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Borussia Mönchengladbach
Hofmann fehlt der letzte Schritt

Borussia Mönchengladbach: Jonas Hofmann fehlt der letzte Schritt
Gute Haltung, viel Übersicht, laufstark - aber auch mit Schwächen im Abschluss und mit zunehmender Spieldauer phlegmatisch: Jonas Hofmann. FOTO: Dirk Päffgen
Wolfsburg. Der 24-Jährige blüht unter Trainer Hecking auf, trifft aber in der Liga einfach nicht. So tritt er wie Borussia auf der Stelle. Von Georg Amend

Wer die fast beendete Bundesliga-Saison 2016/17 Borussias personalisieren will, kommt an Jonas Hofmann kaum vorbei. In der Hinrunde, die mit 16 Punkten aus ebensovielen Spielen bis zum Jahresende alles andere als gut lief, kam der Mittelfeldspieler unter Trainer André Schubert lediglich fünf Mal zum Einsatz, zweimal davon, gegen Hamburg und Augsburg, sogar jeweils nur für die letzten fünf Minuten.

Dann kamen das neue Jahr und der neue Trainer, und Dieter Hecking setzte voll auf Hofmann - nur zwei Spiele verpasste er wegen einer Hüftverletzung, ansonsten war er immer dabei, meist über die volle Distanz. Seine Qualitäten: Der Ex-Dortmunder ist laufstark, ballsicher, intelligent, diszipliniert. Dafür hat er Defizite bei der Aggressivität und dem Torabschluss. Und das, obwohl Hofmann bereits gezeigt hat, das er diesen durchaus beherrscht: Für die deutsche U 21-Nationalmannschaft steht beim inzwischen 24-Jährigen eine sehr gute Quote von fünf Toren in zehn Spielen.

Für Borussia sieht seine Bilanz in der Europa League mit einem Tor (1:0 beim 1:1 im Hinspiel gegen Schalke 04) und zwei Vorlagen (zum 3:2 und 4:2-Endstand im Rückspiel beim AC Florenz) in drei Spielen sowie im DFB-Pokal mit einem Tor (1:1 gegen Eintracht Frankfurt vor dem späteren Aus im Elfmeterschießen) und einer Vorlage (zum 2:0 beim 2:1-Sieg im Viertelfinale in Hamburg) in drei Spielen ebenfalls sehr gut aus.

In der Bundesliga konnte er diese Quoten bisher aber nicht bestätigen. Er ist in dem Wettbewerb für Borussia noch ohne Treffer - trotz bester Chancen, wie nun auch in Wolfsburg, als er nach 14 Minuten nach einem Katastrophen-Pass von Josuha Guilavogui frei auf Torwart Koen Casteels zulief, den Ball aber an den Pfosten schob. Das Gefühl kennt Hofmann - beim 1:0-Heimsieg gegen Hertha BSC hatte er binnen einer Minute zweimal das Gestänge getroffen, zudem am Anfang des Spiels den Ball frei am Tor vorbeigeschoben.

Und für die fehlende Aggressivität lieferte die Partie in Wolfsburg ebenfalls ein Beispiel: Nach einem satten Schuss von André Hahn, den Casteels in die Mitte abprallen ließ, hätte sich Hofmann eigentlich nur in den Ball werfen müssen, um ihn über die Torlinie bringen zu können, doch er zögerte zu lange und so klärte Wolfsburg. Dem Borussen fehlt da der letzte Schritt - wie wohl auch seinem Team im Kampf um die internationalen Plätze. Denn statt eines 2:0 gab es wenig später das 1:1 - an dem Hofmann eine große Mitschuld trug, weil er einen für ihn untypisch groben Schnitzer hatte. Er spielte den Ball in der Vorwärtsbewegung genau in den Fuß von Luiz Gustavo, der den Anfang der Kette bildete, an deren Ende Mario Gomez vollstreckte.

Christoph Kramer, der eine gute Sicht auf die Szene gehabt hatte, weil er Hofmann vor dessen Fehlpass bedient hatte, fasste gut zusammen: "Das Spiel darf nicht unentschieden ausgehen. Nach der Pause müssen wir das 2:0 machen, und es beschwert sich auch keiner, wenn es da 3:0 steht. Stattdessen haben wir nach dem Gegentor, das komplett unnötig war, den Faden verloren."

Und daran hatte eben auch Hofmann einen Anteil, der sich eine Partie, die er bärenstark begonnen hatte, mit einem mehr und mehr phlegmatisch werdenden Spiel selbst kaputt machte. Hecking nahm ihn nach 66 Minuten vom Feld - nur einmal hatte er ihn bis dato früher ausgewechselt: Bei der 1:2-Niederlage in Hamburg war nach 57 Minuten Schluss gewesen.

So lief das Spiel in Wolfsburg für Hofmann quasi konträr zu Borussias kompletter Saison. Während sie schlecht begonnen hatte und dann besser geworden war, hatte der Mittelfeldspieler in dieser Partie die entgegengesetzte Entwicklung hinter sich. Nach seinem Pfostenschuss holte er mit einem strammen Schuss aus rund 22 Metern noch die Ecke heraus, die er selbst hereinbrachte und an deren Ende Jannik Vestergaard das 1:0 köpfte. Hofmann machte ein starkes Spiel.

Doch dann kamen bei ihm und eben auch bei Borussia insgesamt zwei Dinge zusammen, die letztlich den Sieg kosteten: Es wurden keine Tore nachgelegt und das Spiel wurde fehlerhaft. Dieses Auf und Ab kennzeichnet Borussias komplette Spielzeit - Hofmann ist für diese ein personifiziertes Sinnbild.

Quelle: RP
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