| 17.09 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Guardiolas Angstgegner und Partycrasher in eigener Sache

Gladbach jubelt über Punktgewinn in München
Gladbach jubelt über Punktgewinn in München FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. Zwei Siege, zwei Remis, zwei Niederlagen gegen Borussia Mönchengladbach – gegen keinen anderen Gegner hat Pep Guardiola in seiner Zeit als Coach des FC Bayern eine schlechtere Bilanz. Und dann verschob Gladbach die Meisterfeier der Münchner auch noch nach Ingolstadt. Von Jannik Sorgatz

1. Guardiola Erster, Schubert Zehnter Es erscheint abwegig, Pep Guardiola mit dem Wort "Angstgegner" zu kommen. Der Bayern-Coach hat in seinen 100 Bundesligaspielen 251 Punkte geholt, da genügen Rechenkünste auf dem Niveau der sechsten Klasse, um auf einen Schnitt von 2,51 pro Spiel zu kommen. Der zweitbeste Trainer der Historie (von allen, die mindestens 25 Spiele auf der Bank saßen) ist Sascha Lewandowski, der mit Bayer Leverkusen auf einen Schnitt von 2,04 kommt. André Schubert reiht sich mit 1,81 immerhin auf dem zehnten Platz ein und hat in wenigen Monaten seinen Teil dazu beigetragen, dass Guardiola Borussia Mönchengladbach in nicht ganz so guter Erinnerung behalten wird. Gegen kein anderes Team ließen die Bayern unter ihrem spanischen Trainer viermal Punkte liegen, sogar viermal in Folge. Gegen Leverkusen passierte es ihnen dreimal, gegen Augsburg, Freiburg, Dortmund und Schalke je zweimal. 

2. Gegenseitiges Einlullen Horst Heldt hat anscheinend kein gutes 20-Tage-Gedächtnis. So lange war es her, dass sein FC Schalke gegen eine B-Elf von Borussia Dortmund ein 2:2 geholt hatte, als der Manager sich vor die Mikrofone stellte und Bayerns Achtfach-Rotation gegen Gladbach wie folgt kommentierte: "Das nervt nur. Ich würde es auch so machen, aber trotzdem nervt es." Natürlich war es eine ungewöhnliche Startelf der Münchner, auch wenn diese immer noch mit vier Weltmeistern aufliefen. In Führung lagen sie 66 Minuten lang, es hätte gereicht zum vorzeitigen Titelgewinn und Gladbach hätte sich ärgern müssen. Doch über weite Strecken des Spiels ließ sich nicht eindeutig feststellen, wer da in der Allianz-Arena eigentlich wen einlullte. 

3. Punkteteilung der Remis-Gegner 9:8 Torschüsse sind eine ungewöhnliche Bilanz in einem Spiel mit Bayern-Beteiligung. Wobei das nicht heißt, dass 9:8 Torschüsse typisch wären für ein Gladbach-Spiel. Im Strafraum lag das Verhältnis nur bei 4:3, womit ein paar Tauben, die sich in die Allianz-Arena verirrt hatten, präsenter waren. In Ingolstadt und Hannover war die Borussia zuletzt auf sieben und acht Versuche gekommen. Was die Offensive angeht, zeugt das Remis in München also von Effizienz. Dass Gladbach auswärts wenigstens mal einen Punkt mitnehmen müsse, ist oft gepredigt worden. Nun gab es das erst vierte Unentschieden der Saison gerade bei jenem Team, das zuvor auch erst drei auf dem Konto hatte.

4. "Arschtritt mit Folgen" Jürgen Klopp hat seine Spieler, als er noch Trainer von Borussia Dortmund war, mal als "Mentalitätsmonster" bezeichnet. Die Spieler der anderen Borussia waren von diesem Lob zuletzt immer mal weit entfernt. "Wir haben keine böse Mannschaft, wir haben eine liebe Mannschaft", sagte Max Eberl auf der Mitgliederversammlung und erzählte von einem "Arschtritt", den er den Gladbachern nach der Niederlage bei Schlusslicht Hannover 96 verpasst habe. Prompt hörte Granit Xhaka gar nicht mehr auf, vom vierten Platz zu reden. Prompt haute sich André Hahn, dem mangelnder Einsatz schon vorher nie vorzuwerfen war, noch einen Tick mehr rein. Und so holte die Borussia auswärts zum ersten Mal in dieser Saison noch einen Punkt, nachdem sie 0:1 in Rückstand geraten war.

