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Borussia Mönchengladbach
Eine schwierige Rechnung und Freitag, der 1. bis 31.

EInzelkritik: Christensen hat Abwehr im Griff – Traoré neben sich
EInzelkritik: Christensen hat Abwehr im Griff – Traoré neben sich FOTO: dpa, fve fdt
Mainz/Mönchengladbach. Zum dritten Mal in Folge startet die Borussia holprig ins neue Jahr. Bislang wurde immer alles gut. Wann die Mannschaft diesmal in die Spur findet, ist allerdings ungewiss. Das nächste Spiel macht aus einem bestimmten Grund keinen Mut. Von Jannik Sorgatz

1. Seit 557 Minuten ohne Freitagstor Von einem generellen Flutlicht-Fluch kann keine Rede sein. Im Spätherbst geht das Licht schon am Samstagnachmittag an, und in der Champions League schienen 1500 Lux die Borussia auch nicht zu hemmen. Es dürfte also am Wochentag liegen, diesem verflixten Freitag, der nicht einmal auf einen 13. fallen muss, um Gladbach Unglück zu bringen. Den letzten Sieg gab es am 22. November 2013 beim VfB Stuttgart, als Oscar Wendt auch das bis heute letzte Freitagstor für die Borussia erzielte. Seitdem wartet der VfL 557 Minuten auf einen Treffer. Nächste Woche kommt übrigens Werder Bremen in den Borussia-Park – am Freitag.

  • 24. Januar 2014: Bayern München (H) 0:2
  • 7. Februar 2014: Bayer Leverkusen (H) 0:1
  • 6. Februar 2015: FC Schalke 04 (A) 0:1
  • 17. April 2015: Eintracht Frankfurt (A) 0:0
  • 11. September 2015: Hamburger SV (H) 0:3
  • 29. Januar 2016: FSV Mainz 05 (A) 0:1

2. Nichts zu lachen gegen Mainz "Gladbach lässt Chancen aus und wird von Clemens bestraft", lautete die Überschrift auf "kicker.de" – am 23. August 2015. Fünf Monate später musste man die Bausteine der Schlagzeile nur umdrehen, so in etwa: "Clemens bestraft Gladbach provisorisch für ausgelassene Chancen." Bis auf den FC Ingolstadt, mit dem es jedoch nur ein Duell gab in dieser Zeit, hat die Borussia seit Beginn der Saison 2014/15 gegen jedes Team der Liga gewonnen. Nur gegen Mainz herrscht absolute Siegesflaute. Jetzt setzte es sogar im fünften Anlauf die erste Niederlage im neuen Stadion der 05er, das immerhin 2011 eingeweiht wurde.

3. Und wenn ja, wie viele? Auf "Sky" war am Freitag dauernd von sieben Stammspielern die Rede, die der Borussia fehlen. Tatsächlich ist die Rechnung nicht so einfach. Dass acht Profis fehlten, war unstrittig, sieben davon aufgrund von Verletzungen. In der Abwehr konnte Trainer André Schubert nicht auf Tony Jantschke, Martin Stranzl, Alvaro Dominguez und Nico Schulz zurückgreifen, was eine potenzielle Viererkette ist, die jedoch noch nie ihr Potenzial ausschöpfen konnte, weil das Quartett noch nie gemeinsam im Kader stand. Man könnte sich auf Stranzl, Jantschke, Dominguez, Granit Xhaka, Mahmoud Dahoud und Patrick Herrmann einigen, wobei Andreas Christensen zumindest einen der Defensivkollegen in der Regel zuverlässig ersetzt. Letztendlich spricht es aber Bände, dass niemand so richtig weiß, wie viele Spieler der Borussia nun fehlen.

Übersicht: Borussias Ausfall-Liste der Saison 2015/16 FOTO: dpa, fg fdt

4. Spätestens im März Es ist momentan noch Unruhe auf Abruf am Niederrhein. Schlechte Starts ins Jahr entwickeln sich langsam zum Markenzeichen. 2014 setzte es drei Niederlagen in Folge und erst am 15. März gelang der erste Sieg. 2015 stimmten zwar die Resultate, nach nur sechs Treffern in sieben teils sehr biederen Spielen hätte am 1. März jedoch kaum einer drauf gewettet, dass die Borussia erst am 23. Mai wieder verlieren würde. 2016 stellt Schubert nun vor seine erste große Probe. Zwischen der Gegenwart und dem rettenden März liegt jedoch der komplette Februar.

