Vorbild nehmen. Es ist nicht die Zeit für Ausflüchte, es ist die Zeit für eine klare interne Analyse. Bei der dürfen die vielen Verletzten eine Rolle spielen und auch die Tatsache, dass Borussia nicht immer vom Video-Schiedsrichter begünstigt wurde. Doch wesentlich ist, was Jantschke sagte: "Jeder muss sich hinterfragen." Das muss die goldene Regel der Borussen für die kommenden Tage sein. Jeder im Klub muss sich jetzt fragen: Tue ich alles dafür, die Ziele zu erreichen? Bin ich total fokussiert? Stimmt die Strategie oder muss neu justiert werden? Gibt es neue Ansätze auf dem Platz, die entscheidende neue Impulse geben können? Wurde alles ausgeschöpft?

Natürlich gab es schon größere Krisen in Gladbach, Krisen, die existenzieller waren. Doch Platz zehn ist jenseits jeden formulierten Saisonziels, und die Gladbacher laufen Gefahr, nun vollends den Anschluss nach Europa zu verlieren. Das muss mit allen Mitteln verhindert werden. Am 25. November 2017 gab es den Sieg gegen die Bayern. Das war der Höhepunkt der bisherigen Saison. Seither sind nur noch sieben Punkte dazugekommen. Das kann nicht der Anspruch dieser Mannschaft sein.

Borussia muss mit dem Kopf durch die Wand

Die hat sicher ein anderes Potenzial, schöpft es aber kaum aus. Es fehlt die Frische, es fehlt der Mut, es fehlt die Konsequenz, es fehlt die Handlungsschnelligkeit, und es fehlt das Teamwork. Alles also, was Borussia braucht, um Erfolg zu haben. Platz zehn muss ein Wachrüttler sein, definitiv. Trainer Dieter Hecking muss die Spieler bei der Ehre packen, er muss klare Wort finden - und einen Weg aus der Krise. Und das Team muss voll mitziehen.

Es wird wohl nur gehen, wenn die Borussen mit dem Kopf durch die Wand gehen, sie müssen die Gunst des Schicksals wie ein Bulldozer in ihre Richtung ziehen. In Stuttgart wurde die Brechstange am Ende ausgepackt, fast trotzig sogar, indes ohne Erfolg. Doch der Weg ist, wenn er auch durch mehr spielerische Momente gekennzeichnet sein sollte, der richtige. Raffael und Lars Stindl, die Feingeister, haben es mit Fernschüssen versucht. Das muss die Botschaft sein: "Wir müssen es erzwingen."

Entscheidend für den, der mit dem Kopf durch die Wand will, ist allerdings: Er muss die Wand erkennen. Wenn die Borussen jetzt die Augen schließen und ihre Krise negieren, wäre das fatal. Dann ist ihnen nicht zu helfen. Und dann wird es auch keine Wende zum Guten geben können.

Stuttgart - Borussia: Einzelkritik FOTO: dpa, mut scg

Es mag ja sein, dass der eine oder andere hinter dem Trend der vergangenen Wochen eine Weltverschwörung vermutet oder zumindest ein bösartiges Schicksal. Es mag auch sein, dass er damit Recht hat. Aber am Ende kann sich Borussia nur selbst helfen. Der Blick ins eigene Innere kann schmerzhaft sein. Aber auch heilsam. Es gibt Menschen, die rufen das Ende der Wohlfühloase in Gladbach aus. Das muss nicht sein. Aber zum Wohlfühlen gehört zuweilen das Großreinemachen. Dabei sollte man in alle Ecken schauen, um jeden Krisenherd ausfindig zu machen. Es ist an der Zeit zu sagen: "Ja, wir sind in der Krise. Und ja, wir packen es an, um wieder da rauszukommen."

Quelle: RP
 
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