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Borussia Mönchengladbach
In Dardais Hertha steckt viel Favre

Fotos: Dardai und Hecking geraten an der Seitenlinie aneinander
Fotos: Dardai und Hecking geraten an der Seitenlinie aneinander FOTO: Screenshot Sky
Mönchengladbach. Die von Pal Dardai trainierte Hertha spielt ähnlich wie die Borussia unter Lucien Favre. Der Ungar schlägt aber deutlich forschere Töne an, als es der Schweizer je machen würde. Von Karsten Kellermann

Pal Dardai war regelrecht euphorisiert. Ein "geiles Training" seiner Mannschaft hatte der Ungar gesehen und festgestellt, dass "die Jungs scharf sind". Weswegen Hertha BSC Berlin, die in dieser Saison so jugendliche Alte Dame, am Sonntag im Mönchengladbacher Borussia-Park antrete, um dort zu gewinnen. "Wir wissen, wie wir dort spielen müssen, Gladbach macht genug taktische Fehler", schob Dardai nach. Rums! Das ist mal offensiv. Und hat so gar nichts von der überaus vorsichtigen Zurückhaltung des Mannes, der den Trainer Pal Dardai nachhaltig geprägt hat: Lucien Favre. Nein, so rotzfrech würde Favre niemals eine Dienstreise einleiten.

Die kesse Hertha indes, die wird den Borussen im Bundesliga-Topspiel ein bisschen vorkommen, wie ein Tête-à-Tête mit einem vergangenen Selbst. Denn Hertha ist nicht nur das Überraschungsteam wie die Gladbacher in der vergangenen Saison, in der viele auf den Einbruch am Niederrhein warteten, der aber nicht stattfand, nein, die Hertha im Pal-System ist fast so etwas wie ein Spiegelbild der Gladbacher in der Favre-Zeit. "In Hertha steckt mehr Favre als in der Borussia", notierte zu Jahresbeginn Stefan Hermanns im Berliner "Tagesspiegel".

Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC im Statistik-Vergleich FOTO: Dirk Päffgen

Entsprechend berichtete auch Dardai, der unter Favre im zentralen Mittelfeld spielte, der Schweizer sei der Trainer, "der mich am meisten geprägt hat". Dardais Hertha verteidigt mit großer Disziplin und findet nach vorn immer wieder Lücken. Hertha operiert mit viel Ballbesitz, sicherem Passspiel und großer Effizienz - so spielte Gladbach viereinhalb Jahre lang unter Favre.

Inzwischen aber ist es eine andere Borussia. Eine Borussia im Schubert-Style. Mutiger, aber auch risikoreicher. André Schubert, der auf Favre folgte, lässt sein Team ganz weit vorn attackieren, um dort den Ball zu erhaschen. Der Weg zum Tor ist dann kurz. Zuletzt indes spielten die Borussen dosierter. "Wir wollen viele Tore schießen, aber hinten auch möglichst keine kassieren", das ist Schuberts Ansatz, sein Credo ist: lieber ein 4:3 als ein 1:0. Dardai hält es da doch mehr mit Favre und setzt auf Sicherheit. Ein Gegentor pro Spiel lässt sein Team im Schnitt zu, Borussia bekam 1,63, schoss dafür aber auch zwei Tore pro Spiel, während Hertha im Schnitt 1,37 produziert. Die drittbeste Offensive der Liga fordert die drittbeste Defensive.

Und beide Trainer, Schubert wie Dardai, müssen ihre Vorarbeiter im jeweils wichtigsten Mannschaftsteil ersetzen. Den Gladbachern fehlt der Ex-Herthaner Raffael. "Natürlich wird er vermisst. Er ist unser bester Torschütze und prägt unser Spiel", sagte Schubert, der neue Ideen für das Angriffsspiel entwickeln muss. Sein ungarischer Kollege muss mithin auf seinen Abwehrchef John Anthony Brooks verzichten. Er muss also seinen eingespielten Abwehrverbund umbauen.

Die Schubert-Tabelle FOTO: afp, oa-iw

Im Hinspiel setzten sich Schuberts wilde Borussen deutlich im Berliner Olympia-Stadion durch. Es gab einen 4:1-Sieg in einer Partie, in der die Gladbacher in fast allen Belangen überlegen waren. "Seitdem sind 17 Spiele vergangen. Wir haben uns weiterentwickelt", stellte Herthas Manager Michael Preetz klar.

Quelle: RP
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