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Borussia Mönchengladbach
Traoré holt Familie aus Paris nach Gladbach

Porträt: Das ist Ibrahima Traoré
Porträt: Das ist Ibrahima Traoré FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Der Borussen-Profi ist in der Metropole aufgewachsen, seine Verwandten leben dort. Doch nach den Anschlägen fühlen sie sich nicht sicher. Von Stefan Klüttermann

Wenn Ibrahima Traoré über Paris spricht, dann erzählt er nicht von dem Ort, an dem er 1988 geboren wurde und den er 2007 verließ, um in Deutschland Profifußballer zu werden. Wenn Traoré über Paris spricht, erzählt er von Heimat, von Zuhause. "Das ist meine Stadt. Paris hat mich geprägt. Es ist eine großartige Stadt. Paris wird immer meine Heimat sein, auch wenn Gladbach jetzt mein Zuhause ist", erzählt Borussias Flügelspieler. Als am vergangenen Freitag die Attentate Paris erschütterten, traf es Traoré besonders. Schließlicht wohnen Freunde und Familie noch immer dort.

Prinz William legt Blumen für Paris-Opfer nieder FOTO: dpa, fa sam

"Es geht um Menschen, die einfach leben wollen, und die werden getötet. Ich weiß, wo das passiert ist. Das ist zehn Minuten von meinem Zuhause entfernt. Ich bin ja noch oft da. Mein Bruder war am Freitagabend vier Straßen vom Geschehen entfernt. Er konnte nicht nach Hause gehen, er musste bei fremden Leuten bleiben", erzählt "Ibo", dessen Eltern aus Guinea stammen und der neben dieser auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt. Als am Mittwoch dann die Terror-Razzia in Saint-Denis stattfand - auch nur wenige Kilometer von Traorés Geburtsort Villepinte entfernt -, fällte die Familie eine Entscheidung: Sie kommt erstmal zum Sohn an den Niederrhein. "Natürlich mache ich mir Sorgen, wenn meine Mutter mich anruft und mir sagt, sie fühle sich nicht mehr so sicher. Im Moment ist die Sicherheit nicht so gegeben, und deswegen kommt meine Familie jetzt erst mal hierher", erzählt der 27-Jährige.

Familie ist dabei für Traoré nicht nur ein Konstrukt, in das man hineingeboren wird. Familie ist für den Spaßvogel in Borussias Kader das A und O. Er hat zwei Brüder und zwei Schwestern, aber aufgewachsen ist er unter zwölf Kindern, mit Cousins und Cousinen. Traoré sagt, er brauche Menschen um sich. Und so ist er am Borussia-Park auch stets mit Freunden oder Verwandten zu sehen. Die fahren ihn, denn Traoré besitzt keinen Führerschein, die sind aber eben auch zentrales Element seines Alltags in Deutschland.

Platzprobleme wird es keine geben, wenn nun die Familie für eine Zeit lang herkommt. "Das ist kein Problem, das Haus ist groß genug", sagt Traoré. Groß genug immerhin für einen riesigen Schuhschrank, denn Schuhe sind Traorés Leidenschaft. Klamotten auch irgendwie. Er liest viel. Philosophie, politische Literatur. Er hätte sich auch vorstellen können, selbst Schriftsteller zu werden. Und als praktizierender Moslem ist ihm sein Glaube zwar wichtig, radikale Ansichten aber fremd. "Meine Eltern sind auch Muslime, sie haben mir das vorgelebt. Religion ist aber etwas sehr Persönliches. Jeder Mensch hat seinen Glauben, und jeder muss den Glauben des anderen respektieren", sagte er im Sommer, als er für unsere Leser täglich seine Erlebnisse aus dem Gladbacher Trainingslager aufschrieb.

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Unter Neu-Trainer André Schubert ist Traoré zuletzt zum Stammspieler avanciert. Die Fans mögen seinen Offensivdrang und seine offene Art auf und neben dem Platz eh. Und so wird er morgen in der Bundesliga gegen Hannover wieder seinen Job machen. Die Gedanken an die Anschläge blendet er dabei aus. "Ich denke nicht zu viel drüber nach. Ich konzentriere mich auf den Fußball", sagt er. Seine Familie wird ihm im Stadion zugucken - aus der Loge, die Traoré extra für Freunde und Verwandte gemietet hat.

Quelle: RP
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