5. Nüchtern destillieren Das 1:3 gegen Dortmund und das 0:1 gegen Mainz hatten nicht allzu viel gemeinsam, bis auf die Tatsache, dass 100 Prozent aller Gegentore seit der Winterpause vermeidbar waren. Weltklasse-Dortmund und biedere Mainzer stellten Gladbach vor sehr unterschiedliche Aufgaben. So ist es hilfreich, nicht ein Team als Ganzes an den Pranger zu stellen, sondern die Defizite der ersten 180 Minuten des Jahres nüchtern herauszudestillieren. Wenn die Schubert-Elf sich nach Ballverlusten nicht mehr auskontern lässt und wieder ihre Chancen nutzt, steht einem Erfolg gegen Bremen schon nicht mehr viel im Weg. Ganz so leicht scheinen beide Aufgaben momentan aber nicht zu sein.

6. Nicht ganz so schlecht Nach dem BVB-Spiel war man sich weitgehend einig, dass sowohl ein 3:2 als auch ein 1:5 möglich gewesen wären. Genauso hätte in Mainz am Ende ein 2:1- oder 3:1-Erfolg zu Buche stehen können. Die Werte waren nicht schlechter als bei den bisher drei Auswärtssiegen, teilweise sogar besser: 

  • Mainz: 12 Schüsse – 7 aufs Tor – 63 Prozent Ballbesitz
  • Hertha: 11 – 7 – 58 Prozent
  • Frankfurt: 16 – 6 – 51 Prozent
  • Stuttgart: 9 – 5 – 48 Prozent
Stindl und Raffael verdaddeln riesige Doppelchance FOTO: Dirk Päffgen

7. 4-1-4-1 Die Doppelsechs hat jahrelang zur Borussia gehört wie die Vereinsfarben Schwarz, Weiß und Grün. Dementsprechend lief der VfL in Mainz sozusagen in Gelb auf, nämlich mit nur einem Sechser (Havard Nordtveit). Davor wuselten zwei zentrale Mittelfeldspieler (Lars Stindl und Fabian Johnson), ein halbzentraler Mittelfeldspieler (Jonas Hofmann) und leider ein Totalausfall auf dem rechten Flügel (Ibrahima Traoré). Das war manchmal so verworren, wie es klang, da das System sonst zwar auch flexibel war, aber von besseren Absprachen profitierte. So ist Hofmann weiterhin nicht angekommen in Gladbach, es blieb erneut bei guten Ansätzen in wenigen Szenen.

8. 200 Meter weiter "Mainz ist die laufstärkste Mannschaft der Liga", hatte Schubert auf der Pressekonferenz am Donnerstag gewarnt. Nach dem 0:1 am Freitag stand der Trainer zwar als sportlicher Verlierer da, durfte sich aber als Statistik-Orakel fühlen. Mit 125,2 Kilometern übertrafen die Mainzer sogar ihren Saisonrekord aus dem Hinspiel. Damals liefen sie 200 Meter weniger. Gladbach steigerte sich um 2000 Meter, blieb mit ebenfalls starken 120,5 Kilometern dennoch deutlich hinter dem Gegner.

9. Zwangsrotation In 28 Pflichtspielen haben Lucien Favre und Schubert 13 verschiedene Formationen in der Innenverteidigung aufgerufen. Während Favre mit sechs in sechs Spielen besonders kreativ alias verzweifelt war, hat bei Schubert das Verletzungspech verhindert, dass mehr Kontinuität Einzug halten konnte. Sonst hätten Christensen und Dominguez, das häufigste und beste Duo, wahrscheinlich durchgespielt. Das ist die Verteidiger-Rangliste, in die sich dank Schubert zwei Trios eingeschlichen haben:

  • Christensen-Dominguez 8 Spiele 
  • Christensen-Nordtveit 4
  • Christensen-Jantschke 3
  • Elvedi-Christensen-Nordtveit 2
  • Christensen-Elvedi 2
  • Schulz-Christensen 1
  • Schulz-Jantschke 1
  • Brouwers-Schulz 1
  • Stranzl-Brouwers 1
  • Brouwers-Jantschke 1
  • Brouwers-Christensen 1
  • Jantschke-Christensen-Nordtveit 1
  • Christensen-Hinteregger 1

10. 2:2 gegen Frankfurt Am Samstag hätte das Duo Stranzl-Brouwers mal wieder eine Chance bekommen sollen. Spielpraxis für Martin Stranzl schien immerhin einer der Hauptgründe gewesen zu sein, warum die Borussia ein Testspiel gegen den FSV Frankfurt ansetzte. Doch Stranzl musste aufgrund von Rückenproblemen nicht nur in Mainz passen, sondern meldete sich auch für den Test ab. Beim 2:2 hielt wenigstens Josip Drmic seine gute Testspielquote aufrecht: In der Türkei war er gegen Sivasspor erfolgreich, für die U23 gegen Hannover 96 II und gegen Zweitligist Frankfurt.

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