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Borussia Mönchengladbach
Das Heim-Problem in Europa und Sommers Seuche

Noten: Vestergaard zweikampfstark, Raffael mit Tempo
Noten: Vestergaard zweikampfstark, Raffael mit Tempo FOTO: dpa, mb kno
Mönchengladbach. Das 2:2 gegen Schalke 04 war ein Spiel der Marke "Da kam alles zusammen". Erneut fehlte Borussia der nötige Punch in einem internationalen Heimspiel, auch wenn der Gegner aus Deutschland kam. Und Yann Sommers Elfmeterbilanz ist inzwischen dramatisch schwach. Von Jannik Sorgatz

Zu Hause zu wenig

Die Premiere ging in die Hose: 1960 verlor Borussia ihr erstes Heimspiel der Europapokal-Geschichte, das 0:3 gegen die Glasgow Rangers fand allerdings im Düsseldorfer Rheinstadion statt. Die erste internationale Niederlage auf dem gab es erst 1987 beim 0:2 gegen Dundee United, dazwischen war gerade die Heimstärke Gladbachs Garant für große Erfolge im Europapokal, alleine für fünf Endspielteilnahmen. Vom Glanz dieser Zeiten ist in den vergangenen Jahren einiges zurückgekehrt, nur nicht der Heim-Nimbus. Von 1996 bis 2012 streckte sich eine Serie von drei Europapokal-Heimspielen ohne Sieg (Monaco, Kiew, Fenerbahce). 2015 passierte das Gleiche gegen Sevilla, ManCity und Juventus. Einmalig waren also schon die vier sieglosen Heimspiele, die Borussia vor dem 2:2 gegen Schalke auf dem Konto hatte (Barcelona, Celtic, ManCity, Florenz). Nun sind es fünf und es reift die Erkenntnis: Wer im eigenen Stadion keine Macht ist, ist noch nicht reif für große Würfe in Europa.

Das Führungsproblem

Das 2:2 am Donnerstag war das 19. Europapokalspiel im Borussia-Park. Sagenhafte 17-mal ist Gladbach in Führung gegangen, nur gegen Sevilla 2015 und zuletzt gegen Florenz geriet Borussia in Rückstand. Dass ein 1:0 nur in sieben von 17 Fällen zu einem Sieg gereicht hat, ist trotz der Gegner des Kalibers Barca, ManCity und Juventus desolat. Letztlich hat diese Schwäche Dieter Heckings Mannschaft gegen Schalke das Genick gebrochen, als zum ersten Mal selbst eine Zwei-Tore-Führung nicht genügte.

Wie ein Maulwurf

Vor dem Abschlusstraining hatte sich Hecking noch kurz mit dem Greenkeeper ausgetauscht. Der Rasen war vor einer Woche ausgetauscht worden, weshalb die Borussen extra im Stadion trainierten, um das neue Geläuf zu begutachten. "Herr Hecking, hier ist ihr neuer Rasen, viel Spaß damit", so ein Satz hätte fallen können. Tatsächlich war der Platz nach dem Bundesligaspiel gegen Schalke, als es bei kalten Temperaturen zeitweise aus Eimern geregnet hatte, völlig hinüber gewesen. Dass der Ball beim Schalker Anschlusstreffer über Yann Sommer hinweghüpfte, als wenn plötzlich ein Maulwurf seinen Kopf aus einem Loch gestreckt hätte, war unterm Strich tragisch. "Kein Vorwurf an niemanden", sagte Hecking nach dem Spiel. 

Yann Sommer kassiert 21 Elfmeter in Folge

Überhaupt zeigte Borussias Trainer im Umgang mit den tragischen Feinheiten des Abends Größe. Natürlich gefiel ihm auch der Elfmeterpfiff nicht, der zum 2:2 führte. Aber Hecking polterte nicht herum, witterte keine Skandale, machte kein Fass auf zum Thema Videobeweis. "Das ist Sport, das ist Fußball, das müssen wir heute akzeptieren", sagte der 52-Jährige. "Ich gehe da auch weg von der Schiedsrichterleistung und dem Hoppelball: Wir hatten nach der Pause eine Phase, in der es fußballerisch nicht gut war. Darüber müssen wir reden, denn das sind die Inhalte, über die wir reden können", fügte er am Freitag hinzu. Das mit Borussia und den Elfmetern ist auch so eine Sache. Während das Problem auf der einen Seite nach drei Treffern in Folge erst einmal bewältigt ist, bekommt Yann Sommer weiterhin keine Fingerspitze an die Versuche des Gegners. Seit Kevin Gameiros Schuss an die Latte am 15. September 2015 waren 15 Elfmeter hintereinander drin. Hinzu kommen sechs Elfmeter, die Sommer bei der EM 2016 passieren lassen musste.

Schon wieder eine verführerische Frage

Erneut könnten sich Borussia und ihre Fans auf ein Was-wäre-wenn-Spielchen einlassen. Vergangene Woche war die Frage, ob Gladbach lieber in der Bundesliga anstatt im DFB-Pokal beim Hamburger SV gewonnen hätte, um die Chancen auf eine erneute Europapokal-Qualifikation zu vergrößern. Andersherum geht das Spielchen jetzt so: Lieber in der Liga gegen Schalke verlieren und dafür in der Europa League weiterkommen? Aber das Von-Spiel-zu-Spiel-Denken beinhaltet eben auch, nicht Spiel für Spiel zurückzudenken. Am Sonntag kommt der FC Bayern.

 
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