| 18.56 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Jetzt hilft nur eine Trotzreaktion

Gladbach-Stars trauern nach Aus im DFB-Pokal
Gladbach-Stars trauern nach Aus im DFB-Pokal FOTO: afp, PST
Mönchengladbach. Nach dem Aus im DFB-Pokal hofft Borussia Mönchengladbach auf die Europa-Qualifikation über die Bundesliga. Doch für einen erfolgreichen Endspurt muss Trainer Dieter Hecking erst einmal seelische Aufbauarbeit leisten. Von Karsten Kellermann

Jannik Vestergaard, Borussias baumlanger Verteidiger, kann ziemlich böse gucken. Am späten Dienstagabend schaute er besonders böse drein, fast zum Fürchten. Vestergaard hatte reichlich Grund dazu, denn mit seinen Kollegen hatte er eine für den Klub historische Chance verpasst, verschenkt, verdaddelt, wie man will: den ersten Einzug ins DFB-Pokalendspiel seit 1995. Damals holte Gladbach auch seinen letzten Titel. Dabei wird es vorerst bleiben.

7:8 ging das Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt im Elfmeterschießen verloren, wie zuvor 2001, 2004 und 2012 strauchelte Gladbach beim letzten Schritt nach Berlin. Dass ein Heimspiel gegen Frankfurt das bestmögliche Los war, half da nichts. Seltsam war, wie Gladbach die erste Halbzeit anging: So, als ginge das Ganze die Borussen nichts an. Passiv, ängstlich, staunend, fußballerisch am unteren Limit unterwegs.

Dass es 1:1 zur Pause stand, war ein Glückfall. Nach dem Seitenwechsel und in der Verlängerung waren die Borussen besser, aber nicht zielstrebig genug. Und im Elfmeterschießen gab es zwei Fehlschüsse, während Frankfurt nur einen hatte. Dass der Ex-Borusse Branimir Hrgota das Final-Tor der Eintracht schoss, passte zum Abend.

Was haben die Borussen alles verpasst: Natürlich das Erlebnis Pokalfinale. Der Titelchance noch einen Schritt näher zu kommen. Zudem die Chance, sich als Pokalsieger direkt für die Europa League zu qualifizieren. Diese Gladbacher Generation hätte am Dienstag Geschichte schreiben können. Sie schaffte es nicht. "Es tut weh", gestand Stürmer André Hahn. Vestergaard schwieg. Doch seine Blicke sagten genug.

Vor sechs Wochen waren noch zwei Titel möglich, nun könnte es eine Null-Saison werden. Erstmals seit 2013 könnte Gladbach den Sprung ins internationale Geschäft verpassen. "Das kann auch mal passieren", stellte Manager Max Eberl klar. Trotzdem: Wenn etwas möglich ist, will man es auch haben. "Die Saison ist ein Wellental der Gefühle. Jetzt gilt es, in den letzten vier Spielen der Bundesliga einen Abschluss zu finden, von dem wir sagen: Ja, wir haben alles versucht. Wir wollen die Saison bestmöglich beenden."

Platz sechs ist mit fünf Punkten recht weit weg, aber nicht unerreichbar angesichts der wankelmütigen Liga. Und bis Platz sieben, der europa-relevant wird, wenn Frankfurt das Pokalfinale verliert, sind es nur drei Punkte. "Wir können es aber nicht aus eigener Kraft schaffen", weiß Hecking, der auch am Tag nach dem Aus seine Enttäuschung nicht verhehlen konnte und wollte. "Wir sollten aber die Chance, die wir noch haben, nicht leichtfertig aufs Spiel setzen", empfiehlt er gleichwohl positives Denken.

Neun, besser zehn Punkte müssen es aber schon sein, wenn es noch reichen soll. Die Gegner Mainz, Augsburg, Wolfsburg sind im Abstiegskampf, Darmstadt wohl abgestiegen. Einfach und zugleich kompliziert ist das Restprogramm also. Allerdings sind die Borussen personell arg gebeutelt (neun Ausfälle, Oscar Wendt brach sich im Halbfinale den Ellenbogen) und vielleicht mental angeschlagen. In der Europa League gab es das Aus gegen Schalke mit zwei Unentschieden, nun der geplatzte Pokaltraum gegen Frankfurt – was macht das mit den Borussen? Wirft es sie entscheidend um? Oder gibt es eine Trotzreaktion? Nur die würde wirklich helfen.

"'Jetzt erst recht' – das wäre doch eine gute Überschrift für den Rest der Saison", regte Hahn an.

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