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Winter-Transfers
Borussia in der Gerüchteküche

Borussia Mönchengladbach in der Gerüchteküche
Stevan Jovetic in einem seiner wenigen Einsätze für Inter Mailand. FOTO: dpa, ei hm
Mönchengladbach. Die Zeit ist unruhig. Das Transferfenster ist offen und sogleich weht ein heftiger Wind hinein in die Fußball-Welt. Er klingt wie das Getöse auf den Straßen einer Großstadt während der Rushhour. Von Karsten Kellermann

Der Wind treibt das vor sich her, was in Zeiten wie diesen, da wenig gespielt wird, weil alle noch üben für den zweiten Teil der Saison, Konjunktur hat: Gerüchte. Das weltweite Netz mit seinen sozialen Netzwerken trägt einen gehörigen Teil dazu bei, dass ein Gerücht, so es irgendwo, und sei es noch so verborgen, das Licht der Welt erblickt hat, klingelnd herumtickert wie eine Flipperkugel, sich aber auch mehr und mehr vergrößert wie ein Schneeball, der den Berg hinabrollt. Wer geht für was von wo nach wo - es scheint in der Gerüchteküche keine Grenzen zu geben, was die Wildheit angeht.

Mittendrin im Wirbelsturm der Spekulationen ist in dieser Session auch Borussia. Das war jahrelang anders, da ging es recht betulich zu während der Winterpause. Im Winter nichts Neues war meist das Motto von Sportdirektor Max Eberl, und wenn, dann wurde der Markt pro forma beobachtet, um eventuell mögliche Vorgriffe für die neue Saison nicht zu verpassen. Doch nun war das Jahr zuvor sehr unruhig und am Ende wenig erbaulich, weswegen es nun zu Beginn des neuen Jahres auch unruhig ist. Dass aus der Not nachgekauft wurde, gab es zuletzt 2011. Damals war Borussia Letzter nach der Hinrunde, und es brauchte Trouble-Shooter und Stabilisatoren. Martin Stranzl, Mike Hanke, Havard Nordtveit und Michael Fink kamen, und man darf sagen: Drei Viertel der Neulinge waren Volltreffer.

Fotos: Die Trainer-Galerie von Borussia Mönchengladbach FOTO: dpa, ade cul

Nun steht Borussia lange nicht so mies da wie damals, gleichwohl ist die Situation durchaus alarmierend, denn aus dem stolzen Champions-League-Teilnehmer und Bundesliga-Spitzenteam, das Borussia nach dem ersten Teil der Vorrunde war, ist eine Mannschaft geworden, die an der Schwelle der Abstiegszone überwintert. Und wenn Anspruch ("Einstelligkeit") und Tatsächlichkeit (Platz 14) so weit auseinanderklaffen, bedarf es meist einer Nachjustierung, zumal, wenn im Verlauf der bisherigen Saison auffällt, dass unter anderem Führungsfiguren fehlen und mancher im Verletzungsfall trotz des breit aufgestellten Kaders dann doch nicht zu ersetzen ist.

Das, was zu all dem führt, ist Unruhe. Und sie führt zu – Unruhe. Nun hat Sportdirektor Max Eberl den Spekulanten rund um den Klub durchaus auch Futter gegeben, als er sagte, zum einen werde ein Mister X kommen, über den dann sicher gesprochen werden wird, und zum anderen sei der Name desjenigen bis dahin noch nicht aufgetaucht in der Öffentlichkeit. Damit unterstrich der Manager ein wenig auch den Spiel-Charakter dieser Tage, eben das Versteck-Spiel zwischen Klub und Spekulanten: Du-errätst-nicht-wen-wir-holen-und-ich-errate-es-doch!

Bastian Schweinsteiger wurde genannt, der Boss des Weltmeister-Teams, 32 und noch angestellt bei Manchester United. Wow! Klingt groß. Aber: Ein "Schweinehund statt Schweinsteiger" soll es sein, teilte Max Eberl mit. Das jüngste Gerücht, das in Mönchengladbach unterwegs ist, ist ebenfalls eines von der Insel: Per Mertesacker, 2014 Schweinsteigers WM-Mitgewinner, soll auf dem Weg zu Borussia sein als Boss-Typ für die Defensive, wird erzählt. Doch ist der 1,98-Meter-Mann schon 32 Jahre alt, hatte zudem im vergangenen Jahr eine schwere Knieverletzung und spielt für den FC Arsenal in London, was ein recht großes Gehalt voraussetzen lässt. Klingt alles abenteuerlich in der Umsetzung – aber auch völlig unmöglich und total absurd? Ein typischer Eberl wäre der Transfer insoweit, dass er überraschend käme und sehr kreativ wäre. Ein bisschen Stranzl. Oder Tomas Galasek, wie 2009. Wintertransfers zur Stabilisierung, waren das. Und das wäre auch Mertesacker. Doch die Idee bleibt abenteuerlich.

Der Franzose Timothée Kolodziejczak vom FC Sevilla wird indes fast schon als fester Bestandteil des Gladbacher Rückrunden-Kaders beschrieben, er wäre ebenso ein Verteidiger wie der Pole Jaroslaw Jach (22) und zudem auch ein Linksfuß. Beide wären dann wohl der von Eberl angestrebte Ersatz für Alvaro Dominguez, der seine Karriere aufgeben musste und vielleicht schon ein Vorgriff für den Sommer, wenn wohl Andreas Christensen zum FC Chelsea zurückkehrt. Vermutet wurde, dass Eberl auch einen Mann für das defensive Mittelfeld sucht, einen Taktgeber und Boss. Doch solche Männer sind teuer bis sehr teuer. Und schwer zu kriegen.

Zumal Eberl vielleicht eher eine andere Lücke stopfen will: im Angriff, wo Patrick Herrmann und Ibo Traoré noch länger fehlen werden. Stevan Jovetic (27), ein Offensivallrounder wird diesbezüglich von "Bild" ins Spiel gebracht. Der Montenegriner spielt für Inter Mailand, beziehungsweise spielt dort für seinen Geschmack zu selten, um glücklich zu sein. Er war für eineinhalb Jahre von Manchester City ausgeliehen, danach griff die obligatorische Kaufoption, Inter will ihn verkaufen. Wäre Gladbach die Lösung? Und er die Lösung für Gladbach? Auf jeden Fall ist es ein Gerücht, über das diskutiert wird in den einschlägigen Foren und auf den Straßen von Mönchengladbach.

Borussia hat bisher keines der Gerüchte bestätigt, indem ein Vertrag geschlossen wurde. Welche davon also faktisch oder postfaktisch sind, ist zum aktuellen Zeitpunkt schwer zu sagen (außer bei den betreffenden Klubs sowie den Spielern nebst Beratern). Was feststeht ist: Borussia ist während dieser Transferperiode im Gespräch wie lange nicht mehr. Endet das Ganze wie bei den Wintertransfers 2011, könnte man sagen: Chapeau! Doch noch sind wir in der Gerüchteküche. Darum bleibt es unruhig, und es weht heftig durchs Transferfenster. Was dieser "Wind of Change" am Ende mit sich bringt? Es wird zu diskutieren sein.

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