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Borussia Mönchengladbach
Gladbacher Kontrollfreaks und Spannung bis zum Ende

Leipzig - Gladbach: Einzelkritik
Leipzig - Gladbach: Einzelkritik FOTO: dpa, woi jai
Mönchengladbach. Borussia braucht den Ball. Je mehr der Gegner agieren kann, desto brenzliger wird es. Das 2:2 in Leipzig mit 36 Prozent Ballbesitz in der ersten und 63 Prozent in der zweiten Halbzeit war ein Paradebeispiel. Von Jannik Sorgatz

Selten völlig gefrustet

Wäre Borussia unter Dieter Hecking bislang ausschließlich auswärts angetreten, hätte es mit der Durchschnittspunktzahl ganz knapp für den siebten Platz gereicht, womit die Mannschaft nun sehr wahrscheinlich in der Europa-League-Gruppenphase unterwegs wäre. International ist sie auf fremdem Platz schließlich ungeschlagen geblieben und hätte so die Qualifikation vermutlich, anders als der SC Freiburg, überstanden. Der vergangene Donnerstag wird die Fans noch ein wenig geschmerzt haben – der FC im Emirates, halbleere Stadien in Sinsheim und Berlin. Aber immerhin ist Auswärtsfahren für die Borussen momentan sehr erquicklich, weil sie nach den Spielen selten gefrustet in einem ICE, einer Regionalbahn, im Auto oder an der Theke einer Kneipe in irgendeiner Bundesligastadt sitzen. Nur zwei Niederlagen in zwölf Hecking-Spielen – wir sind bis 2011 zurückgegangen und haben keine vergleichbare Ausbeute gefunden. Von November 2014 bis Mai 2015 gab es in solch einem Zeitraum einmal drei Niederlagen. In den 15 Jahren davor zu suchen, erscheint ohnehin sinnlos.

Stindl fühlt sich überall wohl

Lars Stindl ist maßgeblich beteiligt an dieser Bilanz, schließlich gelangen ihm sieben Treffer in zehn Bundesliga-Auswärtsspielen unter Hecking. Beim Sieg in Bremen und der Niederlage in Hamburg fehlte er verletzt. Vor seinem großen Abend mit dem Doppelpack in Leverkusen Ende Januar hatte der Kapitän 17 Monate lang kein Auswärtstor erzielt, neun in Folge waren ihm zu Hause gelungen. Mit seinem 19. Ligatreffer für Borussia hat Stindl nun seine Hannover-Ausbeute erreicht – allerdings innerhalb von 64 statt 131 Einsätzen. Ein Heimtor des Nationalspielers könnte Gladbach am Dienstag gegen den VfB Stuttgart (Anpfiff 18.30 Uhr) allerdings gut gebrauchen.

Wieder ein Einwurf im Mittelpunkt

Im Februar war Thorgan Hazard noch mit einem etwas zaghaften, halbhohen Elfmeter an Leipzigs Torwart Peter Gulacsi gescheitert. Sieben Monate später hat es geklappt vom Punkt. Verdient hatte Hazard die Chance zum ersten Saisontor, weil er den Gegner mit seinem blitzschnellen Einwurf auf Jonas Hofmann erst in Schwierigkeiten gebracht hatte. So bleibt für den Belgier unterm Strich auch noch ein Assist-Assist hängen. Und das Plädoyer, Einwürfe nicht zu unterschätzen, kann wieder vorgetragen werden: In Augsburg war Hazard vor seinem Pfostenschuss von Oscar Wendt auf die Reise geschickt worden, gegen Frankfurt hatte die Eintracht nach einem Einwurf getroffen.

Ball-Freunde

64, 41, 53, 45, 66, 75, 36, 63 – das ist Borussias Ballbesitz-Statistik in Prozent, aufgeschlüsselt nach Halbzeiten. Bis auf das Frankfurt-Spiel (das sind die 66 und die 75 Prozent) geht bislang die Gleichung "Je mehr, desto souveräner" auf. Heckings Mannschaft benötigt den Ball, das ist ihr Wesen. In Leipzig kam der Aufschwung, weil nach der Pause auch die Zweikampfhärte da war und Borussia entschlossener ins Gegenpressing ging. Denis Zakarias Willensleistung vor dem 2:2 war exemplarisch. Es stellt sich nur die Frage, ob und wenn ja, warum Gladbach anfangs meinte, Spielern wie Naby Keita so viel Raum im Mittelfeld geben zu können – auch da stand Zakaria im Fokus.

Spannend bis zum Ende

Ein unberechtigter Elfmeter, ein abgefälschter Schuss – Nuancen können bei Borussia über den Ausgang der Spiele entscheiden, mitunter auch der Zufall. Neunmal in Folge machte maximal ein Tor den Unterschied, in den vergangenen 15 Spielen endete nur das in Hoffenheim (3:5 aus Gladbacher Sicht) mit zwei Treffern Unterschied, da fiel das entscheidende Tor in der 89. Minute. Interpretieren lässt sich das – man hat sich dran gewöhnt, wenn es um Borussia geht – in beide Richtungen. Einerseits ist die Mannschaft nicht in der Lage, ein Spiel mal sicher für sich zu entscheiden, andererseits ist sie nie chancenlos. Sechs der sieben Pflichtspielniederlagen unter Hecking, alle bis auf Hoffenheim, passten ins Schema. Recht unwahrscheinlich ist es also auch am Dienstag, dass irgendein Fan vor dem Abpfiff entspannt zum Auto gehen kann, weil schon alles entschieden ist. Die Gefahr, noch bestraft zu werden, ist größer denn je.

 
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