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Borussia Mönchengladbach
Borussia hat wieder Torschusspanik

Einzelkritik: Gute Leistung von Elvedi, Dahoud laufstark
Einzelkritik: Gute Leistung von Elvedi, Dahoud laufstark FOTO: dpa, jg
Mönchengladbach. Auch beim 1:1 gegen Hoffenheim vergibt Gladbach viele Chancen. Hinzu kommen fehlende Konstanz, leichte Gegentore und eine Heimschwäche. "Wir dürfen uns jetzt nicht verrückt machen", mahnt Fabian Johnson. Von Karsten Kellermann

Fabian Johnson war schuldbewusst. "Den Ball muss ich reinmachen, es tut mir leid für die Mannschaft", sagte der US-Nationalspieler von Borussia Mönchengladbach. Nach dem Pass von Mo Dahoud lief er allein auf das Tor von 1899 Hoffenheim zu, schoss aber vorbei (78.). Es stand 1:1, weil die Toptalente der Klubs, Mo Dahoud und Nadiem Amiri, getroffen hatten. Hätte Johnson das auch getan, wäre es wohl das Siegtor gewesen. Hätte - der Konjunktiv ist derzeit die Realität in Gladbach.

Platz 13 mit 13 Punkten, damit liegt Borussia klar hinter den eigenen Ansprüchen. Das obere Tabellendrittel soll es sein, das sollte der Kader auch hergeben. Es gibt weiter einige Verletzte, doch Topspieler wie Raffael oder Hazard sind wieder da. Trotzdem gab es das siebte sieglose Ligaspiel in Folge. Wird die Krise nicht zeitnah beendet, wird es ein unruhiges Weihnachtsfest, zumal die Borussen festgestellt haben, dass es trotz der erfolgreichen Jahre nicht so viel Bonus gibt, wie erwartet. Nebenbei zeigte das Spiel gegen Hoffenheim die vier Hauptprobleme der Borussen.

Heimschwäche In der vergangenen Saison war Borussia daheim eine Macht. Derzeit nicht. Von den vergangenen sieben Heimspielen (vier Bundesliga, zwei Champions League, eines im Pokal) wurde nur das gegen Stuttgart gewonnen. Zwar ging "nur" das Derby verloren, doch auch die drei (von fünf) Remis in der Bundesliga sind problematisch. Denn da ist die Auswärtsschwäche. Vier von fünf Spielen gingen verloren, nur ein Punkt wurde geholt.

Keine Konstanz Eine starke erste Halbzeit, eine schwächere zweite - was gegen Hoffenheim passierte, war exemplarisch. In der Halbzeit-Tabelle ist Borussia Dritter. Vor der Pause holte André Schuberts Team 21 Punkte, nach der Pause zehn. Zudem: Erneut brachte es eine 1:0-Führung nicht durch, verlor acht Punkte nach Führungen. Das beruhigende 2:0 schafft es derzeit nicht.

Gegentore Auch gegen Hoffenheim stand die Defensive gut. "Wir haben kaum etwas zugelassen", sagte Johnson. Doch im entscheidenden Moment passte es mal wieder nicht: Amiri war total allein bei seinem Schuss, Jannik Vestergaard zu passiv, die Lücken zu groß - und einmal mehr musste über die Rolle von Yann Sommer diskutiert werden. Auch dem Schweizer ist die Sicherheit abhandengekommen, nur 65 Prozent der Schüsse wehrt er ab. Zum Vergleich: Hoffenheims Oliver Baumann hat eine Quote von 78 Prozent. Insgesamt gibt es im Schnitt 1,5 Gegentore. Zu viel, wenn man nur einmal im Schnitt trifft.

Torschusspanik Das ist das Hauptproblem. Borussia hat gegen Hoffenheim erneut vieles richtig gemacht: Es wurde zuweilen fein kombiniert, es gab reichlich Torchancen - doch fehlte erneut die Effektivität. Es gibt eine Statistik der Tore, die eigentlich aufgrund der Qualität der Chancen hätten fallen müssen, die besagt: Gladbach gegen Hoffenheim 1,6:0,7, das Realergebnis war aber 1:1. Ähnlich oder klarer sah die Diskrepanz gegen den HSV, Köln und Frankfurt aus. Nur rund 20 Prozent der Torchancen werden derzeit genutzt, auch das belegte das Hoffenheim-Spiel - fünf große Gelegenheiten gab es: neben Johnson versuchten sich Stindl (2), Raffael und Dahoud, nur Letzterer traf. Borussia schafft im Schnitt ein Tor. Zu wenig, um oben dabei zu sein.

Fazit Da der Antrag, die Tore zu vergrößern, dem Gegner den Torwart zu verbieten (Hoffenheims Baumann war Bester seines Teams) und nur 45 Minuten zu spielen, nicht durchkommen würde, müssen es Team und Trainer selbst hinkriegen. "Wir dürfen uns nicht verrückt machen. Wir müssen weiter arbeiten und uns die Siege erarbeiten", sagte Johnson. In Krisenzeiten wirken solche Sätze phrasenhaft. Mit jedem Nicht-Sieg geht ein Stück mehr Glaubwürdigkeit dieser Worte verloren. Die Fragen, die in den letzten Wochen des Jahres zu beantworten sind: Strauchelt Borussia nur? Fällt sie? Oder ist sie schon gefallen?

Quelle: RP
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