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Borussia Mönchengladbach
Gutes Los mit kleinen Risiken

Reaktionen zur Auslosung der Play-offs
Reaktionen zur Auslosung der Play-offs FOTO: dpa, mt asu pro
Mönchengladbach. Es hätte so viel schlimmer kommen können. Zum Beispiel, wenn es FK Rostow geworden wäre. Das liegt am Don, ganz weit hinten in Russland, an der Krim. 2434 Kilometer weg. Eine krasse Reise. Es hätte auch AS Rom werden können, das wäre dann der größtmögliche Hammer-Gegner geworden in diesem Play-off zur Champions League. Von Karsten Kellermann

Gigant Manchester City oder der ruhmreiche FC Porto waren schon vorher raus aus der Verlosung, weil die Young Boys Bern Schachtjor Donezk ausschalteten und Borussia Mönchengladbach plötzlich zu den fünf gesetzten Teams gehörte. Die Schweizer haben sich mit ihrem "Wunder von Bern" ein Treffen mit den Gladbachern erarbeitet. Das ergab am Freitag die Auslosung in Nyon.

Für die Borussen ist es ein gutes Los, fast ein optimales, eines, das sich die meisten gewünscht hatten, Spieler wie Fans. Torwart Yann Sommer und Verteidiger Nico Elvedi zum Beispiel, die sich nun auf das Treffen mit ihren Landsleuten freuen. Überhaupt haben die Borussen in der Schweiz einen hohen Wohlfühlfaktor. Im Mai waren sie zur so genannten "Fohlentour" dort, es gab viele PR-Termine und einen Grillabend beim Schweizer Gladbach-Fanclub. Es gibt viele Eidgenossen, die es mit den Borussen halten, nicht erst seit Lucien Favre am Niederrhein als Wiederbeleber arbeitete und Borussia auf die Spur nach Europa setzte. Vor zwei Jahren in Zürich gab es ein großes "Hallo" für Borussia, als sie es in der Europa League mit dem FCZ zu tun hatte.

Bern ist also ein heimeliges Los für die Gladbacher. Doch genau darin liegt die Gefahr. Wer sich zu wohl fühlt, kann böse überrascht werden. Zumal da die Borussen der klare Favorit sind als Bundesliga-Vierter des Vorjahres gegen den "Vize" der Schweiz. Die Größenverhältnisse belegen das: Die Borussen haben einen geschätzten Marktwert von 166 Millionen Euro, die Schweizer bringen es auf knapp 40 Millionen Euro. Die prallen Fleischtöpfe der Champions League, die mindestens rund 30 Millionen Euro in der Gruppenphase bringen, sind daher zum Greifen nahe für Gladbach, und wenn das kleine Bern ein zu großes Hindernis wäre für den Bundesligisten, wäre das schon bitter. Das ist die eine Meinung. Eine, die Bern durchaus missachtet und den Borussen ganz sicher missfällt. Ja, sie sind Favorit, das geben Trainer André Schubert, Kapitän Lars Stindl, Flügelflitzer Patrick Herrmann, Torwart Yann Sommer und Vizepräsident Rainer Bonhof zu. Doch jeder fügt dem "Ja" ein "Aber" hinzu.

Berns Qualitäten ("Ein Gegner, der unangenehm und gefährlich ist, der als Kollektiv gut funktioniert", sagte Schubert), der Kunstrasen im Stade de Suisse, dem früheren Wankdorfstadion, das sind genug Gründe, die die Partie komplizierter machen können, als auf dem Papier zu vermuten ist. "Es wird ein harter Brocken für uns, wir müssen dieses Los sehr ernst nehmen", sagte Sommer, der den Heilungsverlauf nach seiner Kapselverletzung als "sehr positiv" einordnete. "Donezk rauszuschmeißen, ist schon mal ein Wort", sagte Trainer André Schubert. Dass die Berner ein Gegner sind, der nicht einfach so zu besiegen ist, bekamen die Borussen kürzlich beim "Uhrencup" selbst zu spüren. Da holten sie mit Mühe ein 3:3, siegten aber im Elfmeterschießen. Vergleichen kann man die Spiele nicht, doch wird die Erfahrung als Warnung dienen. Sportdirektor Max Eberl wähnt die Kontrahenten "auf Augenhöhe". "Im Fußball gibt es Garantie für nichts", warnte Schubert. Er erinnerte an Berlins Europa-League-Aus gegen Kopenhagen: "Auch Hertha war Favorit."

Das Wissen um die Problemzonen und Risiken des Loses sollte aber ein Vorteil sein. Es muss die Sinne schärfen. Das sollte die Gefahr des Scheiterns deutlich minimieren. Borussia hat viel Qualität. Und die sollte unter normalen Umständen reichen, um sich in zwei Spielen, zumal mit dem Heimspiel zum Abschluss, gegen Young Boys Bern durchzusetzen. "Wir wollen in die Champions League", stellte Kapitän Lars Stindl klar. Patrick Herrmann ist sich sicher: "Wenn wir alles abrufen, schaffen wir das."

Quelle: RP
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