| 13.36 Uhr

Fünf Punkte in acht Spielen
Borussia hat Probleme gegen die direkten Konkurrenten um Europa

Borussia - Leipzig: Einzelkritik
Borussia - Leipzig: Einzelkritik FOTO: dpa, mb hak
Mönchengladbach. Ausgerechnet gegen den FC Bayern hat Borussia den einzigen Sieg gegen eine Mannschaft geholt, die - Stand Sonntagmittag - vor ihr in der Tabelle steht. Problematisch sieht es aus bei der Torproduktion. Bei Lars Stindl herrscht sogar die größte Flaute seiner Gladbacher Zeit. Von Jannik Sorgatz

Zu wenig Punkte gegen "die da oben"

Ist Borussia das schwächste Team der ersten sieben in der Tabelle oder das beste des Rests hinter den ersten sechs? Es gibt eine Bilanz, die diese Frage eindeutig beantwortet: Aus acht Spielen gegen Bayern, Leverkusen, Leipzig, Dortmund, Schalke und Frankfurt hat Borussia nur fünf Punkte geholt, drei davon absurderweise gegen Bayern. Insofern passte das späte 0:1 gegen Leipzig am Samstag ins Bild. Deutlich besser läuft es gegen die Mannschaften, die hinter Borussia stehen: 13 Spiele, 26 Punkte. In den nächsten beiden Wochen heißen die Gegner Stuttgart und Dortmund - da muss der eine Trend schon bestätigt werden und der andere widerlegt, um nicht den Anschluss an die Europapokalplätze zu verlieren.

Doppel-Premiere

Obendrein hat Borussia erstmals in dieser Saison zwei Ligaspiele in Folge verloren. In der Formtabelle reicht das zwar noch zu einem Mittelfeldplatz, weil sich das Gros der Liga in Sachen Inkonstanz scheinbar übertreffen will. Frappierend ist es jedoch, wie schwer Borussia neuerdings das Toreschießen fällt. Zwei Spiele nacheinander ohne eigenen Treffer sind ebenfalls eine Premiere, das gab es zuletzt im April 2017.

Später Schock

In der Hinrunde war noch die Schlafmützigkeit in der Anfangsphase ein Thema, zu oft geriet Borussia zu früh in Schwierigkeiten. In der Rückrunde pennt die Mannschaft neuerdings am Ende der Spiele. "In der 88. Minute müssen wir noch so wach sein, dass wir das verteidigt bekommen", monierte Hecking, den es zudem störte, dass das 0:1 aus einem Leipziger Einwurf entstand und Gladbach in der Szene klar in Überzahl war. In Frankfurt fiel das 0:2 in der 92. Minute, weil Borussia aufgemacht hatte, das war zu verkraften. Doch schon in Köln, als Simon Terodde in der 95. Minute traf, gab Borussia spät einen Punkt aus der Hand.

Lars Stindl macht bald die 1000 Minuten voll

An mangelndem Engagement lag es wieder einmal nicht bei Lars Stindl. Dass er sich aufopfert für seine Mannschaft, war in der 18. Minute wörtlich zunehmen: Da wurde Tony Jantschke nach einem Freistoß von Vincenzo Grifos Idee überrascht, Leipzig startete den Konter und Stindl musste mit einem taktischen Foul eine Zwei-gegen-zwei-Situation verhindern. Früh im Spiel sah Borussias Kapitän die Gelbe Karte, seine vierte in der Saison. "Es war nicht ganz einfach für ihn, den Mittelweg in der Zweikampfführung zu finden", sagte Hecking, "aber er hat es gut gemacht." Auch Stindl wird jedoch an Toren gemessen, gerade im WM-Jahr, das momentan noch an ihm vorbeiläuft. Seit 985 Pflichtspielminuten wartet er auf einen Treffer, so lange wie nie zuvor in seiner Gladbacher Zeit. "Er wird wieder treffen, aber solche Phasen gibt es eben auch mal bei unserem Kapitän", sagte Hecking. Borussia ist allerdings darauf angewiesen, dass sie bald vorübergeht.

Probleme auch auf den Rängen

Max Eberl hatte vor dem Spiel lapidar auf die Meinungsfreiheit verwiesen, als es um den angekündigten Stimmungsboykott der aktiven Fanszene in den ersten 19 Minuten ging. Nüchtern gesehen, war es also gelebte Demokratie, als Gegner dieser Maßnahme gegen RB Leipzig trotzdem Gesänge anstimmten und die Befürworter den Protest konsequent durchzogen. Unschön waren die gegenseitigen Beschimpfungen beider Lager, die untermauerten, dass es bei Borussia momentan nicht nur auf dem Rasen, sondern auch auf den Rängen unrund läuft. "Es werden persönliche Animositäten im Block offen ausgelebt, anstatt zusammen für die Ziele zu kämpfen, die wir alle haben. Das schadet uns allen und damit auch Borussia", schreibt der Vorstand des FPMG Supporters Clubs, der das 19-minütige Schweigen mitgetragen hatte, sich nun aber selbstkritisch zeigt, dies vorab nicht deutlicher kommuniziert zu haben: "Den Schuh ziehen wir uns an", heißt es.

 
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