5. Hahn trifft alle 75 Minuten Streng genommen nahm André Hahn den Ball nach dem Steilpass von Lars Stindl nicht gut mit. Streng genommen ließ sich André Hahn von Medhi Benatia zu weit nach rechts treiben. Aber es sind nicht die Wochen, in denen der 25-Jährige den Gesetzmäßigkeiten gehorcht. Hahn macht sein Ding. Streng genommen hat er in seinen letzten 373 Einsatzminuten fünf Tore erzielt, alle 75 Minuten eines. Aber Hahns Geschichte dieser Saison ist natürlich nicht annähernd komplett, wenn man verschweigt, dass diese Serie am 17. Oktober 2015 mit einem Joker-Doppelpack bei Eintracht Frankfurt begann und durch vom Horrorfoul des Schalkers Johannes Geis für fünf Monate unterbrochen wurde. Hahn macht auch momentan nicht alles richtig – aber er macht alles, und davon eine Menge richtig.

6. Stindl mit 14+14 Zum ersten Mal in dieser Saison war auf der LED-Tafel des vierten Offiziellen eine grüne 13 zu sehen: Bislang hatte Lars Stindl seine 37 Pflichtspiele für die Borussia alle von Beginn an absolviert und von Beginn an überhaupt erst einmal auf der Bank gesessen. Im letzten Spiel unter Lucien Favre beim 1. FC Köln sah er 90 Minuten lang von draußen zu. Nun kam Stindl beim FC Bayern in der 57. Minute rein und drückte der Partie noch seinen Stempel auf. Einmal startete Hahn noch zu früh, dann stimmte das Timing und Stindl sammelte seinen zehnten Assist in dieser Bundesligasaison, wettbewerbsübergreifend steht er bei 14 Toren und 14 Vorlagen.

7. Sommers starke Bayern-Bilanz Von allen deutschen Teams hat Yann Sommer nur gegen den FC Schalke öfter gespielt als gegen den FC Bayern. Mit drei Siegen und vier Niederlagen ist seine Bilanz gegen die Königsblauen deutlich schlechter. Gegen die Bayern hat er dreimal gewonnen, zweimal Unentschieden gespielt und nur einmal verloren. Als sei es eine Kompensation für den sonstigen Erfolg fiel die einzige Niederlage mit 0:7 überaus deutlich aus – das war 2012 mit dem FC Basel im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League. Seitdem ist Sommer ungeschlagen gegen den deutschen Rekordmeister und musste nur zweimal hinter sich greifen.

8. Gladbach nimmt nicht teil Da Borussia Dortmund am Samstag 5:1 gegen den VfL Wolfsburg gewann, drückte Gladbach mit dem 1:1 auf den "Absagen"-Button der Einladung zur Meisterparty des FC Bayern. Zum vierten Mal hätte die Borussia derartigen Feierlichkeiten zusehen müssen, nach 1981, 1986 und 2012. Immerhin fünfmal war die in ihrer Bundesliga-Geschichte Gastgeber, von 1975 bis 1977 in Folge. Das ist gemeinsam mit den Bayern, die das Titel-Triple mehrmals schafften, noch mindestens bis kommenden Samstag Rekord. So waren die Gladbacher in der Allianz-Arena auch Partycrasher in eigener Sache.

9. Alles in der eigenen Hand Die Rechnung ist noch etwas einfacher geworden. Da der dritte Platz weg ist und mindestens der siebte sicher, fokussiert sie sich auf Gladbach, Hertha, Schalke und Mainz. Mit einem Sieg aus den letzten beiden Spielen entgeht die Borussia der Europa-League-Qualifikation, da Hertha und Mainz noch gegeneinander spielen. Alles andere hat sie selbst in der Hand: Mit zwei Dreiern ist der vierte Platz sicher – solange Berlin nicht zwei Siege mit einer Tordifferenz von mindestens 16 Toren einfährt. 

10. Bald im Zebralook Man muss inzwischen ein Meinungsforschungsinstitut beauftragen, um ein exaktes Stimmungsbild zu erhalten. Fest steht: Die Borussia hat ihr neues Heimtrikot präsentiert und erntet zumindest für die Art und Weise ein "Chapeau". Im ZDF-Sportstudio saßen am Samstagabend zwei junge Männer in schwarz-weißen Querstreifen samt Gladbach-Raute und dem umstrittenen, aber nun einmal millionenbringenden gelben Balken des Hauptsponsors. Sie waren nicht in Antalya auf dem Markt mit einer Fälschung über den Tisch gezogen worden, sondern im Auftrag der Marketingabteilung des Vereins im Publikum. Als am Sonntag im "Doppelpass" auf Sport1 wieder zwei Männer in den neuen Trikots zu sehen waren, auffällig unauffällig hinter Max Eberl platziert, war die Sache endgültig klar. Die Spieler werden im neuen Zebralook zum ersten Mal gegen Leverkusen auflaufen. Hahn schoss also das letzte Tor in den alten Heimtrikots.

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