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Borussia Mönchengladbach
Vestergaard steht erstmals im Zentrum

Porträt: Jannik Vestergaard: Däne mit niederrheinischen Wurzeln
Porträt: Jannik Vestergaard: Däne mit niederrheinischen Wurzeln FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Der Däne zeigt gegen seinen alten Verein, Werder Bremen, warum ihn der neue, Borussia Mönchengladbach, geholt hat. Von Jannik Sorgatz

Im Zentrum fühlt er sich ein bisschen wohler, das gibt Jannik Vestergaard offen zu. Am Samstag nach dem 4:1 gegen Werder Bremen stand die Position in der Mitte nicht zur Debatte. Links oder rechts? Anders als auf dem Rasen, wo Trainer André Schubert die Spieler aufstellt, hätte Vestergaard die Wahl gehabt, in der Interviewzone des Borussia-Parks. Doch Thorgan Hazard belegte den vorgesehenen Platz für die Gladbacher Profis und erzählte von seinem Doppelpack. Also orientierte sich Vestergaard nach rechts und stand dort, wo er schon im Februar gestanden hatte, damals als Spieler des SV Werder. Die Raute auf der Brust ist geblieben, im Sommer hat der Däne das weiße W auf grünem Grund gegen ein schwarz-weißes B getauscht.

Allein diese Vertragsunterschrift machte Vestergaard zum Gewinner beim klaren Erfolg seines neuen Klubs gegen den alten. Für ihn persönlich war es obendrein ein besonderer Abend: Der 24-Jährige feierte sein Startelfdebüt für Borussia in der Bundesliga. Bislang hatte er nur im Pokal in Drochtersen begonnen. "Der Konkurrenzkampf ist groß. Die Gruppe hat letztes Jahr schon gut funktioniert. Heute durfte ich mal von Beginn an ran und habe gezeigt, für was ich stehe", sagte Vestergaard.

Ein imposanter Verteidiger ist er mit 1,99 Metern Körpergröße ja schon, wenn er nur rumsteht. 64 Prozent seiner Zweikämpfe gewann Vestergaard, gegen Aron Johansson rettete er in höchster Not auf der Linie. Auch sein Aufbauspiel war fehlerarm, 93 Prozent aller Pässe kamen an. In der 16. Minute gestaltete Vestergaard den Aufbau sogar so einfach wie möglich. Einen langen Ball auf Hazard spielte er über zehn Bremer hinweg. Da jubilierten die Verfechter des Packings. So heißt die Methode, die überspielte Gegner zählt. Hazard hatte freie Bahn und traf zum 2:0.

Trainer Schubert hatte vor dem Spiel Anerkennung und Anreize in eine Aussage gepackt, als er nach Vestergaard gefragt wurde. "Er arbeitet sehr gut an sich, ist ein sehr positiver Charakter, völlig problemlos im Umgang untereinander. Er weiß, dass es gewisse Dinge gibt, Laufwege, Abstimmungsgeschichten, an denen er arbeiten muss", sagte Schubert. Insofern war Bremen nicht nur ein dankbarer Aufbaugegner für Borussia nach zwei Niederlagen in Folge, sondern ein Integrationsgegner für Vestergaard. "Die Saison ist noch lang und wir werden alle Jungs brauchen. Ein bisschen Geduld ist im Fußball manchmal gefragt", sagte Schubert. Vestergaard belegt nach dem Spiel gegen Werder den 13. Platz der Gladbacher Minutenstatistik, hinter Fabian Johnson und vor André Hahn. So verkehrt ist das für den Anfang wohl wirklich nicht.

Gefragt war der dänische Nationalspieler am Samstag auch als externer Krisenkommentator. "Es ist gerade wieder nicht einfach für den Verein, die Fans und die Stadt. Aber ich glaube an Werder", sagte Vestergaard. Die Fragen nach dem alten Arbeitgeber, dem Schlusslicht der Bundesliga, waren im weiß-schwarzen Trikot der Borussia dankbar und undankbar zugleich. "Wir sind sehr aggressiv und konzentriert rausgekommen. So haben wir gleich das Publikum mitgenommen", sagte Vestergaard. "Aus den letzten Jahren als Gegner weiß ich, wie schwer es dann hier ist." Beim Gladbacher 5:1-Erfolg im Februar stand er für Werder auf dem Rasen - und stand weitgehend neben sich. Dafür hatte er im Dezember beim Bremer 4:3-Sieg im Pokal sogar getroffen.

Der Wohlfühlplatz im Zentrum der Dreierkette wurde nun frei, weil Schubert seinen zweiten Dänen, Andreas Christensen, etwas nach vorne auf die Sechserposition verschob. So machte Christensen sein 33. Bundesligaspiel in Folge über 90 Minuten und Vestergaard sein erstes für Borussia. Ohnehin, betonte Schubert, sei das in der Abwehr "eine ganz variable Geschichte" gewesen. Christensen rückte oft nach hinten, wenn Bremen den Ball hatte. In der dänischen Nationalmannschaft waren die Rollen zuletzt klarer verteilt: Christensen spielte in der Mitte, Vestergaard links. Es gab zwei Siege ohne Gegentor.

Quelle: RP
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